Atomunfall in Fukushima Wetterexperten geben Wind-Entwarnung

Nach der Explosion in Fukushima wächst die Angst vor einer atomaren Verstrahlung. Die bange Frage ist: Wohin würde eine radioaktive Wolke ziehen?

DPA

Hamburg - Japans Atomexperten versuchen, eine Kettenreaktion mit fatalen Folgen zu verhindern: Ein Regierungssprecher bestätigte am Sonntag, dass es im Reaktor 3 des Atomkraftwerks Fukushima I zu einer "teilweisen" Kernschmelze gekommen sei.

In der 150 Kilometer entfernten Provinz Miyagi maßen Experten daraufhin eine 400 Mal höhere Radioaktivität als normal. Auch um das AKW Onagawa sei eine erhöhte Strahlung festgestellt worden, sagte ein Regierungssprecher. Man gehe davon aus, dass diese nicht von dem Reaktor stamme. Vielmehr, so vermuten Experten, habe der Wind Radioaktivität aus der Provinz Fukushima herübergeweht.

Sollte eine radioaktive Wolke aus einem havarierten Kernkraftwerk ausgetreten sein, ist nun vor allem die Wetterlage entscheidend: Ist es windstill und regnet es, so gelangen die radioaktiven Partikel in der Nähe des Kernkraftwerks auf die Erde.

Ist es sehr windig und trocken, kann sich die Radioaktivität sehr weit verbreiten. Sogar in Europa und in Deutschland werden dann wegen der extremen Empfindlichkeit der Messgeräte in einigen Tagen oder Wochen erhöhte Werte an Radioaktivität gemessen werden können.

Die Erhöhung der Strahlungswerte würde Greenpeace zufolge hierzulande aber in jedem Fall so gering ausfallen, dass sich daraus keine negativen Folgen für die Gesundheit der Menschen ergeben. Selbst die radioaktive Wolke aus Tschernobyl, die zum Teil über Deutschland abgeregnet ist, hat zu keinem statistisch nachweisbaren Anstieg von Krebserkrankungen geführt.

Entscheidend ist jetzt die Wetterlage

Die radioaktive Wolke dürfte bei den vorherrschenden und für die nächsten Tage erwarteten Winden auf das offene Meer hinaus getrieben werden. Für Sonntag erwartet der Deutsche Wetterdienst sonniges, trockenes Wetter in Japan mit Temperaturen zwischen 13 bis 18 Grad Celsius.

Ab Montag soll es dort aber regnen oder sogar schneien. Selbst am Tage werden die Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt liegen. Der Abkühlungsprozess wird für stärkeren Wind aus nordwestlicher Richtung sorgen. Das treibt also eine mögliche radioaktive Wolke hinaus auf den Pazifik.

Russische Wetterstationen messen laut Behörden inzwischen stündlich die Radioaktivität an der russischen Pazifikküste. Die Grenzwerte für radioaktive Strahlung seien bislang allerdings an keiner Stelle überschritten. Mögliche radioaktive Wolken aus Japan würden auch in den kommenden Tagen nicht nach Russland ziehen, sagten Meteorologen der staatlichen Wetterbehörde Rosgidromet voraus. Der Wind wehe von Japan aus in Richtung offenes Meer.

200.000 Menschen wurden bereits im Umkreis von 20 Kilometern evakuiert. Greenpeace betonte, im Vergleich zu Tschernobyl sei das Dramatische in Fukushima, dass es mehrere Kernschmelzen gebe und die Hauptstadt Tokio nur 250 Kilometer entfernt ist. Rund um Fukushima ist die Bevölkerungsdichte 20 Mal höher als 1986 in der Region Tschernobyl.

An die Bürger wurden bereits Jodtabletten verteilt. Damit wird die Schilddrüse so mit Jod angereichert, dass sich das radioaktive Jod 131, das aus dem Reaktor entweichen kann, dort nicht mehr festsetzt. Zwar weht im Moment der Wind in der Krisenregion auf das Meer, aber sollte eine Wolke Richtung Tokio treiben, müssten die Menschen alles dafür tun, die Luft nicht einzuatmen.

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jjc/dpa

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