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Autoklau: Diebe wählten Ulla Schmidts Dienstwagen zufällig aus

Aus Dénia berichtet Simone Utler

Keine gezielte Aktion: Die Diebe des Dienstwagens von Ulla Schmidt haben offenbar zufällig das Fahrzeug der Bundesgesundheitsministerin gestohlen. Möglicherweise benötigten es die Täter als Fluchtwagen für einen Wohnungseinbruch.

Dénia - Die Diebe von Ulla Schmidts Dienstwagen hatten es offenbar nicht gezielt auf den Mercedes der Bundesgesundheitsministerin abgesehen. Wie SPIEGEL ONLINE aus Polizeikreisen erfuhr, hatte es in der Nacht, in der die S-Klasse vor dem Feriendomizil von Schmidts Fahrer in Dénia gestohlen worden war, auch in einem Haus in einer Parallelstraße einen Einbruch gegeben. Die Ermittler gehen demnach davon aus, dass es sich um dieselben Diebe gehandelt haben könnte.

Ministerin Schmidt: Dienstwagenklau war kein organisierter Diebstahl Zur Großansicht
dpa

Ministerin Schmidt: Dienstwagenklau war kein organisierter Diebstahl

Die Täter seien dann offenbar mit Schmidts Auto in Richtung des rund 20 Kilometer nördlich von Dénia gelegenen Oliva gefahren, so die Quelle weiter. Als sie über die Medien erfuhren, wessen Wagen sie gestohlen haben, hätten sie ihn offenbar stehen lassen.

Auch das deutsche Mitglied des Stadtrats von Dénia, Horst Glöde, bestätigt die Theorie der Polizei. "Wenn es sich um einen normalen Wohnungseinbruch handelt, nehmen die Diebe den Wagen oft als Fluchtfahrzeug. In den nächsten Tagen wird er dann 20 bis 30 Kilometer weiter gefunden", sagte er SPIEGEL ONLINE. Das sähe bei organisiertem Diebstahl, wie er zunehmend von osteuropäischen Banden begangen werde, anders aus: "Dann wird gezielt ein Porsche oder ein Mercedes gestohlen - und diese Autos sind meist unauffindbar."

Der Wagen der Ministerin wurde laut Polizei in der Nacht vom 21. auf den 22. Juli, zwischen 2 Uhr nachts und 8 Uhr morgens gestohlen - von dem Grundstück, auf dem Schmidts Chauffeur untergebracht ist. Am Mittwoch wurde bekannt, dass der Wagen wiedergefunden wurde und bei einer Polizeistation in Oliva stand. Die Spurensicherung untersuchte das Auto.

Bis Donnerstagnachmittag machte die inzwischen für den Fall zuständige Guardia Civil jedoch keine Angaben dazu, wo und wie der Wagen aufgefunden worden war. Unterdessen sind in Dénia Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes eingetroffen, die einer Quelle zufolge auch an der Spurensicherung beteiligt gewesen sein sollen.

Indes wurden weitere Details über den Tattag bekannt: Glöde, der in Dénia öfter als Mittelsmann und Dolmetscher zwischen Deutschen und der Polizei fungiert, war nach eigenen Angaben dabei gewesen, als Schmidts Fahrer den Diebstahl der Limousine gemeldet hatte. Er sei gegen 9.30 Uhr von dem Chauffeur angerufen worden und daraufhin mit der Polizei zum Tatort gefahren, sagte der Stadtrat. Dort hätten die Beamten die Spuren gesichert und die Anzeige aufgenommen.

Laut Glöde war das Tor zu dem Grundstück sowie die Tür zu der Wohnung des Chauffeurs, die im unteren Teil des an einen Hang gebauten Hauses liegt, aufgebrochen worden. Die Polizei sprach jedoch stets davon, dass eine Hintertür zu der Wohnung offengestanden habe und die Diebe so in das Haus gekommen seien.

Glöde bestätigte, dass der Fahrer in seiner Anzeige angegeben habe, während des Diebstahls geschlafen zu haben. "Anzeichen für eine Betäubung gab es nicht", sagte Glöde. Der Fahrer habe wohl etwas Kopfschmerzen gehabt. "Aber das kann auch von dem ganzen Stress gekommen sein." Auch die Policia Nacional in Dénia betonte erneut, dass von einer Betäubung keine Rede gewesen sei.

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Forum - Dienstwagen im Urlaub - Verschwendung von Steuergeldern?
insgesamt 5899 Beiträge
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1.
Hermes75 27.07.2009
Zitat von sysopUlla Schmidt gerät durch den angeblichen Missbrauch ihres Dienstwagens innerhalb der Großen Koalition unter Druck. Muss die private Nutzung von Dienstwagen strenger geregelt werden, um Steuerverschwendungen zu vermeiden? Diskutieren Sie mit!
Ich glaube nicht, dass strengere Regeln gegen politische Dummheit helfen. Man sollte annehmen, dass ein Bundesminister (zumal von der SPD) selbstständig in der Lage ist über den sinnvollen und maßvollen Einsatz von Steuermitteln zu urteilen. Wenn er oder sie dazu nicht in der Lage ist, dann ist es kein guter Minister...
2.
altebanane 27.07.2009
Offenbar stand doch in ihrem Vertrag drin, dass sie den Dienstwagen privat nutzen darf, also : alles paletti. Was mich eigentlich viel mehr interessieren würde : wurde der Sommerurlaub für ihren Chauffeur eigentlich auch aus Steuermitteln bezahlt ?
3.
werner51, 27.07.2009
Zitat von sysopUlla Schmidt gerät durch den angeblichen Missbrauch ihres Dienstwagens innerhalb der Großen Koalition unter Druck. Muss die private Nutzung von Dienstwagen strenger geregelt werden, um Steuerverschwendungen zu vermeiden? Diskutieren Sie mit!
Die Aufregung über diesen Missbrauch ist angebracht. Die Grünen allerdings, die sollten vorsichtig sein oder am besten gleich die Klappe halten. Waren es nicht Trittin & Co., die für einige vorgesehene Inlandsflüge in Brasilien eine Challenger der Bundeswehr leer über den Südatlantik fliegen liessen?
4. Mutig!
maa_2001, 27.07.2009
...nach Erscheinen der ersten Nachricht hatte ich mich schon gefragt, ob SPON sich denn traut, dazu eine Diskussion zu eröffnen. Die offensichtlich gerade erst aufgedeckte Praxis des Dienstwagenmißbrauchs beginnt doch schon bei den örtlichen Landräten -egal welcher politischer Coloeur übrigens-, die sich und ihre Gattinnen getrennt zu den verschiedensten Weihnachtsmärkten der Region fahren lassen. Und anschließend auch wieder getrennt nach Hause. Ist doch Standard, also machen Sie keine große Sache draus. :-) Und jetzt: FEUER FREI!
5. Fortschrittlich
mbschmid, 27.07.2009
Das ist doch schon ein Fortschritt. Angela Merkel hätte den Hubschrauber genommen.
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