Stadtrat von Melbourne Warum kriegen Ihre Bäume Liebesbriefe, Herr Wood?

Im australischen Melbourne erhalten Bäume neuerdings Liebesbriefe von Bewohnern. Stadtrat Arron Wood erklärt, wie es dazu kam - und was die Bäume jetzt zurückschreiben.

Mann mit Baumgefühl: Arron Wood, Stadtrat von Melbourne
City of Melbourne

Mann mit Baumgefühl: Arron Wood, Stadtrat von Melbourne

Ein Interview von


SPIEGEL ONLINE: Herr Wood, Sie haben für mehr als 70.000 Bäume in Melbourne E-Mail-Adressen eingerichtet. Wie sind Sie denn auf diese Idee gekommen?

Wood: Melbourne ist eine sehr grüne Stadt, aber unsere Bäume sind in Gefahr. In den vergangenen Jahren hatten wir viele Dürreperioden und extrem heiße Tage, gleichzeitig wird immer mehr Wasser gespart, und die Bäume werden immer älter. Damit wir rechtzeitig reagieren können, sollen die Leute uns zum Beispiel Bescheid sagen, wenn der Baum vor ihrer Tür Blätter oder Äste verliert. Dafür waren die E-Mail-Adressen gedacht.

SPIEGEL ONLINE: Und jetzt trudeln mehr Liebesbriefe als Schadensberichte ein?

Wood: Ja, damit hatten wir auch nicht gerechnet. Wir haben das Projekt im vergangenen Jahr gestartet und am Anfang kamen so drei, vier E-Mails die Woche, jetzt haben unsere Bäume schon mehr als tausend E-Mails erhalten. Ich kann nicht genau sagen, wie viele davon Liebesbriefe sind, aber es werden immer mehr.

Liebesbriefe an Bäume

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SPIEGEL ONLINE: Die Bäume antworten ja auch. Wie viele Mitarbeiter sind denn bei Ihnen damit beschäftigt?

Wood: Jeder der Zeit hat, antwortet mal auf eine Mail. Es ist nicht so, dass wir jetzt drei oder vier Leute hier sitzen haben, die den ganzen Tag nichts anderes machen. So weit soll es auch nicht kommen, das ist ja ein Spaß und soll keine Kosten verursachen. Tatsächlich haben sich schon Freiwillige gemeldet, die das Beantworten der Mails gerne übernehmen möchten. Diese Hilfe werden wir wohl bald in Anspruch nehmen.

SPIEGEL ONLINE: Wie beantwortet man denn einen Liebesbrief im Namen eines Baumes?

Wood: 'Lieber Soundso, vielen Dank für Deine netten Worte. Es geht mir gut, hab einen schönen Tag.' So in etwa. Da haben wir aber keine Standardantwort, das entscheidet jeder individuell.

SPIEGEL ONLINE: Warum nehmen Sie die Mühe überhaupt auf sich?

Wood: Wir wollen ein Bewusstsein für den Stadtwald schaffen. Die Bürger sollen sich verantwortlich fühlen für die Bäume. Da ist die Kommunikation genau der richtige Weg. Ich finde es toll, dass so viele Melbourner E-Mails an ihre Lieblingsbäume schreiben.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es denn einen Baum, der besonders beliebt ist?

Wood: Ich habe ehrlich gesagt noch nicht nachgezählt, wie viele E-Mails welcher Baum bekommen hat. Sie sind jedenfalls über die ganze Stadt verteilt.

SPIEGEL ONLINE: Wie erfahre ich denn die E-Mail-Adresse von einem Baum? Hat da jeder ein Schild?

Wood: Nein, dazu müssen Sie auf unsere interaktive Stadtwald-Karte gehen. Da kann man jede Straße in Melbourne aufrufen und dann den einzelnen Baum anklicken. So erfährt man auch, was das für ein Baum ist, wie alt er ist und wie lange er voraussichtlich noch leben wird.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie auch schon einen Liebesbrief an einen Baum geschrieben?

Wood: Nein, noch nicht. Da könnte ich mich auch schwer entscheiden, ich habe viele Lieblingsbäume in der Stadt.



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insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
Montanabear 18.02.2015
1. Ist doch
'ne super Idee !
berlind2 18.02.2015
2. Bäume sind Leben
Eine sehr schöne Idee! Die Bäume in das Blickfeld rücken ist wichtig. Jeder Baum hat Bedeutung, in der Stadt vor allem für das Mikroklima und die Schönheit der Stadt; darüberhinaus als Teil einer lebensnotwendigen Biomasse, als Lebensraum für Vögel und Insekten, als Staubbinder und Luft-Erfrischer! Ohne Bäume sind wir nichts!!! Leider habe ich die Patenschaften für drei Straßenbäume nach Jahren wieder aufgegeben, weil zu viele ungehobelte Zeitgenossen keinen Respekt vor gepflegten Baumstandorten in der Stadt haben und Müll usw. dort abladen. Aber diese Initiative der Baumbriefe erinnert mich wieder daran, nicht aufzugeben und von Neuem etwas für die Stadtbäume zu tun. Danke für den Bericht!
berlind2 18.02.2015
3. Bäume sind Leben
Eine sehr schöne Idee! Die Bäume in das Blickfeld rücken ist wichtig. Jeder Baum hat Bedeutung, in der Stadt vor allem für das Mikroklima und die Schönheit der Stadt; darüberhinaus als Teil einer lebensnotwendigen Biomasse, als Lebensraum für Vögel und Insekten, als Staubbinder und Luft-Erfrischer! Ohne Bäume sind wir nichts!!! Leider habe ich die Patenschaften für drei Straßenbäume nach Jahren wieder aufgegeben, weil zu viele ungehobelte Zeitgenossen keinen Respekt vor gepflegten Baumstandorten in der Stadt haben und Müll usw. dort abladen. Aber diese Initiative der Baumbriefe erinnert mich wieder daran, nicht aufzugeben und von Neuem etwas für die Stadtbäume zu tun. Danke für den Bericht!
hcau 21.02.2015
4.
"Leider habe ich die Patenschaften für drei Straßenbäume nach Jahren wieder aufgegeben, weil zu viele ungehobelte Zeitgenossen keinen Respekt vor gepflegten Baumstandorten in der Stadt haben und Müll usw. dort abladen. " genau dann solltest du es aber weiterhin durchziehen. manchmal hilft ein zettel am baum (kupferfreier reissnagel tut dem nicht weh), die leute davon abzuhalten und statt dessen kollektiv den baum anzupinkeln (ganz ernsthaft, urin ist der beste stickstoffdünger, der einer grünpflanze zugeführt werden kann).
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