Angebliche Sex-Partys: Dr. Strauss und Mister Kahn

Von , Paris

In Frankreich sind neue Enthüllungen über das Doppelleben von Dominique Strauss-Kahn aufgetaucht: Zeitungen und Magazine verbreiten Details über seine Verwicklung in eine Callgirl-Affäre. Der Ex-Chef des IWF kündigt juristische Schritte wegen Verletzung seiner Privatsphäre an.

Berichte über Dominique Strauss-Kahn: "Macht und Prostitution - gefährliche Liebschaften" Zur Großansicht
LExpress/ AFP

Berichte über Dominique Strauss-Kahn: "Macht und Prostitution - gefährliche Liebschaften"

Für die Familie, die schrumpfende Schar verbliebener Freunde von Dominique Strauss-Kahn und seine Anwälte geht es um "öffentlich betriebenes Lynchen"; für Frankreichs Medien ist es ein Dauerthema rund um Sex, Lügen und politische Verwicklungen: Der ehemalige Chef des Internationalen Währungsfonds ( IWF), freigesprochen vom Vorwurf der versuchten Vergewaltigung eines Zimmermädchens in New York, wird immer tiefer in juristische Untersuchungen um organisierte Prostitution verwickelt.

Laut Berichten französischer Medien, die sich auf Informationen aus Justizkreisen berufen, soll Dominique Strauss-Kahn während seiner Amtszeit an der Spitze des IWF eine merkwürdige, geradezu janusköpfige Existenz geführt haben. Tagsüber soll er mächtiger Strippenzieher zwischen Weltbank, Währungsfonds und den Drehscheiben der Hochfinanz gewesen sein. Abends dann soll er sich immer wieder wie ein Sexbesessener verhalten haben. Hier der brillante Wirtschaftsprofessor, Dr. Strauss, dort der haltlose, testosterongesteuerte Mister Kahn.

Anders als während der Affäre von New York, als Strauss-Kahn in Frankreich ein gewisses Maß an Mitgefühl bekam, oder Genossen glauben wollten, bei den Anwürfen handele es sich um eine politische Verschwörung, ist die Stimmung jetzt umgeschlagen. Der politisch demontierte Sozialist, einst Anwärter auf das französische Präsidentenamt, wird immer mehr zur belächelten Figur.

Glaubt man den - umgehend dementierten - Meldungen, ist auch das private Verhältnis zu seiner Ehefrau Anne Sinclair nicht mehr unbeschadet. Angesichts der fortdauernden Indiskretionen, die laut Strauss-Kahns Anwälten "in Echtzeit" aus den Untersuchungen an die Presse durchgereicht werden, hat das Paar jetzt Klage gegen die Zeitung "Figaro" angekündigt. Zudem will es "Verfolgungen gegen alle anstellen, die unser Privatleben und unsere Würde" in Mitleidenschaft ziehen.

Dabei ist der "Figaro" nicht alleine. Das "beunruhigende Doppelleben von DSK" überschreibt die Zeitschrift "L'Express" am Mittwoch ihre "neuen Enthüllungen". "Macht und Prostitution - gefährliche Liebschaften", betitelt die Wochenzeitung "Nouvel Observateur" ihr umfangreiches Dossier zu den Verwicklungen von Politik und bezahltem Sex.

Partys à la "Bunga-Bunga"

Gefährlich für Strauss-Kahn: Der gestürzte Promi der Sozialistischen Partei (PS) könnte während der strafrechtlichen Untersuchung des Falls, bei dem es um einen Callgirl-Ring in Lille geht, nicht nur als Zeuge gehört werden; Beobachter schließen nicht aus, dass er sich am Ende wegen passiver Korruption, also Bestechlichkeit, verantworten muss.

Als folgenreicher könnten sich jedoch die Aussagen einiger Prostituierter erweisen, die Strauss-Kahn wohl als gewalttätig schildern. Das wiederum dürfte die New Yorker Justiz interessieren, wo noch eine Zivilklage des Zimmermädchens aus dem "Sofitel" gegen Strauss-Kahn anhängig ist.

Die Details über die dunklen Seiten, die jetzt in Frankreichs Presse verbreitet werden, folgen auf Ermittlungen um eine Luxus-Herberge in der nordfranzösischen Metropole Lille. Polizei und Justiz, die auf die organisierte Prostitution aufmerksam wurden, stellten bald fest, dass nicht nur Manager des Carlton-Hotels, lokale Würdenträger oder Vertreter der Sicherheitskräfte in die Affäre verwickelt waren; bei der Durchsicht der SMS-Botschaften zwischen den Protagonisten des illegalen Gewerbes stießen sie bald auch auf Strauss-Kahn.

Laut dem Bericht von "L'Express" sollen zwei Unternehmer und ein hochrangiger Polizeioffizier dem damaligen IWF-Chef bei seinen Besuchen in Frankreich dienstbare Damen zugeführt haben. Die freizügigen Partys, so die Zeitschrift, hätten "sich durchaus mit dem italienischen 'Bunga-Bunga' messen können", schreibt das Blatt unter Berufung auf Ermittlungsunterlagen. Die Callgirls sollen meist aus Belgien herbeigeschafft worden sein. Für den Kontakt soll ein im Milieu bekannter Zuhälter gesorgt haben.

Gute Freunde aus Lille

Die Bezahlung der Orgien, die, je nach Strauss-Kahns Terminlage in Lille, Paris, Wien oder gar in Übersee stattgefunden haben sollen, übernahmen laut Aktenlage zwei Unternehmer: Fabrice P., Chef einer Firma für Medizin-Waren, und David R., Leiter eines Unternehmens für Straßenbelag, legten demnach die Summen für Bewirtung und Sex aus. Oft sollen sie in Begleitung von Jean-Christophe L., zuständig für die Sicherheit im Departement Pas-de-Calais, unterwegs gewesen sein. Gegen R. läuft ein Ermittlungsverfahren wegen bandenmäßiger Zuhälterei.

Das Trio soll nicht nur für die Organisation der Orgien gesorgt haben, sondern mischte bisweilen offenbar selbst mit. Strauss-Kahn, darauf deuten die SMS-Botschaften hin, nahm die Gefälligkeiten nicht nur gern in Kauf; manchmal soll er die Begleiterinnen für seine Ausschweifungen wohl regelrecht bestellt haben. SMS-Mitteilungen vom Januar 2010, denen zufolge seine französischen Freunde mit Damen-Begleitung in Washington erschienen, sollen das belegen.

Bankenpleiten, Finanzkrisen um Irland oder Griechenland - die mutmaßlichen Treffen mit Callgirls, bisweilen als "Assistentinnen" deklariert, sollen den Berichten zufolge auch stattgefunden haben, als der damalige Generaldirektor des Währungsfonds in schwierigen Verhandlungen über die Zukunft der Weltwirtschaft steckte. Die Freunde aus Lille scheinen stets zur Stelle gewesen zu sein, wenn nötig in Begleitung. Beendet wurde das heimliche Treiben Strauss-Kahns demnach erst durch die Affäre in New York.

Die Festnahme in den USA und das drohende Ende seiner politischen Karriere sorgten anscheinend sogar bei seinen ehemaligen Gespielinnen in Frankreich für verhaltene Anteilnahme: "Schade für ihn, ein Jahr vor den Wahlen", sagte ein Callgirl in einem abgehörten Gespräch zu einer Freundin. "Präsident, das ist jetzt vorbei", so die Antwort, "jetzt kann er nur noch Präsident der Gefängnisse werden." An dieser Stelle verzeichnet der Mitschnitt der Polizei "Gelächter".

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insgesamt 23 Beiträge
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1. Hotte hätte sowas nicht gemacht
siegfriedluckner 16.11.2011
Könnte man sich Gleiches vom Vorgänger DSKs, Horst Köhler, vorstellen? Irgendwie sind sie einfach anders als wir, unsere französischen Nachbarn.
2. Wenigstens
zeitmax 16.11.2011
...hat er kein kleinen Kinder mißbraucht.
3. Unappetitliche Fragen
slider 16.11.2011
SPON: "Angebliche Sex-Partys: Dr. Strauss und Mister Kahn" Hat etwa DSK 346 Jungfrauen in 62 Minuten auf einer Party unbemerkt vergewaltigt ? Ist DSK der Bulle von Paris ? Wieviel Stierhoden kann DSK in 10 Minuten schlürfen? Sind Austern in Paris ausverkauft, wenn DSK dort residiert ?Fragen die mich nicht schlafen lassen.
4. Ja, ja..
glaubblosnix 16.11.2011
..und das amerikanische Zimmermädchen hat natürlich gelogen, hat erpresst und war drogenabhängig. Der französische Gockel ist natürlich unschuldig. Mit Geld kann man sogar Sperma unkenntlich waschen.
5. Chirac oder Schröder?
anomie 16.11.2011
Zitat von siegfriedlucknerKönnte man sich Gleiches vom Vorgänger DSKs, Horst Köhler, vorstellen? Irgendwie sind sie einfach anders als wir, unsere französischen Nachbarn.
Ja, das denke ich auch. vor allem, wenn ich sehe, was für halbintelligente "wir" zu "uns" zählen müssen. Unsere führer sind wenigstens einfach nur korrupt, aber sex mit huren? Gott bewahre uns davor! Sowas überlässt man den teutonischen verischerungsfuzzis Aber ernst beiseite, beim grenzdebil grinsenden Köhler könnte ich mir sowas nicht vorstellen, da haben sie absolut recht. Aber der hat auch zu schnell den schwanz eingezogen, als das ich das beurteilen wollte.
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