Notlandung in der Arktis Der Überlebenskampf des Abenteurers Sergey Ananov

Er wollte die Welt allein in einem Helikopter umrunden - und musste über der Arktis notlanden: Sergey Ananov flüchtete sich in dichtem Nebel auf eine Eisscholle und wurde nach mehr als 30 Stunden gerettet. Dank seiner letzten Leuchtrakete.

Screenshot Sergey Ananov / Facebook
Sergey Ananov / Facebook

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Sergey Ananov ist sich nicht sicher, wie lange er noch durchgehalten hätte. Nach mehr als 30 Stunden auf einer Eisscholle in arktischen Gewässern. Wenn Suchmannschaften seine letzte Leuchtrakete nicht bemerkt hätten.

Der 49-jährige Russe wollte die Welt allein in einem Hubschrauber umrunden. Doch auf halber Strecke zwischen Iqaluit in Kanada und Grönland streikte die Maschine seines Robinson-R22-Helikopters. Ananov musste in der Davisstraße, einer gut 300 Kilometer breiten Meerenge, notwassern - etwa 4000 Kilometer vor dem erfolgreichen Abschluss seines Abenteuers.

Was dann passierte, berichtete er nach seiner Rettung der Nachrichtenagentur AP - via Satellitentelefon von Bord eines Schiffes der kanadischen Küstenwache. In seiner Geschichte geht es um schnelles Handeln, drei allzu neugierige Eisbären und einen Wetterumschwung zur richtigen Zeit.

"In 30 Sekunden war der Helikopter gesunken", sagte Ananov. Er habe sich noch schnell seinen Überlebensanzug überstreifen und eine kleine Rettungsinsel greifen können. Damit sei er dann durchs kalte Wasser zu einer in der Nähe treibenden Eisscholle geschwommen.

32 Stunden auf Eisscholle ausgeharrt

Dort wartete Ananov auf Hilfe. Zweimal feuerte er Leuchtraketen ab, als er Flugzeuge über sich hörte. Doch die Piloten konnten die Signale nicht entdecken, da dichter Nebel die gesamte Gegend einhüllte. "So habe ich mehr als einen Tag auf der Eisscholle verbracht, zitternd und frierend", sagte Ananov. Zeitweise schauten angeblich auch Eisbären vorbei.

Drei der Tiere hätten sich ihm bis auf einen Meter Entfernung genähert, sagte Ananov. Mit aggressiven Gesten habe er die Eisbären verjagen können. Sie seien ins Wasser gesprungen und zur nächsten Eisscholle geschwommen.

Nebel und Eis hätten die Suche nach dem Abenteurer erschwert, sagte Stephane Julien von der kanadischen Küstenwache. Sein Schiff habe allein 25 Stunden gebraucht, um die Region um die Unglücksstelle zu erreichen. Doch plötzlich klarte das Wetter auf und Julien entschied, den Helikopter des Schiffes bei der Suche einzusetzen.

Wegen des Hubschrauberlärms griff Ananov zu seiner letzten Leuchtrakete - mit Erfolg. "Ich war völlig am Ende", beschrieb er seinen Zustand nach 32 Stunden auf der Eisscholle. Er erlitt leichte Erfrierungen. "Zum Glück hat sich der Nebel für eine oder zwei Stunden verzogen."

wit/AP

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