Hausdurchsuchung bei Co-Pilot Ermittler finden Hinweise auf psychische Erkrankung

Ermittler haben die Wohnung des Co-Piloten durchsucht, der den Absturz der Germanwings-Maschine mutwillig herbeigeführt haben soll. Dabei fanden sie nach SPIEGEL-Informationen Hinweise auf eine psychische Erkrankung von Andreas Lubitz.

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Düsseldorf - Die Ermittlungen zum Absturz der Germanwings-Maschine in Südfrankreich erhärten den Verdacht, dass der Co-Pilot psychische Probleme hatte. Stundenlang durchsuchten Ermittler am Donnerstag die Wohnung von Andreas Lubitz in Düsseldorf. Dabei fanden sie nach Informationen des SPIEGEL Hinweise darauf, dass der 27-Jährige psychisch krank war. Um welche Indizien es sich handelte, ist unklar. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Heft 14/2015
Ein Pilot, 149 Opfer

Die "Bild"-Zeitung berichtete ebenfalls über eine mögliche psychische Erkrankung des Co-Piloten, beruft sich allerdings auf einen sechs Jahre alten Aktenvermerk des Luftfahrtbundesamts.

Zuvor war bekannt geworden, dass der Co-Pilot seine Ausbildung unterbrochen hatte. Den Grund dafür hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr auf einer Pressekonferenz nicht nennen wollen. Aus Lufthansa-Kreisen hieß es, Grund für die Unterbrechung seien Depressionen gewesen. Von den Ärzten der Lufthansa war Andreas Lubitz später als "fit to fly" eingestuft worden - Spohr hatte ihn als "100 Prozent flugtauglich" beschrieben.

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Germanwings-Unglück: Komplizierte Bergung in den französischen Alpen
Nach derzeitigem Ermittlungsstand der Staatsanwaltschaft Marseille hat L. den Absturz des Airbus A 320 absichtlich herbeigeführt, indem er den Sinkflug einleitete und den Kapitän nicht wieder ins Cockpit hineinließ. Dieser hatte die Kanzel verlassen, nachdem die Maschine ihre Reiseflughöhe erreicht hatte. Offenbar war der Pilot auf die Toilette gegangen.

Die Erkenntnis, dass die Absturzursache offenbar nicht in technischem Versagen, sondern in der bewussten Entscheidung des Co-Piloten liegt, hatte Bestürzung und Fassungslosigkeit ausgelöst.

"So etwas geht über jedes Vorstellungsvermögen hinaus", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Lufthansa-Chef Spohr sagte, das Unternehmen habe "keinerlei Erkenntnisse darüber, was den Co-Piloten zu dieser schrecklichen Handlung veranlasst haben könnte". Es handele sich um einen "unglaublich tragischen Einzelfall".

Der Fall hat auch eine Debatte über Sicherheitsvorkehrungen im Cockpit ausgelöst. Im Zentrum steht die Frage, weshalb Andreas Lubitz allein in der Kanzel war - viele Airlines und einige Staaten schreiben vor, dass immer mindestens zwei Personen im Cockpit sein müssen. Zudem werden Forderungen nach verbindlichen psychologischen Tests für Verkehrspiloten laut.

Lufthansa will laut Spohr prüfen, wie man die Auswahl und Ausbildung von Piloten verbessern kann. Der Manager betonte jedoch, man habe volles Vertrauen in die Piloten. "Sie sind und bleiben die besten der Welt."

Im Video: Konzernchef Carsten Spohr über den Co-Piloten:

Anmerkung der Redaktion: Nachdem wir den Nachnamen des Co-Piloten zunächst abgekürzt haben, schreiben wir ihn nun, ebenso wie der an diesem Freitagabend digital erscheinende SPIEGEL, aus. Die bisher veröffentlichten Ergebnisse der Ermittler lassen keine Zweifel zu: Andreas Lubitz führte diese Katastrophe herbei, aus welchen Gründen er auch immer handelte. Der Pressekodex fordert für eine identifizierende Berichterstattung, es müsse "eine außergewöhnlich schwere oder in ihrer Art und Dimension besondere Straftat" vorliegen. Diese Voraussetzung sehen wir erfüllt.

Was wir auf SPIEGEL ONLINE auch weiterhin nicht zeigen, sind Nahaufnahmen von Angehörigen der Opfer. Denn dafür gibt es, solange die Personen nicht von sich aus an die Öffentlichkeit gehen, keinen Grund. Wir respektieren ihre Privatsphäre.


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