Schneedecke immer dicker Ausnahmezustand in den Alpen - höchste Lawinenwarnstufe

In den Alpen fällt weiter Schnee - und die Lawinengefahr steigt. Viele Straßen sind gesperrt, einige Orte sind weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten.

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Nach kräftigem Schneefall herrscht in weiten Teilen der Alpen erhebliche Lawinengefahr. In der Schweiz wurde in zahlreichen Gebieten die höchste Lawinenwarnstufe ausgerufen. Seit dem Lawinenwinter 1999 habe es nichts Vergleichbares gegeben, sagte eine Sprecherin des Schweizer Wetterdienstes.

Auch für den Westen Österreichs wird am Montag mit der höchsten Warnstufe gerechnet. Bis dahin sollen weitere 50 bis 100 Zentimeter Schnee fallen. Viele Straßen sind gesperrt. Erhebliche Lawinengefahr besteht nach Angaben des Warndienstes auch in den gesamten bayerischen Alpen - auch am Montag. Berg- und Skitouren seien nur in sicheren Gebieten erlaubt.

In Oberbayern waren wegen Lawinenabgängen mehrere Skifahrer verletzt worden - ein 30-Jähriger aus Sachsen erlitt so schwere Verletzungen, dass er im Krankenhaus starb. Andere Skifahrer konnten sich nach Angaben der Polizei selbst retten oder wurden mithilfe der Bergwacht in Sicherheit gebracht -darunter ein 35-jähriger Münchner. Er war von einem Schneebrett erfasst, etwa 200 Meter mitgerissen und rund einen Meter tief verschüttet worden. Sein Begleiter konnte ihn jedoch mithilfe eines Lawinen-Verschütteten-Suchgerätes orten.

Da es in den kommenden Tagen wärmer und regnerischer werden soll, steige auch die Gefahr der Selbstauslösung von Lawinen, teilte der Lawinenwarndienst Bayern mit. Auch in Österreich verschärfte sich die Lage: In Teilen von Salzburg, Tirol, Vorarlberg und Niederösterreich hoben die Behörden die Warnstufe an. Manche Orte sind hier ebenso wie in der Schweiz wegen Lawinengefahr gar nicht mehr erreichbar.

Tausende Urlauber in St. Anton und Zermatt eingeschneit

Zermatt in der Schweiz und St. Anton in Österreich sind erneut weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten. Tausende Urlauber sind hier eingeschneit. Der Zugverkehr nach Zermatt in der Schweiz sei nach starken Schneefällen wegen der Lawinengefahr eingestellt worden, sagte ein Sprecher der Matterhorn Gotthard Bahn. Auch die Zufahrtsstraße zu dem Ort am Matterhorn, der auf rund 1600 Meter Höhe liegt, sei gesperrt.

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Alpen: Schnee, Schnee, Schnee

Bis wann die Sperre der Bahnlinie und auch der Zufahrtsstraße dauern werde, sei noch unklar, hieß es in Zermatt. "Es sind neue Schneefälle angekündigt." Die einzige Möglichkeit, den Ort zu verlassen, bestand zwischenzeitlich per Hubschrauber. Tickets für Sonntag für den Abflug in Zermatt waren nach Angaben der Gemeinde jedoch schon nach kurzer Zeit ausverkauft. Fotos zeigten lange Warteschlangen. Nach kurzer Zeit mussten die Flüge wegen schlechten Wetters aber eingestellt werden.

Laut Website der Gemeinde sind fast alle Bergbahnen wegen Lawinengefahr geschlossen. Im Tal liegen fast zwei Meter Schnee. Auf den Bergen rund um den bekannten Skiort türmen sich die Schneemassen auf mindestens drei Meter Höhe. Zermatt war bereits in der ersten Januarwoche für einige Tage von der Außenwelt isoliert. Es ist unklar, wann sich die Situation wieder normalisiert.

In St. Anton in Österreich und im Paznauntal mit dem Wintersportort Ischgl ist die Lage ebenfalls äußerst angespannt. St. Anton kann derzeit weder über Straßen noch per Bahn erreicht werden. An- und Abfahrt waren - wenn überhaupt - nur unter großen Mühen möglich. Am Sonntag erlaubte die Polizei die Abreise nur in Fahrzeugen mit Ketten. Außerdem wurden Busse mit Polizei- und Feuerwehrbegleitung eingesetzt, um Touristen ins Tal zu bringen. Sämtliche Loipen waren gesperrt.

SPIEGEL TV: Der weiße Tod - Winter der Lawinen (1999)

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fok/dpa

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