Mutige Direktorin Sie starb, weil sie ihre Schüler retten wollte

Die Direktorin der Sandy-Hook-Schule wollte ihre Schüler beschützen - und wurde beim Amoklauf von Adam Lanza selbst getötet. Dawn Hochsprung galt als engagierte, kreative Lehrkraft, die die Kinder zum Lachen bringen wollte. Erst Monate zuvor hatte sie die Sicherheit an der Schule verstärken lassen.

Getötete Direktorin Hochsprung (Bild von 2010): "Sie liebte ihren Beruf und ihre Schüler"
AP/ Newtown Bee

Getötete Direktorin Hochsprung (Bild von 2010): "Sie liebte ihren Beruf und ihre Schüler"


Newtown - Als sie die Schüsse hörte, sprang Dawn Hochsprung, Direktorin der Sandy-Hook-Grundschule, sofort auf. So schildert es eine Augenzeugin, die am Freitagmorgen mit ihr in einem Gespräch saß, dem "Wall Street Journal". Die Direktorin habe nicht gezögert und sei hinausgerannt, um zu sehen, was passierte - und wohl auch, um ihre Schüler zu beschützen. Mit ihr sei die Schulpsychologin gelaufen.

Beide Frauen sind jetzt tot, ebenso wie 20 Kinder und vier weitere Erwachsene. Getötet von einem Amokläufer, der die Grundschule in Newtown, Connecticut, stürmte. Eltern, Lehrer, Schüler, ein ganzer Ort ist erschüttert. Die USA trauern.

Noch Mitte Oktober hatte Direktorin Hochsprung neue Sicherheitsvorkehrungen an der Schule eingeführt, berichtet CNN. Mit Beginn des Unterrichts um 9.30 Uhr wurden die Türen der Schule verriegelt, jeder Besucher musste demnach ab dem Zeitpunkt am Haupteingang klingeln. Wenn sie in das Büro am Eingang hereingelassen wurden, mussten auch Eltern sich ausweisen.

Doch wie auf einer Pressekonferenz am Samstag bekannt wurde, hat sich der Attentäter Adam Lanza gewaltsam Zutritt zum Gebäude verschafft. Die "New York Times" hatte zuvor berichtet, Hochsprung habe Lanza die Tür geöffnet, weil sie ihn auf dem Bild der Überwachungskamera erkannt habe. Seine Mutter war Mitarbeiterin der Schule.

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Bluttat an der Sandy-Hook-Grundschule: Newtown unter Schock
Die Menschen in Newtown erinnern sich an Hochsprung, 47, als eine kreative und engagierte Frau, die Kinder und Erwachsene für sich einnehmen konnte. In vielen Zeitungs- und Fernsehberichten wird sie als eine Direktorin beschrieben, die sich für ihre Aufgabe begeisterte. Über Twitter informierte sie rege über die Aktivitäten an ihrer Schule.

Noch vor wenigen Tagen schickte sie Bilder von den Proben für das Weihnachtskonzert. Mitte November zeigte sie ein Foto von dem Besuch einer "Buchfee", die - mit Krone und wallendem weißen Kleid - Kindern vorlas und sie mit Feenstaub besprenkelte, damit "Bücher in unseren Herzen und Köpfen bleiben". Die Buchfee auf dem Bild sieht der Direktorin verdächtig ähnlich.

Hochsprung selbst soll sich laut "New York Times" selbst gern verkleidet und ihre Schüler ebenfalls dazu ermuntert haben. Sie führte Festtage namens "Wacky Wednesday" (Verrückter Mittwoch) ein, an denen Schüler lustige Kleidung anziehen sollten, die nicht zusammenpasst.

"Die Kinder liebten sie"

"Sie war die Art von Mensch, die sie als Lehrer ihrer Schüler haben möchten. Und die Kinder liebten sie", sagt Tom Prunty, ein Freund Hochsprungs, dessen Nichte an die Sandy-Hook-Grundschule geht und am Freitag verletzt wurde, zu CNN. "Sie war sehr freundlich und sehr lustig, aber sie war auch eine sehr entschlossene Person im richtigen Sinn."

Hochsprung beteiligte sich rege an Diskussionen über Schulpolitik und Erziehung. An ihre Kollegen soll sie lange Artikel über politische Debatten in Washington verteilt habe. Außerdem war sie technisch versiert. Ihre Lehrer hatten iPads in den Klassenräumen, Anfang Dezember lud sie zur "Appy Hour", bei der Lehrkräfte die sinnvollsten Lehr-Apps besprachen. Auch ein Foto davon twitterte sie natürlich. Lillian Bittman von der Schulbehörde Newtowns beschreibt Hochsprung als eine Frau voller Ideen und Entschlossenheit, die wollte, dass ihre Schüler "kritische Denker werden und nicht nur auswendig lernen".

Als Direktorin der Sandy-Hook-Schule wurde sie im Jahr 2010 berufen. In einem Interview mit der Lokalzeitung "Newtown Bee" beschrieb Hochsprung damals ihre Begeisterung für die Schule: "Ich denke nicht, dass es einen besseren Ort gibt, wo man seine Schüler jeden Tag hinbringen kann." Zuvor hatte sie mehrere Jahre in Grund- und weiterführenden Schulen in Connecticut gearbeitet.

Die Gewerkschaft American Federation of School Administrators würdigte die Arbeit Hochsprungs nach ihrem Tod mit den Worten: "Sie liebte ihren Beruf und ihre Schüler, so wie sie ihre Familie liebte."

Ein Grußwort der Direktorin findet sich noch immer auf der Homepage der Schule: "Die Sandy-Hook-Schule ist ein besonderer Ort, und wir danken unserer Gemeinde, dass sie uns hilft, ein positives Klima an der Schule zu pflegen. Wir verpflichten uns, unseren Schülern die besten Lernbedingungen zu bieten, sicherzustellen, dass sie geschätzte Mitglieder unserer Gemeinde werden, und sie zu ermutigen, gute Bürger zu werden."

kgp

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