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Reaktionen zum Fall Argento

"Es gibt nicht den einen Weg, Täter zu sein"

Lautstark hatte sich Schauspielerin Asia Argento für die #MeToo-Bewegung eingesetzt, nun wird ihr selbst Missbrauch vorgeworfen. Inzwischen haben sich einige ihrer Mitstreiterinnen zu Wort gemeldet - und Harvey Weinstein.

AFP

Asia Argento

Dienstag, 21.08.2018   12:27 Uhr

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Die italienische Schauspielerin Asia Argento, eine der führenden Stimmen der #MeToo-Debatte, soll sich 2013 an dem damals 17-jährigen Jimmy Bennett vergangen haben. Nach einer außergerichtlichen Einigung mit Argento habe Bennett eine Zahlung von 380.000 Dollar von ihr erhalten. Dieser Bericht der "New York Times" sorgt seit seinem Erscheinen am Sonntagabend weltweit für Schlagzeilen.

Dass der Fall ein derart großes Echo ausgelöst hat, liegt auch daran, dass Argento eine der lautstärksten Anklägerinnen von Ex-Hollywoodmogul Harvey Weinstein war. Sie wirft ihm Vergewaltigung vor, er bestreitet das. Nach dem "New York Times"-Artikel hat sich Weinstein nun über seinen Anwalt Benjamin Brafman zu den Vorwürfen gegen Argento geäußert.

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In einer Erklärung an den US-Sender Fox News heißt es: "Diese Entwicklung enthüllt ein atemberaubendes Level an Scheinheiligkeit von Asia Argento." Am "ungeheuerlichsten" sei dabei das Timing: Zur selben Zeit, als Argento sich mit der Schweigegeldzahlung befasst habe, sei sie zur Vorkämpferin derjenigen geworden, die Weinstein verurteilt hätten.

Einige Feministinnen sehen in dem Fall Argento allerdings nicht nur Schlechtes. Die Begründerin des Hashtags #MeToo, Tarana Burke, schrieb via Twitter: "Meine Hoffnung ist, dass mehr Menschen, besonders Männer, an die Öffentlichkeit gehen; und dass wir uns auf ein paar sehr anstrengende Debatten über Macht und Menschlichkeit und Privilegien und Leid vorbereiten."

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Menschen würden die jüngsten Berichte dafür nutzen, um die Bewegung zu diskreditieren, schrieb Burke in einer weiteren Nachricht. "Lasst das nicht zu." Die Bewegung könne nur Erfolg haben, wenn alles Unangenehme ans Licht komme und man sich bewusst mache: "Es gibt nicht den einen Weg, Täter zu sein - und es gibt auch keinen prototypischen Überlebenden."

Schauspielerin Rose McGowan war eine der Frauen, die zuerst mit den Vorwürfen gegen Harvey Weinstein an die Öffentlichkeit gingen - sie gilt ebenfalls als eine der #MeToo-Vorkämpferinnen. "Ich habe Asia Argento vor zehn Monaten kennengelernt", schrieb McGowan nun via Twitter. Sie beide würden den Schmerz teilen, von Harvey Weinstein missbraucht worden zu sein. "Mein Herz ist gebrochen." Niemand wisse, was tatsächlich geschehen sei, und sie sei sicher, dass man noch mehr erfahren werde. "Seid behutsam."

Auch Rosanna Arquette wirft Weinstein sexuellen Missbrauch vor. Zum Fall Argento schrieb sie nun: "Trauma erzeugt Trauma... bis wir uns selbst heilen, sind wir alle auf dem Weg zur Heilung." Später ergänzte sie, sie stehe an der Seite von jedem, der Opfer sexuellen Missbrauchs geworden sei.

Am Montag bestätigten Behörden in Los Angeles, dass sie den Fall untersuchen. Man versuche, mit Bennett beziehungsweise seinen Vertretern zu sprechen, sagte Darren Harris von der dortigen Polizei. Mehr Hintergründe zum "New York Times"-Artikel und den konkreten Vorwürfen gegen Argento erfahren Sie hier. Mehr Details über das mutmaßliche Opfer Jimmy Bennett können Sie hier nachlesen.

aar

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