Attraktivität von Vornamen: Warum Kevins allein zu Haus sind

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Namen sind nur Schall und Rauch? Nicht ganz. Wissenschaftler haben das Verhalten von Online-Flirtern untersucht, Ergebnis: Der Vorname spielt bei der Partnersuche eine Rolle. Ein Ranking zeigt, wer die besten Chancen auf dem Liebesmarkt hat. Sorry, liebe Kevins, ihr gehört nicht dazu.

Partnersuche im Internet: Vornamen sind oft die erste Information, die Singles haben Zur Großansicht
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Partnersuche im Internet: Vornamen sind oft die erste Information, die Singles haben

Hamburg - "Mein Ideal ist es immer gewesen, einen Mann zu lieben, der Ernst heißt." Was für andere die Haarfarbe, der Bildungsgrad oder die Figur sind, ist für Gwendolen der Name Ernst: Entscheidungskriterium ihrer Partnerwahl.

Mitleid empfindet sie für alle Frauen, "die mit Männern namens John verheiratet sind". In Ernst stecke "ein gewisses Extra, das absolutes Vertrauen einflößt". Mit ihrer Vorliebe ist sie nicht alleine: "Es war schon immer einer meiner Mädchenträume, einen Mann zu lieben, der Ernst heißt", sagt auch ihre Freundin Cecily.

Wer nun derlei Schwärmereien aus Oscar Wildes Komödie "Bunbury" als Geschwätz abtun will, sollte innehalten. Wissenschaftler der HU Berlin und der Duke University sind der Frage nachgegangen, ob sich Vornamen auf die Chancen beim anderen Geschlecht und die Lebensweise ihrer Träger auswirken.

Für ihre noch unveröffentlichte Studie erhielten die Forscher Daten vom Datingportal eDarling: 49.226 deutschsprachige Nutzer (rund 18.000 aus Österreich, 20.000 aus Deutschland und rund 11.000 aus der Schweiz) hatten bei der Einrichtung ihrer Profilseite einen Fragebogen ausgefüllt. Auf Basis dieser Angaben erhielten die Wissenschaftler Daten über das Selbstbewusstsein der Menschen, über deren Bildungsstand und sie erfuhren, ob und wieviel die Befragten rauchen.

Was Calvin unsterblich machte, wird Kevins nicht Recht sein

Den Nutzern des Portals werden regelmäßig per Mail Profilseiten von anderen Nutzern empfohlen. Die Vorschläge enthalten nur den Vornamen, den Wohnort und das Alter der potentiellen Partner. Weil die Nutzer selbst bestimmen, aus welcher Region und aus welcher Altersgruppe sie Vorschläge bekommen wollen, spielt der Vorname die bedeutendste Rolle bei der Entscheidung, wessen Profilseite die Singles besuchen und welche nicht.

Die Wissenschaftler verglichen die Zahlen der per E-Mail geleiteten Erstbesucher von Profilseiten. Sie berücksichtigten dabei, dass manche Namen häufiger vorgeschlagen wurden. Neben den Daten des Datingportals legten die Wissenschaftler ihrer Studie Rankings zur Beliebtheit von Vornamen zugrunde. So konnten sie ermitteln: Werden Träger von unbeliebten Vornamen häufiger missachtet?

Ergebnis: Seiten von Männern mit dem beliebtesten Namen wurden mehr als doppelt so häufig angesteuert als die der Träger des unbeliebtesten Namens. Oder anders ausgedrückt: Alexander schnappt Kevin reihenweise Frauen weg.

Überhaupt sind Kevins arg gebeutelt. Eigentlich kann einem Menschen kaum etwas Besseres passieren, als dass Wissenschaftler eine Theorie nach ihm benennen. Was Calvin unsterblich machte, wird Kevin allerdings gar nicht recht sein: Als Kevinismus ist seit rund zwei Jahren das Phänomen bekannt, dass es Vornamen gibt, die Menschen mit wenig schmeichelhaften Vorurteilen verbinden.

Im Sommer 2009 kam eine Studentin in ihrer Masterarbeit zum Ergebnis, dass viele Grundschullehrer Jungen mit bestimmten Vornamen als verhaltensauffällig abstempeln, ehe die sich überhaupt irgendwie verhalten haben. "Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose", kommentierte eine teilnehmende Lehrerin damals. Andere Beispiele waren Justin, Marvin, Chantal und Mandy.

Doch wie ergeht es Menschen, die nicht mehr von Lehrern bewertet werden, sondern um die Aufmerksamkeit von potentiellen Lebensgefährten buhlen? Die Wissenschaftler nahmen für ihre Studie die 24 Namen mitsamt der Lehrerbewertung aus der Masterarbeit. Zudem bedienten sie sich aus einer Liste von 60 Vornamen, die vor fünf Jahren für eine Studie von 149 Menschen bewertet wurden. 992 der bei dem Datingportal Registrierten hatten einen Namen aus der Liste der Masterarbeit, 4228 hatten einen Namen aus der Liste von 2006.

"Selbst so etwas Banales wie ein Name hat Auswirkungen"

Tatsächlich setzte sich das triste Leben der Kevins fort: Männer mit Namen Paul etwa hatten in einer Stichprobe rund 150 Prozent mehr Erstbesucher auf ihren Profilseiten. Und die Wissenschaftler fanden nicht nur einen Zusammenhang zwischen Vornamen und Seitenbesuchen: Die Auswertung der von den Singles ausgefüllten Fragebögen ergab, dass Träger von unbeliebten Namen ein geringeres Selbstbewusstsein haben, weniger gebildet sind und mehr rauchen.

Die Unterschiede fanden sie nicht nur im Vergleich zweier Namen mit deutlich unterschiedlicher Beliebtheit wie Kevin und Alexander: Die Träger von Namen, die nur etwas unbeliebter waren als der Durchschnitt, waren ebenfalls durchschnittlich weniger selbstbewusst, eher Raucher und eher weniger gebildet.

Die Effekte auf die Besucherzahlen, auf das Selbstbewusstsein, den Bildungsgrad und das Rauchen seien nicht riesig, sagt Wiebke Neberich, Psychologin, Mitautorin der Studie und wissenschaftliche Sprecherin von eDarling. "Aber die Studie legt doch nahe, dass selbst so etwas Banales wie ein Name Auswirkungen auf das Leben eines Menschen haben kann."

"Die Ergebnisse deuten daraufhin, dass es sich auf das Leben und die Persönlichkeit von Menschen niederschlägt, wenn sie einen unbeliebten Namen tragen und deshalb missachtet werden", so Neberich. Möglich sei außerdem, dass die Namensgebung vom sozialen Status der Familie abhänge und insofern Menschen mit unattraktiven Namen aus diesen Gründen weniger selbstbewusst seien und weniger gebildet. Allerdings habe eine Studie im Jahr 2008 nicht feststellen können, dass "kevinistische" Namen in sozial schwächeren Familien häufiger vorkommen.

Neberich nutzte einen Datensatz der Studie, um 30 Frauen- und 29 Männernamen zu vergleichen, insgesamt untersuchte sie die Klickzahlen von 4238 Mitgliedern des Datingportals. Die meisten Besucher verzeichneten Nutzerinnen mit dem Namen Hannah: 24 Prozent mehr als der Durchschnitt. Bei den Nutzern waren es die Namen Felix und Paul: Die hatten jeweils elf Prozent mehr Klicks. Die Schlusslichter: Chantal und Kevin.

Bei Gwendolen hätte keiner eine Chance - außer Ernst natürlich. Heute wäre das vielleicht keine schlechte Wahl, zumindest wenn sie in einem Onlineportal auf die Pirsch ginge: Ernst hat elf Prozent weniger Profilbesucher als der Durchschnitt, die Konkurrenz wäre überschaubar.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version dieses Artikels stand, dass die Studie unter anderem von einer Wissenschaftlerin des Max Planck Instituts (MPI) geschrieben wurde. Das ist nicht korrekt: Wiebke Neberich war als Doktorandin in der "International Max Planck Research School LIFE", ein Programm der Max-Planck-Gesellschaft, an dem das MPI für Bildungsforschung beteiligt ist. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

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insgesamt 241 Beiträge
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1. und ...
critique 11.07.2011
wenn Kevin nun aussieht wie Adonis oder Chantal wie Megan Fox?! Ich würd sie (weiblich) trotzdem daten (wenn ich 10 Jahre jünger wär).
2.
matthias_b. 11.07.2011
-3 also. Ist akzeptabel. Vielleicht sollte ich mich dennoch umbenennen, z.B. in Hieronymus oder so.
3. ?
ohli_mann 11.07.2011
ich frage mich nur, was in diesem forum diskutiert werden soll. der ganze artikel hat für mich persönlich keinen nährwert. bin mal gespannt was hier so passiert...
4. Mal im Ernst, Birger
Pat-Riot 11.07.2011
Zitat von sysopHamburg - "Mein Ideal ist es immer gewesen, einen Mann zu lieben, der Ernst heißt." Was für andere die Haarfarbe, der Bildungsgrad oder die Figur sind, ist für Gwendolen der Name Ernst: Ausschlusskritierium ihrer Partnerwahl. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,772248,00.html
Hier muss Ke... äh, Birger aber noch mal nachsitzen und ein bisschen überlegen, wie "mein Ideal" und "Ausschluss(!)kriterium" zusammengehen.
5. heißt
AlexB1985 11.07.2011
das zitierte Werk von Oscar Wilde nicht "The importance of being Ernest?"
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