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Arztfehler HIV für einen Tag

Foto: CP

2. Teil: Zwei falsch gedeutete Befunde

Dieser eine Nachmittag dehnt sich zur Ewigkeit. Christoph P. liegt auf dem Bett, raucht Kette, trinkt Cola und starrt an die Decke, "der eine hängt sich auf, der andere schließt sich in seinem Zimmer ein", sagt er später. Angst vor dem Tod hat er nicht, der Tod ist noch so weit weg. Angst macht ihm die Ausgrenzung. Sich ständig zu überlegen, wem man die Wahrheit anvertrauen kann und wem nicht. Er denkt darüber nach, den Job abzusagen und alles über den Haufen zu werfen.

Der negative Schnelltest lässt ihm keine Ruhe.

Am selben Abend zeigt er seine Befunde einem Freund, der Medizin studiert. Er schaut einige Sekunden darauf. Er sagt: "Du bist negativ." Er beginnt, die Ärztin wegen deren Diagnose zu beschimpfen.

Am nächsten Tag geht Christoph P. zum Facharzt. Auch er sagt: "Negativ."

Die Ärztin hat die Befunde falsch gedeutet.

Beim HIV-Test wird mit dem Blut zunächst ein Suchtest gemacht, ein sogenannter Elisa-Test. Werden dabei Antikörper gefunden, lautet der Befund "reaktiv". In diesem Fall wird umgehend ein Bestätigungstest gemacht, im allgemeinen noch aus derselben Blutprobe. Sollte auch dieses Ergebnis positiv sein, ist der Patient mit ziemlicher Sicherheit mit HIV infiziert. Zur Kontrolle werden die Tests mit einer neuen Blutprobe wiederholt. Bei Christoph haben beide Blutproben dasselbe Ergebnis gebracht: auffällige Suchtests, aber negative Bestätigungstests.

"Zu sagen: Sie sind positiv, war in dieser Situation sicher etwas forsch", sagt der HIV-Spezialist Norbert Brockmeyer von der Universität Bochum. Er würde eher davon sprechen, dass ein Risiko bestehe, dass der Patient HIV-positiv ist. "Das einzige, was man wirklich sagen kann: Dieser Befund hätte beobachtet werden müssen."

Dass ein Befund falsch interpretiert werde, komme fast nie vor, sagt Jörg Litwinschuh von der Aids-Hilfe. Eines aber sei bei einer möglichen HIV-Infektion wichtig: "Dass ein Arzt sensibel mit dem Thema umgeht."

Christoph P. fragt nach. "Wie kann eine Ärztin nicht erkennen, was man innerhalb von zwei Minuten im Internet herausfinden kann?" Er führt noch ein Gespräch mit der Medizinerin. Er bekommt keine Antwort, die ihn zufriedenstellt. "Sie war sehr kleinlaut. Ich habe gemerkt, dass sie sich ihres Fehlers bewusst war." Er erzählt von fadenscheinigen Erklärungen, zum Beispiel, dass sie 120 Patienten am Tag behandle und ihre Vorgesetzten hinzugezogen habe.

Düstere Erinnerungen bleiben

Die Praxis will sich zu dem Fall nicht äußern - obwohl Christoph P. sie für eine SPIEGEL-ONLINE-Anfrage von der Schweigepflicht entbunden hat. Stattdessen nimmt die leitende Ärztin "die Gelegenheit wahr", das generelle Vorgehen der Praxis bei HIV-Verdachtsfällen zu erläutern. Bei einem auffälligen Test werde der Patient unverzüglich an einen spezialisierten Kollegen überwiesen - "zur weiteren Diagnoseabklärung und Bestätigung des HIV-Verdachts" sowie "zur unverzüglichen Einleitung geeigneter therapeutischer Maßnahmen".

Christoph P. leidet die ersten Wochen nach der Fehldiagnose an depressiven Stimmungen. Er kann das Erlebte nicht verarbeiten. Vielleicht positiv, negativ, definitiv positiv, negativ, zu intensiv war dieses Auf und Ab.

Er hat zahlreiche weitere Tests machen lassen - alle negativ. Was die verwirrenden Ergebnisse ausgelöst hat, ob es vielleicht die Warze war, bleibt ungeklärt.

Inzwischen hat sich Christoph P.s Wut auf die Ärztin gelegt. Er hat sich in der Schweiz eingelebt. Er mag seinen neuen Job.

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insgesamt 25 Beiträge
DietzThought 21.10.2009
Ich war vor knapp zwei Jahren das erste und bislang letzte Mal Blut spenden, nach einiger Zeit kam dann ein Brief in dem etwas von "auffälligen" Laborergebnissen stand. Da war ich natürlich schon etwas besorgt. Als ich [...]
Ich war vor knapp zwei Jahren das erste und bislang letzte Mal Blut spenden, nach einiger Zeit kam dann ein Brief in dem etwas von "auffälligen" Laborergebnissen stand. Da war ich natürlich schon etwas besorgt. Als ich dann dort anrief wurde mir gesagt, dass 2 von 4 HIV-Test positiv ausgefallen waren, wobei die "wichtigeren" Tests negativ waren. Eine Woche später wurde mir dann zur Kontrolle noch einmal Blut abgenommen. Seltsamerweise wurde ich über die neueren Ergebnisse nicht in Kenntnis gesetzt. Hm, wie ich das so lese hätte ich vielleicht doch nochmal nachhaken sollen. Nunja ich weiß nicht inwiefern das mit dem im Artikel beschriebenen Fall vergleichbar ist, Tatsache ist halt dass die verwendeten Tests nicht immer richtigliegen und man deshalb mit Sätzen wie "Sie sind ganz sicher HIV-positiv" sparsam sein sollte. Ich bin jedenfalls froh dass ich die beschriebene Tortur nicht durchmachen musste, wobei das natürlich immer noch besser ist als wirklich HIV-positiv zu sein.
Sidargo 21.10.2009
Hallo zusammen, ich hatte im KKH Köln-Merheim ein ähnliches Erlebnis, allerdings weniger dramatisch als das von Herrn P. - auch, weil es false negative war. Vor etwa einem Jahr entdeckte mein Radiologe auf meinen [...]
Zitat von sysop"Sie sind HIV-positiv." Als Christoph P. diese Diagnose hört, denkt er: Mein Leben ist vorbei. Der 26-Jährige informiert Familie und Freunde, will den Job kündigen, verzweifelt. Doch seine Ärztin hat sich geirrt. Die Geschichte einer Extremerfahrung. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,654037,00.html
Hallo zusammen, ich hatte im KKH Köln-Merheim ein ähnliches Erlebnis, allerdings weniger dramatisch als das von Herrn P. - auch, weil es false negative war. Vor etwa einem Jahr entdeckte mein Radiologe auf meinen Schädelaufnahmen einen Schatten, der er mir zuerst als "Narbe" erklärte. Ich machte mir keinerlei weitere Sorgen. Am nächsten Tag rief die Augenärztin, die den Befund erhalten hatte, mich auf dem Weg zur Arbeit an, ich solle sofort mal vorbeikommen. Auf den Bildern sei ein Tumor zu sehen. Erster Kollaps. Interessanterweise sagte mir dann der Arzt im KKH, das sei "kein Tumor, et sehe so etwas jeden Tag, das wäre etwas anderes". Er musste dann aber nach einem Gespräch mit dem Chefarzt zurückrudern (und tat das Gottseidank auch). Zweiter Kollaps. Mir hat man also zweimal trotz besseren Wissens erzählt, ich hätte keinen Tumor. Nur das UKB hat sich dahintergehängt und eine Biopsie durchgeführt. Die war dann allerdings noch schlechter als befürchtet. Anaplastisches Astrozytom, WHO Grad III.
namachschon 21.10.2009
...wenn man sich in irgendeiner Bar in Asien von einem unbekannten Thai in Bankok poppen läßt. Jedermann weiß doch, daß eine Großzahl der Nachteulen dort positiv ist. Schön blöd, ...aber er fühlt sich begehrt. Und dann noch mit [...]
...wenn man sich in irgendeiner Bar in Asien von einem unbekannten Thai in Bankok poppen läßt. Jedermann weiß doch, daß eine Großzahl der Nachteulen dort positiv ist. Schön blöd, ...aber er fühlt sich begehrt. Und dann noch mit seiner Freundin ungeschützt schlafen. Entweder ist diser Artikel ein Fake oder ein Beispiel für einen typischen deutschen Vollidioten. Grüße...
08154711 21.10.2009
Da zeigt sich mal wieder, dass es immer gut und richtig ist, eine zweite Fachmeinung einzuholen.
Da zeigt sich mal wieder, dass es immer gut und richtig ist, eine zweite Fachmeinung einzuholen.
MasaGemurmel 21.10.2009
Nobody is perfek, aber hier entsteht schon etwas der Eindruck, dass etwas Dichtung im Artikel steckt: "Und: Hat er seine Ex-Freundin angesteckt? Nach seiner Asienreise haben sie noch einmal miteinander geschlafen, ohne [...]
Nobody is perfek, aber hier entsteht schon etwas der Eindruck, dass etwas Dichtung im Artikel steckt: "Und: Hat er seine Ex-Freundin angesteckt? Nach seiner Asienreise haben sie noch einmal miteinander geschlafen, ohne Kondom. Jetzt hat er Angst um sie, um die Frau, mit der er ein Jahr zusammen war und mit der er immer noch gut befreundet ist. Diesem wichtigen Menschen in seinem Leben muss er als erstes von der Diagnose erzählen." Wieso Frendin? Aus den ersten Absätzen des Artikels und dem Video geht deutlich hervor daß Christoph homosexuell war. Und sein bester Freund, der Mediziner war sein Ex-Freund. Naja, hauptsache wir klicken... ;-) P.S.: Ich freue mich, daß es dem jungen Mann besser geht und er sich in seinem neuen Job wohlfühlt. (!!!)
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HIV-Tests
Heute übliche Tests suchen nach HIV-Antikörpern (Antikörpertest) oder direkt nach dem Virus (Virusnachweis). Wenn vom HIV-Test gesprochen wird, ist gewöhnlich der Antikörpertest gemeint. Bei diesen indirekten Nachweisverfahren (z.B. Elisa, Western-Blot und Schnelltests) wird das Blut auf Antikörper untersucht, die sich einige Wochen nach einer Infektion als Reaktion auf eine Ansteckung mit HIV bilden. Da die Bildung der Antikörper drei bis zwölf Wochen dauert, ist ein Antikörpertest erst drei Monate nach der möglichen Infektion wirklich aussagekräftig.

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Grafik: HIV-Testverfahren in Deutschland

HIV/Aids - Die Fakten
Die Infektion mit HIV erfolgt über Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma und Scheidensekret, aber auch über die Muttermilch. Außer ungeschütztem Vaginal- und Analverkehr gilt die gemeinschaftliche Nutzung von Spritzen durch Drogensüchtige als ein Hauptübertragungsweg.

Bei normalem Körperkontakt gibt es dagegen kein Infektionsrisiko, da die Körperhaut im Gegensatz zur Schleimhaut über eine schützende Hornschicht verfügt. Bei Verletzungen oder Ekzemen können allerdings auch hier Erreger eindringen. Beim beruflichen Umgang mit Kollegen am Arbeitsplatz besteht ebenso wenig Ansteckungsgefahr wie bei Besuchen von Schwimmbad oder Sauna oder gemeinsamem Essen. Kein Risiko gibt es auch bei ärztlichen und zahnärztlichen Behandlungen, da die Desinfektion von Instrumenten das Virus zuverlässig abtötet.





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