Amoklauf an US-Grundschule Newtown gedenkt der Opfer

Am Samstag jährt sich der Amoklauf von Newtown. Es wird eine stille Trauerfeier, Medien sind nicht erwünscht und werden wohl auch fernbleiben. Zuvor gedachten in Washington über tausend Menschen der Opfer. Sie hatten eine klare Botschaft.

AFP

Washington - Newtown begeht an diesem Samstag den ersten Jahrestag des Amoklaufs vom 14. Dezember 2012. Still und ungestört von Kameras und Mikrofonen wollen die Menschen trauern und der 26 Kinder und Erwachsenen gedenken, die Adam Lanza aus dem Leben riss.

"Die Gemeinde möchte derer, die ihr Leben in der Sandy-Hook-Tragödie verloren haben, in ruhiger, persönlicher und respektvoller Weise gedenken", erklärte Pat Llodra, Sprecherin der Gemeinde. Führende US-Medien erklärten vorab, dass sie sich an den Wunsch der Angehörigen halten und dem Ort am Jahrestag fernbleiben wollen.

Knapp 500 Kilometer entfernt, in Washington, erinnerten bereits am Donnerstag weit über tausend Menschen an die Opfer des Massakers an der Sandy-Hook-Schule. In einem Gottesdienst in der Kathedrale der US-Hauptstadt beteten sie für alle Opfer von Schusswaffen.

"Ihr wurde das Leben geraubt"

Auch zahlreiche Bewohner Newtowns waren dabei. "Wir sind heute mit dem gemeinsamen Ziel hier, die Welt zu einem sichereren Ort zu machen", erklärte Gilles Rousseau. Seine Tochter Lauren war eine der jüngsten Lehrerinnen an der Sandy-Hook-Schule. Sie hatte ihren Schülern leise eine Geschichte vorgelesen, um sie ruhig zu halten, als Amokläufer Adam Lanza mordend durch die Schule zog. Doch er entdeckte sie.

Der 20-Jährige hatte 20 Kindern im Alter von sechs und sieben Jahren sowie sechs Erwachsenen das Leben genommen, bevor er sich selbst tötete. Auch seine Mutter wurde erschossen in ihrem Wohnhaus aufgefunden. Die Motive des Amokläufers sind nach wie vor unklar.

In Washington sprachen auch Angehörige von Opfern anderer Gewalttaten. "Meine 16-jährige Tochter starb vor drei Jahren hier auf der Straße in Washington im Kugelhagel", sprach Anti-Waffen-Aktivistin Nardyne Jefferies leise von der Kanzel in die von tausend Kerzen erleuchtete Kathedrale. Ihr einziges Kind Brishell Jones sei damals gerade von der Beerdigung eines anderen Schusswaffenopfers gekommen. "Ihr wurde das Leben geraubt und mir alle zukünftigen Generationen."

Appell an die Politiker

Das Verbrechen in der knapp 28.000 Einwohner zählenden Stadt Newtown hatte ganz Amerika erschüttert. Präsident Barack Obama wollte daraufhin schärfere Waffengesetze durchsetzen, scheiterte aber am Widerstand im Kongress.

Die Washingtoner Kathedrale wurde denn auch zu einem Protestort für Waffengegner. "Die Waffenlobby passt nicht zur Lobbygruppe der Kreuze", so der Pfarrer der Kathedrale, Gary Hall. Seit dem Anschlag von Newtown seien in den USA bereits 32.000 Menschen durch Schusswaffen gestorben. Er rief die Politiker auf, "den moralischen Mut und den politischen Willen" für strengere Waffengesetze aufzubringen.

Neben zahlreichen Aktivisten nahmen auch einige Abgeordnete und Senatoren an der Gedenkveranstaltung teil. Sie wurde live von einigen Fernsehsendern übertragen. Wiederholt forderten die Redner schärfere Waffengesetze von ihrer Regierung.

Gilles Rousseau zeigte sich letztlich zuversichtlich, dass es Fortschritte geben werde. "Ich bin nicht frustriert. Ich bin geduldig", sagte er. Schließlich hätten bereits einige US-Bundesstaaten ihre Waffengesetze verschärft, ohne auf eine Entscheidung aus Washington zu warten.

bim/dpa/AFP

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.