Anschläge in London vereitelt Terroristen wollten mehrere Passagierflugzeuge sprengen

Scotland Yard hat die größte Terrorattacke seit dem 11. September 2001 vereitelt: Terroristen wollten auf dem Weg von Großbritannien in die USA mehrere Flugzeuge sprengen. Offensichtlich sollte dabei Flüssigsprengstoff verwendet werden. Die Polizei nahm zahlreiche Verdächtige fest.


London - Innenminister John Reid bestätigte am Morgen, dass es Pläne von Terroristen gegeben habe, "zahlreiche" Passagierflugzeuge mittels im Handgepäck an Bord geschmuggelter Bomben auf dem Flug zwischen Großbritannien und den USA zu sprengen. Mit einer groß angelegten Anti-Terror-Operation seien die Sprengstoffanschläge verhindert worden. Die geplanten Anschläge hätten eine "bedeutende Gefahr für Großbritannien und seine internationalen Partner" dargestellt, sagte Reid.

Eine großangelegte Anti-Terror-Operation ist noch im Gange. Die Polizei teilte mit, es würden derzeit mehrere Anwesen durchsucht.

Die Polizei gab die Zahl der in Gewahrsam genommenen Personen mittlerweile mit 21 an. Vier weitere waren vorübergehend festgenommen worden. Aus amerikanischen Geheimdienstkreisen verlautete, an dem Terrorplan seien bis zu 50 Menschen beteiligt gewesen. Sie hätten noch nicht in den Flugzeugen gesessen, seien dem Abflug aber sehr Nahe gekommen, sagte ein Gewährsmann. Er nannte das Terrornetzwerk al-Qaida als möglichen Drahtzieher.

SkyNews berichtet, dass nach Polizeiangaben sechs Passagierflugzeuge in der Luft gesprengt werden sollten. Anfangs hatte der britische Nachrichtensender von bis zu zwanzig Maschinen berichtet. BBC spricht von bis zu zehn Flugzeugen. Die Festnahmen seien das Ergebnis monatelanger verdeckter Ermittlungen der britischen Sicherheitsbehörden.

Der britische Premierminister Tony Blair, der derzeit in der Karibik Urlaub macht, informierte US-Präsident George W. Bush telefonisch über die Entwicklung.

Unter Berufung auf ihren Polizeireporter bezeichnet SkyNews auf seiner Webseite die Festgenommenen als "überwiegend junge Briten asiatischer Herkunft". Es gebe Hinweise darauf, dass sie geplant hätten, Sprengsätze in die Flugzeuge zu schmuggeln, die bei der Handgepäckkontrolle nicht erkannt würden. Möglicherweise hätten die Terroristen geplant, Flüssigsprengstoff einzusetzen, berichtet SkyNews. Dazu passt eine Eilmeldung aus den USA, wonach auf Flügen ab sofort die Mitnahme aller Flüssigkeiten und Getränke verboten ist.

Großbritannien hat seine Sicherheitswarnstufe auf "kritisch" erhöht, die höchste Stufe. Dies signalisiert, dass ein Angriff in Kürze erwartet wird. Auf allen britischen Flughäfen wurden die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt.

Der Londoner Flughafen Heathrow wurde für aus Europa kommende Flüge weitgehend gesperrt. Flüge mit einer Dauer von drei Stunden oder weniger dürften in Heathrow vorerst nicht mehr landen, teilte ein Flughafensprecher mit. In den Wartehallen bildeten sich lange Schlangen, während die Passagiere über verstärkte Sicherheitsmaßnahmen informiert wurden. Passagiere dürfen bis auf weiteres kein Handgepäck mit an Bord nehmen. Auch Laptops, MP3-Player und Mobiltelefone seien verboten. Nur das absolut Notwendige - Brieftaschen und Reisepässe - darf mitgenommen werden. Sogar Brillenetuis müssten eingecheckt werden.

Höchste Warnstufe in den USA

In den Vereinigten Staaten wurde als Reaktion auf die geplanten Anschläge die höchste Terrorwarnstufe für alle Flüge von Großbritannien in die USA ausgerufen.

Für alle anderen Flüge galt die zweithöchste Warnstufe. Der Minister für Heimatschutz, Michael Chertoff, erklärte zur Begründung, man könne nicht sicher sein, dass die Bedrohung durch die Terroristen vollkommen ausgeschaltet worden sei.

Der Flughafen Heathrow war schon einmal Ausgangspunkt eines Terroranschlags: Am 21. Dezember 1988 stürzte über der schottischen Ortschaft Lockerbie eine Boeing 747 der Pan Am ab, nachdem eine Bombe an Bord explodiert war. Alle 259 Menschen an Bord und weitere elf am Boden starben. Der Sprengsatz war in einem tragbaren Radio versteckt. 2003 übernahm Libyen die Verantwortung für den Anschlag und kündigte Entschädigungszahlungen an.

dab/reuters/dpa/AP



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.