Amoklauf in Bad Reichenhall Polizei rätselt über das Motiv

Eine Dreiviertelstunde lang schoss ein 16-Jähriger aus der Wohnung seiner Eltern auf alles, was sich bewegte - und machte Allerheiligen für den oberbayerischen Kurort Bad Reichenhall zu einem Schreckenstag. Der Jugendliche tötet drei Menschen und schließlich sich selbst. Sechs Menschen wurden verletzt - unter ihnen der Schauspieler Günter Lamprecht.


Günter Lamprecht + Claudia Amm 1996 auf einem Filmball
AP

Günter Lamprecht + Claudia Amm 1996 auf einem Filmball

Bad Reichenhall - Die Hintergründe des Amoklaufs von Bad Reichenhall sind weiterhin völlig unklar. Die Ermittler wollen heute die Spurensicherung am Tatort fortsetzen. Der mutmaßliche 16 Jahre alte Schütze hatte sich mit einem Schuss in den Kopf selbst gerichtet, nachdem er zwei Passanten und seine 18-jährige Schwester erschossen hatte.

Sechs Menschen wurden verletzt, teilte die Polizei Traunstein in der Nacht zum Dienstag mit. Damit korrigierte sie frühere Angaben, wonach es acht Verletzte gab. Am Montagmittag hatte der 16-Jährige wahllos aus dem Fenster eines Einfamilienhauses heraus auf Passanten gefeuert und dabei zunächst einen 60 Jahre alten Mann und eine 59 Jahre alte Frau getötet. Als die Polizei am Abend das Haus stürmte, entdeckte sie die Leichen des Täters und seiner Schwester.

Eines der Todesopfer
AP

Eines der Todesopfer

Unter den Verletzten befindet sich auch der Schauspieler Günter Lamprecht. Der 69-Jährige sei von einer Kugel des Amokschützen getroffen worden, sagte ein Polizeisprecher. Ein Geschoss traf Lamprecht in die Brust und verletzte ihn schwer. Fernsehzuschauern ist der Schauspieler vor allem als Berliner "Tatort"-Kommissar Franz Markowitz bekannt.

Ebenfalls verletzt wurde die Lebensgefährtin von Lamprecht, die Schauspielerin Claudia Amm, 53. Bei beiden bestehe aber keine Lebensgefahr, teilte die Polizei am späten Abend mit. Eine verletzte Person befand sich in der Nacht noch in kritischem Zustand.

Der 16-Jährige hatte sich stundenlang im Haus seiner Eltern verschanzt
REUTERS

Der 16-Jährige hatte sich stundenlang im Haus seiner Eltern verschanzt

Nach Erkenntnissen der Polizei hatte sich der Täter Zugang zum Waffenschrank seines Vaters, eines Sportschützen, verschafft. Mit mehreren Langfeuerwaffen und einer großen Menge Munition verschanzte er sich im Haus seiner Eltern in unmittelbarer Nähe des Städtischen Krankenhauses. Unter Einsatz ihres Lebens bargen Beamte am Nachmittag mit der gepanzerten Dienst-Limousine des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber die Verletzten aus dem Schussfeld. Die Eltern des Jugendlichen befinden sich in polizeipsychologischer Betreuung.



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