Alarm in Umgebung Uranlösung aus französischer Atomanlage ausgetreten

Atomunfall in Südfrankreich: Aus einer Anlage bei Avignon sind Tausende Liter einer Uranflüssigkeit ausgetreten. Sie gelangte bei Reinigungsarbeiten in die Kanalisation. Die staatliche Aufsicht sieht kein großes Risiko - doch Anwohner dürfen kein Wasser mehr entnehmen, Fischen wurde verboten.


Atomanlage Tricastin (Ausschnitt bei Google Earth): 30.000 Liter verschüttet
Google Earth / DigitalGlobe

Atomanlage Tricastin (Ausschnitt bei Google Earth): 30.000 Liter verschüttet

Paris - Südfrankreich ist in Sorge. Aus der Anlage Tricastin bei Avignon ist am heutigen Dienstag eine radioaktive uranhaltige Lösung ausgetreten.

30 Kubikmeter der Flüssigkeit seien auf den Boden geflossen, und ein Teil sei in die Kanalisation gelangt, teilte die französische Atomaufsichtsbehörde ASN mit. In einer Anlage zur Behandlung von Uranlösungen sei ein Kessel bei der Reinigung übergelaufen. Das Rückhaltebecken sei wegen Arbeiten undicht gewesen.

Die Menge entspricht 30.000 Litern; in jedem Liter befinden sich den Angaben zufolge zwölf Gramm nicht angereichertes, schwach radioaktives Uran - insgesamt also 360 Kilogramm.

Ein Teil sei in die zwei Flüsschen Gaffière und Lauzon gelangt, teilte die Atomaufsichtsbehörde mit. In einem der beiden wurde eine Urankonzentration rund tausendmal über dem Normalwert gemessen, sank dann den Angaben zufolge aber schnell wieder ab.

Die Gefahr für die Bevölkerung sei gering, sagte ein Sprecher der Behörde. Als Vorsichtsmaßnahme sei nun allerdings in drei Gemeinden die Wasserentnahme durch Privatleute und Bauern verboten. Auch der Verzehr von Fischen aus umliegenden Flussläufen ist vorerst nicht mehr gestattet. Auch die Bewässerung von Feldern mit dem Wasser ist ebenso untersagt wie Schwimmen und Wassersport.

Die Umweltschutzbewegung Sortir du Nucléaire teilte dagegen mit, bei 360 Kilogramm Uran sei es unmöglich, dass es keine Gesundheitsgefährdung gebe. Wer verseuchtes Wasser trinke, habe die Partikel im Körper. Auch bei geringer Strahlung entstehe dann erhebliche Krebsgefahr.

Frankreich gewinnt 80 Prozent seiner Elektrizität aus Atomkraft. Das Kernkraftwerk Tricastin wird vom staatlichen Stromkonzern EDF betrieben. Die Anlage im Departement Drôme besteht aus vier Reaktorblöcken mit einer Leistung von jeweils 900 Megawatt.

ffr/dpa/AFP/AP



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