Alkohol in den Emiraten Ein Loch, sich zu laben

Sie sind die diskrete Ausnahmen vom allgemeinen Verbot - Alkoholläden in den Emiraten. Alexander Smoltczyk über Regeln des toleranten Islam und "Löcher in der Wand", wo sich Hochprozentiges erstehen lässt.

Alexander Smoltczyk

Es gibt viele Gründe, das Leben am Golf angenehmer zu finden als das in Deutschland. Zum Beispiel trocknet die Wäsche schneller. Und man sieht weniger Männer in kurzen Hosen mit Tennissocken, weil hier die Männerbeine verschleiert herumlaufen. Auch werden einem im Polizeihauptquartier zur Begrüßung frische Datteln und arabischer Kaffee angeboten.

So jedenfalls im Revier Khalifa City, weit vor den Toren der Stadt, wohin sich zu begeben hat, wer eine Likörlizenz haben möchte, richtiger: eine Liquor License. Noch richtiger: eine Lizenz zum Saufen.

"Black List" steht auf dem Schild am Schalter - aber das, sagt die verschleierte Polizistin, sei nur für die "Wanted Men". Die sich hier stellen können. Gerade ist keiner da. Die Liquor License gibt es einen Meter weiter.

Der Koran sagt zwar in der 16. Sure: "Wir geben euch von den Früchten der Palmen und der Weinstöcke, woraus ihr euch ein Rauschgetränk und einen schönen Lebensunterhalt nehmt." Aber das ist eher eine Feststellung des Faktischen, keine Lizenz zum Brauen.

Mischung aus Puffbesuch und Exhibitionismus

Denn: "Oh ihr, die ihr glaubt, der Wein, das Glücksspiel, die Opfersteine und die Lospfeile sind ein Gräuel von Satans Werk. Meidet es, auf dass es euch wohl ergehe." (5. Sure, 90) Erst im Paradies ist mit "Bächen von Wein" zu rechnen. Weil auch Abu Dhabi trotz seines Pro-Kopf-Einkommens vom Paradies noch einiges entfernt ist, herrscht hier Alkoholverbot.

Eigentlich.

Uneigentlich gibt es überall in der Stadt Geschäfte, deren Namen vermuten lassen, es handele sich um Kontore oder Unternehmensberatungen: "African & Eastern" oder "Gray Mackenzie & Partners". Ihre Schaufenster sind zugeklebt, und es gibt separate Ein- und Ausgänge, so dass man nie aus derselben Tür herauskommt, in der man zuvor verschwunden ist. Vor diesen sinistren Orten halten abends Limousinen mit stark getönten Scheiben. Man sieht philippinische Bedienstete Kartons herantragen oder schwarze Tüten, in denen Glas an Glas schlägt.

Bestimmt sind es Christen, die in diesen Wagen sitzen.

Und bestimmt haben sie auch ihre Liquor License dabei - es gibt sie in verschiedenen Preisklassen, wobei die Regel gilt: Je höher das Einkommen, desto mehr wird getrunken.

Die Schwelle zu diesen Etablissements zu übertreten, erfordert eine gewisse Abgebrühtheit. Es ist eine Mischung aus Puffbesuch und Exhibitionismus, denn wer hier hineingeht, der will das eine: Alk.

"Gott ist voller Vergebung und barmherzig"

Gleich hinter der Tür ragen Whiskey- und Ginregale in die eisgekühlte Luft, bayerisches Weißbier palettenweise, Liköre in allen Farben der Regenbogenpresse, edler Bordeaux aus West South Wales, billige Loireweine und teure Chile-Crus, Bäche von Wein, Früchte von Palmstock und Rebe also in allen Öchslegraden und Pressungen. Und auch die Tugendwächterinnen an der Kasse fragen nur nach der Scheckkarte, nicht nach sonstigen Dokumenten, denn: "Gott ist voller Vergebung und barmherzig." (33. Sure, 73).

"Hole in the wall" wird das in der Golf-Literatur genannt, "Loch in der Wand". Es ist der kleine Lichtblick im Regelwerk, die diskrete Ausnahme vom Allgemeinen, durch die das Leben besonders wird. Wer das Loch verlässt, ist verpflichtet, auf dem kürzesten Weg nach Hause zu fahren. Denn Alkohol darf nicht transportiert werden.

Unglückliche, die einen Unfall haben und auch nur eine Flasche Wein in ihren Kofferräumen, bekommen ziemlichen Ärger. Denn, so heißt es in Sure 56, "trinken werdet ihr wie durstkranke Kamele. Das ist ihre Bewirtung am Tag des Gerichts."

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insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
sitiwati 17.08.2010
1. ach ; gott,
der ALK, in einem gewissen arabischen Staat, sehr streng, konnte man Alk und Schweinefleisch kaufen, war eben etwas teurer wie bei XY in D, im dortigen Supermarkt lachten die Kassierer, wenn die Jungs mit 1oKilo Zucker und 5 Kästen Traubensaft ankamen, selbst die auf dem Flughafen wussten , wozu man Kitzinger Weinhilfe braucht !
Peter Sonntag 17.08.2010
2. Zur Gesundheit !
Zitat von sysopSie sind der kleine Lichtblick, die Ausnahme vom allgemeinen Verbot -*Alkoholläden in Dubai. Alexander Smoltczyk über Regeln des toleranten Islam und "Löcher in der Wand", wo sich Hochprozentiges erstehen lässt. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,711746,00.html
Hoffentlich kommen wir in Deutschland nicht auch eines Tages in die Verlegenheit, unseren "Stoff" in dergleichen Löchern kaufen zu müssen. Die moralischen und gesundheitstechnischen Eiferer sind doch schon kräftig am agitieren.
gekkogirl 17.08.2010
3. re
Zitat von sitiwatider ALK, in einem gewissen arabischen Staat, sehr streng, konnte man Alk und Schweinefleisch kaufen, war eben etwas teurer wie bei XY in D, im dortigen Supermarkt lachten die Kassierer, wenn die Jungs mit 1oKilo Zucker und 5 Kästen Traubensaft ankamen, selbst die auf dem Flughafen wussten , wozu man Kitzinger Weinhilfe braucht !
Ach,dasselbe gilt auch fuer Norwegen. Brennanlagen und entsprechende Anlagen kann man in jedem Supermarkt kaufen. Man darf zwar nicht selber brennen, aber sehr viele Menschen machen es doch, wegen der lokalen Alkoholpreise.
Osis, 17.08.2010
4.
Zitat von Peter SonntagHoffentlich kommen wir in Deutschland nicht auch eines Tages in die Verlegenheit, unseren "Stoff" in dergleichen Löchern kaufen zu müssen. Die moralischen und gesundheitstechnischen Eiferer sind doch schon kräftig am agitieren.
Und wo gibt es das Zeug das sie konsumieren? Im nächsten Beitrag heulen sie dann über das achso brutale frreiheitsvernichtende faschistisch angehauchte Rauchverbot in Bayern? Es wäre wünschenswert, wenn die Menschen planen müßten sich zu besaufen, damit Sie bewußt konusmieren und nicht hemmungslos 24/7 ihren Stoff bekommen. Ich trinke selber gerne ein Bier, ein Wein und mal nen Schnäppschen, aber wenn ich sehe welche Gestalten sich wie mit großen Mengen zurichten, dass ist schon gruselig. Und nach dem 10 Rettungswagen den ich auf Schützenfesten gerufen habe... Nicht alle Menschen gehen mit Ihrer Freiheit souverän um, ohne damit andere zu belasten...
Grafiker242 17.08.2010
5. Alkohol in Dubai
Guten Tag, eine Frage erstmal, lebt dieser "Reporter" eigentlich in VAE oder bastelt er sich seine Maerchen nur vom hoerensagen irgendwelcher Touristen, die mal paar Tage in Dubai waren? Khalifa City ist in Abu Dhabi und nicht in Dubai. Da gehts schon mal los. Und wenn in Abu Dhabi totaler Alkoholverbot waere, dann gaebe es auch keine Bars in Hotels und keine offiziellen Alkohollaeden. Etwas logisches Denken waere nicht schlecht. Welche Tugendwaechterinen an der Kasse?! Er schreibt so, als ob man gekoepft wird, wenn man sich dort Alk kauft. Es gibt ganz normale Laeden nur fuer Alk, nix besonderes. Wie in Schweden oder Norwegen usw... Was soll der Schwachsinn! Erst der schlecht recherchierte Artikel ueber diesen dubiosen Manager dem von eleganten Damen im Abaja die Hand gereicht wird usw. Vielleicht sollte sich SPON in Zukunft weniger auf irgendwelche Maerchenerzaehler verlassen. Einen schoenen Tag noch
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