Aufregung im Kirchenstaat: Vatikan empört sich über "Vatileaks"

Wie gelangten interne Dokumente aus dem Vatikan an die Öffentlichkeit? Seit brisantes Material an die italienische Presse lanciert wurde, herrscht Aufregung im sonst so verschwiegenen Kirchenstaat. Nun sucht man nach Maulwürfen in den eigenen Reihen.

Benedikt XVI. in Berlin: Aufregung um "Vatileaks" Zur Großansicht
DPA

Benedikt XVI. in Berlin: Aufregung um "Vatileaks"

Rom - Die Rede ist von einem Machtkampf, von Korruption, sogar von einem Mordkomplott gegen Papst Benedikt XVI.: Seit italienische Medien wiederholt interne Dokumente aus dem Vatikan veröffentlichen konnten, herrscht Aufregung im Kirchenstaat (Mehr zu den Hintergründen des Falls lesen Sie hier).

Wo sonst Verschwiegenheit regiert, gibt es nun offenbar Maulwürfe. Die amtliche Zeitung des Vatikans schrieb von "Wölfen" sowie verantwortungslosem und unwürdigem Verhalten, die Kirche solle die Krise als Chance sehen, sich selbst zu reinigen. Papstsprecher Federico Lombardi griff sogar den Begriff "Vatileaks" auf - eine Anspielung auf die Enthüllungsplattform "WikiLeaks".

Die US-Regierung habe ihr "WikiLeaks" erlebt, der Vatikan sein "Vatileaks", so Lombardi. Damit solle "Verwirrung gestiftet und der Vatikan, die Regierung der Kirche und die Kirche selbst in ein schlechtes Licht gerückt werden".

"Es ist traurig, dass interne Dokumente auf illoyale Weise in die Öffentlichkeit getragen werden", hieß es am Dienstag in einem Beitrag Lombardis auf Radio Vatikan. Es gebe jene, die solche Informationen "auf illoyale Weise" nach außen trügen. Und Medien benutzten sie dann für Zwecke, "die sicher nicht die reine Liebe zur Wahrheit sind".

Brisant war vor allem eine Veröffentlichung der linken italienischen Zeitung "Il Fatto Quotidiano". Sie hatte aus einem vertraulichen Dokument zitiert, demzufolge ein Kardinal gesagt haben soll, Benedikt XVI. habe nur noch bis November zu leben. Der Vatikan bestätigte die Echtheit des Dokumentes, bezeichnete den Inhalt aber als abseitig. Einen Machtkampf um die Nachfolge des Papstes bestritt Lombardi.

Zuvor waren bereits Briefe veröffentlicht worden, in denen ein Erzbischof Korruption im Vatikan anprangert. All diese Vorgänge seien ein Zeichen dafür, "dass Wichtiges auf dem Spiel steht", so Lombardi.

hut/dpa/AP/AFP

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter | RSS
alles zum Thema Vatikan
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite