Autopsie Leichen-Öffnung vor zahlendem Publikum

Das hat es in Großbritannien seit über 150 Jahren nicht mehr gegeben: das öffentliche Sezieren einer Leiche. Vor Publikum will Gunther von Hagens, bekannt für seine "Körperwelten-Ausstellung", eine tote Frau öffnen.


Obduktion: Auch die Nicht-Mediziner sollen dabei sein dürfen
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Obduktion: Auch die Nicht-Mediziner sollen dabei sein dürfen

London - Diesmal präsentiert der Heidelberger Anatomie-Professor Gunther von Hagens keine präparierte Leiche, die - gehäutet und in bizarrer Pose - die eigene Leber vor sich her trägt, so wie in der Ausstellung "Körperwelten" gesehen. Er will nun die Leiche einer 33 Jahre alten Deutschen öffentlich aufschneiden, berichtet die britische Zeitung "The Guardian". In der Old Truman Brewery im Osten Londons sollen am kommenden Mittwoch zahlende Gäste das Spektakel verfolgen.

Hagens erwartet etwa 500 Zuschauer, die für die Live-Autopsie einen Eintrittspreis von zwölf Pfund (rund 19 Euro) zahlen sollen. Zusätzlich wird, so die Pläne Hagens, die Zerlegung des Körpers auf Großleinwände nach draußen übertragen. Einzelne Körperteile und Organe sollen auf Tabletts durch das Publikum gereicht werden.

Wie "The Guardian" meldet, möchte er die "Wunder des menschlichen Körpers" mit dem Publikum teilen. Die Autopsie sei Teil seiner Kampagne zur "Demokratisierung der Anatomie". Gleichzeitig sieht er die Aktion auch als Protest gegen die britischen Behörden an. Diese bereiten zurzeit ein Gesetz vor, dass die Lagerung und Untersuchung von Körperteilen künftig strikter regeln soll. "Das ist die letzte Chance, ein echtes menschliches Wesen vor Laien zu öffnen", sagte der Professor dem "Guardian". Autopsien seien immer noch einer Medizin-Elite vorbehalten.

Von den "Körperwelten" zur öffentlichen Autopsie

"Körperwelten": Gunther von Hagen präparierte Tiere und menschliche Körper
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"Körperwelten": Gunther von Hagen präparierte Tiere und menschliche Körper

Die Vereinigung britischer Anatomie-Ärzte verurteilte den Plan als "reine Sensationsmache". Das Gesundheitsministerium in Großbritannien, das vor einigen Monaten vergeblich versucht hat, die "Körperwelten"-Ausstellung zu verhindern, will die Rechtmäßigkeit des Vorhabens überprüfen. Die Ärztekammer Hamburg verwies darauf, dass in Deutschland rechtsmedizinische Sektionen nur bei ungeklärter Todesursache vorgenommen würden. Anatomische Sektionen seien nur zu Ausbildungszwecken gestattet.

Hagens betont, dass er die Leiche nur seziere, um die Todesursache und eventuelle Abnormalitäten festzustellen. Den Berichten zufolge hätten die Eltern der Toten der Autopsie zugestimmt. Angeblich handele es sich um eine Frau, die an epileptischen Anfällen gelitten habe, dementsprechend werde er vor allem ihr Gehirn untersuchen. Die Leiche werde er auf absolut professionelle und respektvolle Weise untersuchen, so Hagens gegenüber der Presse.

Die umstrittene Ausstellung "Körperwelten", die seit März in London mehr als eine halbe Million Besucher angezogen hat, schließt in Kürze. Auch in Deutschland hatten sich viele Menschen die präparierten Leichen angeschaut.



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