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Atomkatastrophe in Japan: Plutonium-Leck alarmiert Japans Regierung

Der japanische Regierungschef Kan warnt: Die Lage im AKW Fukushima sei "unberechenbar". Offenbar tritt weiter hochgiftiges Plutonium aus und sickert ins Erdreich. Das Kabinett erwägt nun, den Betreiberkonzern Tepco zu verstaatlichen.

Tokio - Mehr als zwei Wochen nach der ersten Explosion im Atomkraftwerk Fukushima I hat der Betreiber die Situation immer noch nicht unter Kontrolle. Aus dem beschädigten japanischen Atomkraftwerk tritt offenbar weiterhin hochgiftiges Plutonium aus. Das Schwermetall sickere ins Erdreich ein, hieß es am Dienstag aus Behördenkreisen. Nach Angaben der Betreibergesellschaft Tepco wurde an mehreren Stellen außerhalb des Meilers Plutonium entdeckt.

Es gebe Hinweise darauf, dass die Radioaktivität von beschädigten Brennstäben stamme, sagte Regierungssprecher Yukio Edano am Dienstag. "Die Situation ist sehr ernst", so Edano. "Wir tun unser Möglichstes, um den Schaden zu begrenzen."

Es sei bedauerlich, dass es nicht gelungen sei, einen Austritt radioaktiver Substanzen aus dem Kraftwerk zu verhindern, sagte Hidehiko Nishiyama, ein Sprecher der Atomsicherheitsbehörde. Am Montag war erstmals gemeldet worden, dass im Boden um das Kraftwerk hochgiftiges Plutonium entdeckt worden sei. Die Dosierung war nach Angaben von Tepco für Menschen nicht gefährlich.

Die Lage ist weiterhin "unvorhersehbar", sagte der japanische Ministerpräsident Naoto Kan am Dienstag vor dem Haushaltsausschuss des Oberhauses. Seine Regierung sei in "höchster Alarmbereitschaft", so Kan laut der Nachrichtenagentur Jiji.

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Gau in Japan: Das Desaster von Fukushima

Kan wies Vorwürfe zurück, wonach sein Besuch des Unglückskraftwerks am Tag nach dem Erdbeben die Rettungsarbeiten behindert habe. Es sei für ihn unerlässlich gewesen, den Unglücksort zu besuchen, so der Regierungschef. Gespräche mit den Hilfskräften hätten ihm geholfen, spätere Entscheidungen zu treffen.

Wie der Fernsehsender NHK berichtete, hatte die Opposition Kan vorgeworfen, sein Aufenthalt am 12. März habe den AKW-Betreiber davon abgehalten, Luft aus Reaktor 1 abzulassen, um den Druck darin zu vermindern. Am 12. März hatte eine Wasserstoffexplosion im Block 1 Dach und Wände des Außengebäudes zerstört. Zuvor hatte Kan sich mit einem Hubschrauber zu dem Kraftwerk fliegen lassen, um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen.

Regierung erwägt Verstaatlichung von Tepco

Täglich meldet Tepco neue Hiobsbotschaften aus dem Kraftwerk an der Nordostküste des Landes. Nun erwägt die Regierung offenbar eine Verstaatlichung der Betreibergesellschaft. Das sei eine Option, sagte der Minister für die nationale Politik, Koichiro Gemba, laut der Nachrichtenagentur Kyodo am Dienstag. Auch die japanische Tageszeitung "Yomiuri" berichtete unter Berufung auf Regierungskreise von derartigen Überlegungen. Die Regierung könnte die Mehrheit übernehmen und in das Management des Stromkonzerns eingreifen.

Nach einer Flut von Verkaufsordern wurden Tepco-Aktien an der Börse in Tokio vom Handel ausgesetzt. Auf den Betreiber der Atomruine von Fukushima dürften gewaltige Entschädigungszahlungen an die Opfer der Katastrophe zukommen.

Sprecher von Regierung und Unternehmen dementierten die Meldungen einer möglichen Verstaatlichung jedoch zunächst: Ein Tepco-Sprecher betonte, ihm sei nichts von derartigen Plänen bekannt. Ein Regierungsprecher sagte, keine Regierungsorganisation erwäge derzeit eine solche Verstaatlichung. Derzeit sei es die höchste Priorität für die Regierung, Tepco anzuweisen, alles zu tun, das AKW unter Kontrolle zu bekommen und sich um die Auswirkungen der Katastrophe zu kümmern, sagte Yukio Edano laut der Online-Seite der japanischen Wirtschaftszeitung "Nikkei".

Die schlechten Nachrichten aus Fukushima belasten den japanischen Aktienmarkt weiterhin. Der Nikkei 225 sank um 19 Punkte auf 9459,08 Zähler - ein Minus von 0,21 Prozent. Der breit gefasste Topix büßte 0,89 Prozent und fiel um 7,64 Punkte auf 850,21 Zähler. Als einen Grund für die Abschläge nannten Händler die Nachricht von dem Plutonium-Leck.

Arbeiter versuchen weiter, verstrahltes Wasser abzupumpen

Im Kraftwerk kämpfen Arbeiter weiter verzweifelt gegen eine weitere Ausbreitung der Radioaktivität. Am Dienstagmorgen wurde erneut versucht, kontaminiertes Wasser aus den Turbinengebäuden der Reaktoren 1 bis 3 abzupumpen, wie die Nachrichtenagentur Jiji berichtete. Erst wenn das Wasser beseitigt ist, können die Männer versuchen, die dringend nötigen Kühlsysteme wieder in Gang zu bringen.

Die Regierung hatte zuvor eingeräumt, dass im Reaktor 2 in den vergangenen zwei Wochen vermutlich eine Kernschmelze eingesetzt hatte. Man glaube, dass der Prozess mittlerweile gestoppt sei. Was genau in dem Problem-Meiler abläuft, ist aber immer noch unklar.

Wegen einer hohen Strahlenbelastung im Wasser an Block 2 hatten die Helfer die Wassermenge verringert, die zur Kühlung auf den Reaktorblock gesprüht wurde. Deshalb könnte die Temperatur im Innern wieder ansteigen. Am Dienstag sollten die Geräte überprüft werden, die zur Wiederherstellung der Kühlsysteme in den Reaktoren notwendig seien, berichtete Jiji.

Spuren von Radioaktivität in USA und China

Der Chef der US-Atomregulierungsbehörde (NRC), Gregory Jaczko, sprach nach einem Treffen mit japanischen Kollegen und Atomexperten in Tokio von einer "anhaltend ernsten Herausforderung". Die NRC und das US-Energieministerium haben Dutzende Fachleute nach Japan geschickt, um die Lage einzuschätzen und Experten vor Ort zu beraten.

Im Nordosten der USA sind im Regenwasser Spuren von Radioaktivität entdeckt worden. Nach solchen Funden in den US-Bundesstaaten Massachusetts und Pennsylvania wurden nach Behördenangaben am Montag auch in Ohio erhöhte Strahlungswerte in nachgewiesen. Forscher der Case Western Reserve University in Cleveland erklärten, sie hätten eine kleine Menge Jod 131 aus Japan im Regenwasser auf dem Dach eines Campus-Gebäudes gefunden.

Auch in China sind in weiteren Regionen radioaktive Partikel in der Atmosphäre gemessen worden. Spuren von Jod 131 seinen in den Regionen Jiangsu, Shanghai, Zhejiang, Anhui, Guangdong und Guangxi im Südosten des Landes entdeckt worden, teilte das chinesische Umweltministerium auf seiner Internetseite mit. Eine Gefahr für die Gesundheit bestehe jedoch nicht. Bereits am vergangenen Wochenende hatten chinesische Behörden geringe Werte des radioaktiven Jod 131 in der Provinz Heilongjiang im Nordosten des Landes gemeldet.

Bei der Identifizierung der Toten nach dem Erdbeben und dem Tsunami vom 11. März setzt die Polizei unterdessen auf das Internet. Bei etwa 4000 Leichen, die in den Präfekturen Miyagi, Iwate und Fukushima gefunden wurden, sei noch unklar, um wen es sich handelt, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Die Polizei veröffentliche deswegen im Internet Informationen zu Kleidung und Größe der Toten, sowie zu persönlichen Dingen, die bei den Leichen gefunden wurden.

Die Region war am 11. März von einem verheerenden Erdbeben der Stärke 9 sowie einem Tsunami schwer zerstört worden. Mehr als 11.000 Menschen starben, über 17.000 gelten noch als vermisst. Noch immer hausen 190.000 Menschen in Notunterkünften. Doch viele der Flüchtlinge aus der Region um das AKW Fukushima I kehren trotz Warnungen der Regierung zurück in ihre Heimat.

Die verheerende Naturkatastrophe hat die heimische Fischereiindustrie hart getroffen. Die Flutwellen des Tsunamis hätten mehr als 2300 Fischerboote an der nord- und mittelpazifischen Küste des Landes beschädigt, teilte das Fischereiministerium nach Angaben des Fernsehsenders NHK am Dienstag mit. Die Zahl werde vermutlich noch steigen. In den drei Präfekturen Iwate, Miyagi und Fukushima seien fast alle Fischereihäfen schwer beschädigt worden. Gemeinsam mit drei weiteren Präfekturen lieferten sie knapp ein Viertel der japanischen Fischereierzeugnisse.

siu/dpa/Reuters/dapd

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1. ...
olli08 29.03.2011
Zitat von sysopSpuren von Plutonium im Boden, radioaktives Wasser in den Kellern, dilettantische Pressekonferenzen: Fukushima-Betreiber Tepco*bekommt das AKW-Desaster*nicht in den*Griff.*Nach Angaben eines Ministers*erwägt die Regierung eine Verstaatlichung des Chaoskonzerns.*Das Management*dementiert. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,753716,00.html
Auch eine Möglichkeit, einen Job im Öffentlichen Dienst zu bekommen: Atomanlagentechniker werden, einen Störfall abwarten und dann einfach solange Mist bauen, bis das AKW verstaatlicht wird ...
2. same procedure
lalito 29.03.2011
Gewinne privatisieren, Verluste und Schäden sozialisieren. Nichts Neues aus der Wirtschaft.
3. Gewinne privatisieren - Verluste sozialisieren
Roana, 29.03.2011
Passt doch: Solange der Konzern Gewinn gemacht hat, war er privat, jetzt wo es um's bezahlen geht, wird er verstaatlicht und das japanische Volk zahlt die Zeche und die tepco-Manager fliegen auf ihre Ferieninsel...
4. Atomkraft - NEIN DANKE!
merapi22 29.03.2011
Zitat von sysopSpuren von Plutonium im Boden, radioaktives Wasser in den Kellern, dilettantische Pressekonferenzen: Fukushima-Betreiber Tepco*bekommt das AKW-Desaster*nicht in den*Griff.*Nach Angaben eines Ministers*erwägt die Regierung eine Verstaatlichung des Chaoskonzerns.*Das Management*dementiert. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,753716,00.html
Die Verstaatlichung ist der Anfang vom Ausstieg aus der Kernkraft, ist ein Anfang vom Ende der hilflosen Versuche eines Monopolisten der Atom-Katastrophe herr zu werden!
5. Ja ne, ...
shizzobi 29.03.2011
... is klar. Jetzt wo horrende Kosten auf den Konzern zukommen soll er verstaatlicht werden. Is doch überall das Gleiche. Aber so funktioniert Kapitalismus nunmal. Läufts gut, provitieren ein paar. Läufts schlecht zahlen die anderen. Wie bei unseren Banken.
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Von Sievert bis Becquerel: Kleines Lexikon der Strahlenmessung
Alpha-, Beta- und Gammastrahlen
Manche Atomkerne von chemischen Elementen sind instabil und zerfallen deshalb. Sie werden als radioaktiv bezeichnet. Die Zerfallsprozesse können unterschiedlicher Natur sein. Die Strahlung, die zerfallende Elemente aussenden, wird in drei Arten unterschieden: Während Alpha- und Betastrahlung aus Partikeln bestehen, handelt es sich bei Gammastrahlung um elektromagnetische Wellen, ähnlich der Röntgenstrahlung. Allerdings ist ihre Wellenlänge viel kleiner und die Strahlen sind somit extrem energiereich. Alphastrahlung besteht aus positiv geladenen Helium-Kernen, die aus zwei Protonen und zwei Neutronen aufgebaut sind. Betastrahlen bestehen aus Elektronen. Sie entstehen, wenn sich ein Neutron in ein Proton und ein Elektron umwandelt, das vom Atomkern abgestrahlt wird.
Becquerel: Einheit der Aktivität
Eine Substanz ist dann radioaktiv, wenn sie zerfällt und dabei Strahlung aussendet. Um anzugeben, wie stark eine radioaktive Substanz strahlt, benutzt man den Begriff der Aktivität (A). Sie wird in Becquerel (Bq) gemessen und gibt die Strahlung an, die eine Substanz innerhalb einer bestimmten Zeit durch Zerfall erzeugt. Per Definition entspricht ein Becquerel einem Zerfall pro Sekunde. Je schneller eine Probe zerfällt, desto intensiver strahlt sie also.
Gray: Einheit der Energiedosis
Weiß man, wie stark eine radioaktive Substanz strahlt, sagt das noch nichts darüber aus, wie sich die Strahlung auf den Körper auswirkt. Dafür ist es wichtig zu bestimmen, wie viel Energie von einer bestimmten Masseneinheit des Körpers absorbiert wird. Angegeben wird die absorbierte Energiedosis (D) in der Einheit Gray (Gy), wobei ein Gray der Energiemenge von einem Joule pro Kilogramm entspricht.
Sievert: Einheit der Äquivalentdosis
Um die biologische Wirksamkeit der radioaktiven Strahlung auf den Körper anzugeben, benutzt man anstelle der Energiedosis den Begriff der Äquivalentdosis (H). Sie berücksichtigt die Tatsache, dass verschiedene Arten von Strahlen ganz unterschiedliche Wirkungen auf den Körper haben. So ionisiert Alphastrahlung bei weitem mehr Moleküle als etwa Betastrahlen - und richtet deshalb eine größere Zerstörung im Körper an. Daher wird jede Strahlungsart mit Hilfe einer physikalischen Größe gewichtet, dem sogenannten Strahlenwichtungsfaktor. Gemessen wird die Äquivalentdosis in Sievert (Sv). Sie ergibt sich aus der Multiplikation der Energiedosis mit dem Strahlenwichtungsfaktor. 1 Sievert (Sv) sind 1000 Millisievert (mSv). 1 Millisievert sind 1000 Mikrosievert (µSv).
Sievert pro Zeit: Einheit der Strahlenbelastung
Um die Auswirkungen von radioaktiver Strahlung auf den Körper genauer einschätzen zu können, ist es wichtig zu wissen, wie lange eine bestimmte Dosis auf den Körper einwirkt. Daher wird die Strahlenbelastung meist in Sievert pro Zeiteinheit gemessen. Also etwa Millisievert pro Jahr oder Mikrosievert pro Stunde. Die durchschnittliche natürliche Strahlenbelastung liegt in Deutschland bei 2,1 Millisievert pro Jahr, also 0,24 Mikrosievert pro Stunde. Im Schnitt kommen zwei Millisievert pro Jahr durch künstliche Quellen von Radioaktivität hinzu. Den Löwenanteil dazu steuert die Medizin bei.
Von Becquerel zu Sievert: Der Dosiskonversionsfaktor
Die Strahlenbelastung von Böden oder in Lebensmitteln etwa wird in Becquerel pro Quadratmeter oder Becquerel pro Kilogramm angegeben. Doch was bedeutet dieser Wert für die Auswirkungen auf den Körper? Um eine Beziehung zwischen Aktivität und Äquivalentdosis herstellen zu können, gibt es den sogenannten Dosiskonversionsfaktor. Er hängt unter anderem von der Art der Strahlung und der radioaktiven Substanz ab, sowie von der Art, wie die Strahlung in den Körper gelangt (Inhalieren, Aufnahme durch die Nahrung). So entspricht die Aufnahme von 80.000 Becquerel Cäsium 137 mit der Nahrung einer Strahlenbelastung von etwa einem Millisievert. Der Verzehr von 200 Gramm Pilzen mit 4000 Becquerel Cäsium 137 pro Kilogramm hat beispielsweise eine Belastung von 0,01 Millisievert zur Folge. Das lässt sich mit der Belastung durch Höhenstrahlung bei einem Flug von Frankfurt nach Gran Canaria vergleichen.
EU-Grenzwerte für Nahrungsmittel
Nach der Tschernobyl-Katastrophe hatte die EU Grenzwerte für den Import von Lebensmitteln aus jenen Ländern geregelt, die durch das Atom-Unglück kontaminiert wurden. Zusätzlich hat die EU am 26. März 2011 weitere Grenzwerte für Importe aus Japan festgelegt - die Grenzen wurden jedoch als zu lasch kritisiert. Am 8. April reagierte die EU - und passte die Grenzen an japanische Normen an. Für Cäsium 134 und Cäsium 137 gilt künftig bei Lebensmitteln ein Grenzwert von 500 Becquerel pro Kilogramm. Bei Säuglings- und Kindernahrung senkte Brüssel den Grenzwert für Cäsium von 400 auf 200, für Jod von 150 auf 100 Becquerel.

Die wichtigsten Fragen zur Strahlengefahr
Was richtet Strahlung im menschlichen Körper an?
Corbis
Die Schwere der Schäden hängt davon ab, welches Gewebe wie stark von der Strahlung betroffen ist. Erste Symptome einer Strahlenkrankheit sind Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Sie treten wenige Stunden nach Einwirken der Strahlung auf den Körper auf. Klingen die Symptome ab, stellt sich nach einigen Tagen Appetitlosigkeit, Übermüdung und Unwohlsein ein, die einige Wochen andauern.
Wie qualvoll eine akute Strahlenkrankheit bei hoher Dosis enden kann, zeigen die Opfer der Atombombenabwürfe in Hiroshima und Nagasaki und der Tschernobyl-Katastrophe. Haarausfall, unkontrollierte Blutungen, ein zerstörtes Knochenmark, Koma, Kreislaufversagen und andere dramatische Auswirkungen können den Tod bringen.
Wie verläuft eine leichte Strahlenkrankheit?
Menschen mit einer leichten Strahlenkrankheit erholen sich zwar in der Regel wieder. Doch oft bleibt das Immunsystem ein Leben lang geschwächt, die Betroffenen haben häufiger mit Infektionserkrankungen und einem erhöhten Krebsrisiko zu kämpfen.
Wie kann man sich schützen?
DPA
Im Gebiet, in dem ein nuklearer Niederschlag zu befürchten ist, kann es helfen, sich in geschlossenen Räumen aufzuhalten. Gegen radioaktives Jod schützt die vorsorgliche Einnahme von Kaliumjodidtabletten. Allerdings schützt diese nur vor Schilddrüsenkrebs. Das eingenommene Jod lagert sich in den Drüsen links und rechts des Kehlkopfes an und verhindert so die Aufnahme von radioaktivem Jod. Wichtig: Jodtabletten nicht ohne behördliche Aufforderung einnehmen.
Radioaktives Jod baut sich in der Umwelt allerdings schnell ab. Gefährlicher ist radioaktives Cäsium, es hat eine längere Lebensdauer und wirkt bei Aufnahme durch die Luft oder über Nahrungsmittel im ganzen Körper. Dagegen helfen keine Pillen. Bricht ein Reaktor, wie in Tschernobyl geschehen, auseinander, gelangen großen Mengen Cäsium in die Atmosphäre und verstrahlen die Gegend, in der die Partikelwolke niedergeht, auf viele Jahre.
Was bedeutet die Maßeinheit Millisievert?
DPA/ Kyodo/ Maxppp
Sievert (Sv) ist eine Maßeinheit für radioaktive Strahlung. Ein Sievert entspricht 1000 Millisievert. Die Einheit gibt die sogenannte Äquivalentdosis an und ist somit ein Maß für die Stärke und für die biologische Wirksamkeit von Strahlung.
7000 Millisievert, also sieben Sievert, die direkt und kurzfristig auf den Körper treffen, bedeuten den sicheren Tod (siehe Grafik). Zum Vergleich: Am Montagmorgen maßen die Techniker am Kraftwerk Fukushima I eine Intensität von 400 Millisievert pro Stunde. In Tschernobyl tötete die Strahlung von 6000 Millisievert 47 Menschen, die unmittelbar am geborstenen Reaktor arbeiteten.
Wie hoch ist die Belastung im Alltag?
DPA/ NASA
Menschen sind tagtäglich der natürlichen radioaktiven Strahlung im Boden oder der Atmosphäre ausgesetzt. In Deutschland beträgt sie laut Bundesamt für Strahlenschutz 2,1 Millisievert pro Jahr (siehe Grafik). Der menschliche Organismus hat Abwehrmechanismen gegen die natürliche Strahleneinwirkung entwickelt, um sich vor diesen Belastungen zu schützen.

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