Flugzeugabsturz in Algerien Ermittler rätseln über Unglücksursache

Nach dem Absturz einer Militärmaschine mit rund 250 Toten ordnete Algeriens Präsident eine dreitägige Staatstrauer an. Ein Komitee hat mit den Ermittlungen zur Unglücksursache begonnen.

AP

Nach dem schwersten Flugzeugunglück der algerischen Geschichte ist die Ursache für den Absturz weiter unklar. 247 Passagiere, die meisten von ihnen Angehörige des Militärs, und zehn Crew-Mitglieder wurden bei dem Unglück getötet. An Bord sollen auch Flüchtlinge aus der Westsahara gewesen sein.

Der Militärtransporter zerschellte kurz nach dem Start von einer Militärbasis gegen acht Uhr nahe der Hauptstadt Algier auf einem Feld, wie das Verteidigungsministerium berichtetete.

Das viermotorige Flugzeug sollte vom Luftwaffenstützpunkt Boufarik etwa 30 Kilometer südwestlich von Algier in die Stadt Bechar in den Westen des Landes fliegen. Angaben des Verteidigungsministeriums zufolge stürzte die Maschine um 7.50 Uhr Ortszeit ab.

Verhinderte der Pilot Schlimmeres?

Algeriens Präsident Abdelaziz Bouteflika kündigte eine dreitägige Staatstrauer an. Der Generalstabschef der algerischen Armee, Ahmed Gaid Salah, sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Ein Komitee solle die Untersuchungen zum Absturz leiten, sagte er, nachdem er die Absturzstelle besichtigt hatte. Auch Frankreich, die USA und Russland kondolierten.

Möglicherweise verhinderte der Pilot der Unglücksmaschine, dass es noch weitere Todesopfer gab. Ein Augenzeuge sagte dem privaten Fernsehsender "Ennahar" laut der Nachrichtenagentur Reuters: "Der Pilot verhinderte es, auf die Straße zu stürzen, indem er seine Flugrichtung in Richtung des Feldes änderte".

Von offizieller Seite wurden keine Überlebenden des Unglücks bestätigt. Laut der Nachrichtenagentur AP berichteten Augenzeugen jedoch von Menschen, die vor dem Absturz aus dem Flugzeug sprangen.

Zahlreiche Rettungswagen brachten die Opfer in Krankenhäuser. Einem Sprecher des Zivilschutzes zufolge waren 60 Rettungswagen, 30 Feuerwehrautos und 350 Feuerwehrleute im Einsatz, um die Flammen zu löschen und die Opfer zu bergen.

Die Toten wurden den Angaben zufolge in das Militärkrankenhaus in Ain Naadja nahe Algier gebracht. Dort sollten sie identifiziert werden. 30 der Opfer sollen der Polisario angehören, einer Organisation, die für die Unabhängigkeit der Westsahara kämpft.

2014 war schon einmal ein Militärtransporter im Norden des Landes verunglückt. Damals starben 77 Menschen. Zudem war es das schwerste Flugzeugunglück weltweit seit dem Abschuss des Malaysia Airlines Fluges MH17 im Juli 2014 über der Ostukraine. Damals wurden alle 298 Menschen an Bord getötet, die meisten von ihnen waren Niederländer.

Die Unglücksmaschine

Bei der Unglücksmaschine soll es sich um eine vierstrahlige Iljuschin Il-76 handeln. Dieser Flugzeugtyp war das meistgenutzte Frachtflugzeug in der ehemaligen Sowjetunion. Seinen Erstflug absolvierte der Mittel- und Langstreckenflieger 1971. Seitdem wurden viele der mittlerweile mehr als 900 Exemplare für den zivilen Betrieb umgerüstet. Mehr als 46 Meter lang und knapp 15 Meter hoch, kann die Iljuschin je nach Baureihe zwischen 40 und 60 Tonnen zuladen.

Zur schlimmsten Katastrophe einer militärisch genutzten Iljuschin Il-76 kam es 2003, als im Südosten Irans alle 275 Insassen starben. Bei Königs Wusterhausen nahe Berlin verunglückte 1972 eine Iljuschin Il-62 der DDR-Gesellschaft Interflug mit Urlaubern an Bord. Es gab 156 Tote. 1972 starben bei einem missglückten Landeanflug auf Moskau 174 Menschen.

bbr/AP/Reuters/dpa



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