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25. Dezember 2013, 11:12 Uhr

Autogramm im OP

Chirurg soll Leber mit Initialen markiert haben

Dieser Arzt wollte offenbar sein Werk signieren. Ein britischer Chirurg soll bei einer Transplantation seine Initialen in eine Patientenleber eingebrannt haben. Durch Zufall entdeckte ein Kollege die Markierung.

London - Ein britischer Chirurg ist seiner Funktionen enthoben worden, weil er die Leber eines Patienten mit seinen Initialen markiert haben soll. Wie die britische Zeitung "Daily Telegraph" am Dienstag berichtete, soll der Arzt Simon B., 48, während einer Transplantation mit Hilfe des in der Chirurgie häufig eingesetzten Gases Argon die Buchstaben "SB" auf die Leber geschrieben haben.

Argon ist ein preiswertes Edelgas, das in der Erdatmosphäre vorkommt. Es wird als Schutzgas beim Schweißen und in der Lebensmittelindustrie, aber auch als Füllgas in Glühlampen verwendet. In der Chirurgie können mit Hilfe eines Argon-Beamers Blutgefäße verödet werden. Der Beamer hinterlässt oberflächliche Verbrennungen, aber keine ernsthaften Verletzungen.

Während eines Routineeingriffs entdeckte ein Kollege die seltsame Signatur auf dem Organ. "Ich wünschte, es wäre ein Versehen. Die Sache ist völlig zufällig ans Licht gekommen", zitiert der "Telegraph" einen Informanten aus dem Krankenhausumfeld. "Wir sprechen hier über einen Patienten, kein Autogrammbuch", sagte Joyce Robins von der Patientenorganisation "Patient Concern".

Die Gesundheitsbehörden bestätigten zunächst nur, dass ein Chirurg des Queen-Elizabeth-Krankenhauses in Birmingham für die Dauer von internen Ermittlungen vom Dienst suspendiert wurde. Zu dessen Namen und den genauen Vorwürfen wollten sie sich nicht äußern.

Der Beschuldigte B. arbeitet seit zehn Jahren in dem Krankenhaus. Es wird nun befürchtet, er könne Hunderte weitere Transplantationspatienten mit seinen Initialen markiert haben. Das Krankenhaus bestätigte auf Anfrage des "Telegraph", dass ein Chirurg suspendiert wurde, B. selbst stritt eine Suspendierung ab.

cpa/AFP

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