Zurückgewiesenes Kind Australier zahlen Klinik für Baby Gammy

Hoffnung für Gammy: Der herzkranke Junge mit Downsyndrom, den eine Leihmutter austrug, wurde von seinen biologischen Eltern im Stich gelassen. Jetzt soll er dank vieler Spenden aus Australien in einem Privatkrankenhaus versorgt werden.


Bangkok/Sydney - Der Gesundheitszustand des sieben Monate alten Gammy hat sich offenbar verschlechtert, zugleich gibt es aber auch große Hoffnung. Der nach Angaben seiner thailändischen Leihmutter von seinen biologischen Eltern aus Australien im Stich gelassene Junge mit Downsyndrom sei an einer Lungenentzündung erkrankt, berichtete die "Bangkok Post".

Inzwischen werde das Kind in einer Privatklinik in Bangkok betreut, sagte Peter Baines, Gründer einer Hilfsorganisation, dem australischen Sender Channel 7. "Der Zustand des Babys hat sich etwas verbessert, es wird intravenös mit Medikamenten versorgt", sagte der Journalist Tim Shaw, der Gammy und die Leihmutter im Krankenhaus besuchte.

Der Fall von Baby Gammy hat in Australien große Empörung und eine enorme Hilfsbereitschaft ausgelöst. Bis Sonntagmorgen kamen bei der Onlinekampagne "Hope for Gammy" umgerechnet 130.000 Euro zusammen. "Von meinen Kindern für Ihre", schrieb ein Spender dazu. "Sie sind die Zukunft und kommen ganz unterschiedlich auf die Welt, aber immer als Geschenk des Himmels."

Die Thailänderin Pattaramon Chanbua sagte dem australischen Fernsehsender ABC, sie habe als Leihmutter im Dezember Zwillinge für ein australisches Ehepaar zur Welt gebracht. Die Eltern hätten aber nur den nicht behinderten Zwilling, ein Mädchen, mitgenommen.

Gammy ist herzkrank und braucht dringend Operationen, die Pattaramon allein nicht bezahlen kann. Baines Hilfsorganisation Hands Across the Water startete die Spendenaktion. "Wir wollen Baby Gammy in ein privates Krankenhaus bringen, wo es besser betreut werden kann", sagte Baines. "Dann werden wir einen längerfristigen Plan machen, denn die Spenden sind deutlich höher, als das, was wir zunächst erwartet hatten."

Rechtliche Grauzone in Thailand

Die 21-jährige Leihmutter hatte die Zwillinge nach eigenen Worten gegen eine Zahlung von umgerechnet etwa 10.000 Euro ausgetragen. Pattaramon arbeitet nach Angaben von ABC rund 90 Kilometer südlich von Bangkok in einer Garküche am Straßenrand und ernährt die Familie damit. Sie habe bereits zwei Kinder im Alter von sechs und drei Jahren und, wie sie dem Sender erzählt, einen Haufen Schulden. Als ein Vermittler ihr das Geld geboten habe, wenn sie als Leihmutter ein Baby austrage, habe sie zugestimmt.

Noch gelang es allerdings nicht, die Agentur, die das Geschäft vermittelt haben soll, oder das Paar aufzuspüren. Das australische Außenministerium machte zudem keine Angaben, ob die Botschaft in Bangkok einen Pass für ein Mädchen ausgestellt hat, das Gammys Schwester sein könnte.

Da sie die Medikamente für den kranken Jungen nicht bezahlen könne, wisse sie nun weder ein noch aus, hatte Pattaramon dem Sender ABC gesagt. "Ich liebe ihn, als wenn er mein eigener Sohn wäre, und ich behandele ihn wie meine eigenen Kinder."

Australiens Premierminister Tony Abbott äußerte sich zu dem Fall und sprach von einer "unglaublich traurigen" Entwicklung, die "die Fallstricke dieses heiklen Themas" verdeutliche. Leihmutterschaften gegen Geld sind in Australien verboten. Australier dürfen in ihrem Heimatland zwar freiwillige Ersatzschwangerschaften initiieren, wenn über die Erstattung medizinischer Kosten hinaus kein Geld fließt. Nach Schätzungen der Beratungsorganisation Surrogacy Australia reisen aber trotzdem jedes Jahr bis zu 500 Paare in andere Länder wie Thailand, Indien und die USA, um dort ihre Wunschkinder austragen zu lassen.

Gerade in Thailand, wo rechtlich eine Grauzone herrscht, sind Leihmutterschaften für ausländische Paare keine Seltenheit, mehrere Kliniken haben sich dort auf In-vitro-Befruchtungen spezialisiert. Ein Beamter des thailändischen Gesundheitsministeriums sagte, Leihmutterschaften seien zwar nicht prinzipiell illegal, unterlägen aber strengen Regeln. So müsse die Leihmutter selbst Kinder haben und eine "Blutsverwandtschaft" mit den künftigen Eltern aufweisen. Und auch wenn ausländische Vermittlungsagenturen häufig anderes suggerierten, dürften Leihmütter keineswegs für ihre Dienste bezahlt werden.

wit/dpa/AFP

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insgesamt 57 Beiträge
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Seite 1
Phil2302 03.08.2014
1.
Ich bleibe dabei: Die Hetze gegen die australischen Eltern ist die wahre Tragödie in diesem Spiel. Ein Freund von mir ist letztens Vater geworden, früher hatte er immer erzählt, dass er einen Sohn möchte. Jetzt hat er einen Tochter, und ich habe ihn scherzhaft gefragt, ob er enttäuscht sei. Wissen Sie, was seine Antwort war? Hauptsache gesund. So sieht es nämlich aus, natürlich möchte jeder gerne ein gesundes Kind. Meinen allergrößten Respekt vor Eltern, die ein behindertes Kind aufziehen, aber auch hier in Deutschland gibt es die Fruchtwasseruntersuchung, die viele werdende Eltern trotz Risiken auf sich nehmen. Warum machen die das wohl? Ich halte es nicht für verwerflich, ein gesundes Kind zu wollen, und insbesondere halte ich die thailändische Leihmutter sogar für nicht sehr moralisch: Sie könne das Kind nicht abtreiben, weil es ja in ihre heranwächst und zu ihr gehört, aber das andere Kind kann sie problemlos abgeben? Das muss mir mal jemand erklären. Wäre das Kind in der australischen Frau herangewachsen hätte sich (zurecht, ich bin natürlich pro Selbstbestimmung der Eletern) niemand über Abtreibung beschwert. Furchtbare Doppelmoral derer sich der Schwarm im Internet mal wieder unterwirft.
radioactiveman80 03.08.2014
2. Geheuchelt
Juristisch vermag ich die Situation nicht beurteilen. Die weltweite "Empörung" dagegen ist zum allergrösstenen Teil geheuchelt. Welcher von all den Menschen, die jetzt verbal auf die "herzlosen" Eltern einschlagen, hat denn selber Kinder, geschweige denn behinderte Kinder? Niemand ausser den Betroffenen selbst kann sowas beurteilen. Mein Sohn ist kerngesund, und deswegen habe ich nicht zu bewerten ob es den Eltern zuzumuten ist, ein behindertes Kind sein Leben lang zu pflegen! Die haben es wenigstens ehrlich eingesehen dass sie das nicht schaffen. Besser so als das geheuchelte "Natürlich nehmen wir unser Kind so an, wie es ist" - und hinter der geschlossenen Haustür dann zu versagen, aber hauptsache nach aussen hin die liebenden Eltern gespielt.
asentreu 03.08.2014
3.
Zitat von Phil2302Ich bleibe dabei: Die Hetze gegen die australischen Eltern ist die wahre Tragödie in diesem Spiel. Ein Freund von mir ist letztens Vater geworden, früher hatte er immer erzählt, dass er einen Sohn möchte. Jetzt hat er einen Tochter, und ich habe ihn scherzhaft gefragt, ob er enttäuscht sei. Wissen Sie, was seine Antwort war? Hauptsache gesund. So sieht es nämlich aus, natürlich möchte jeder gerne ein gesundes Kind. Meinen allergrößten Respekt vor Eltern, die ein behindertes Kind aufziehen, aber auch hier in Deutschland gibt es die Fruchtwasseruntersuchung, die viele werdende Eltern trotz Risiken auf sich nehmen. Warum machen die das wohl? Ich halte es nicht für verwerflich, ein gesundes Kind zu wollen, und insbesondere halte ich die thailändische Leihmutter sogar für nicht sehr moralisch: Sie könne das Kind nicht abtreiben, weil es ja in ihre heranwächst und zu ihr gehört, aber das andere Kind kann sie problemlos abgeben? Das muss mir mal jemand erklären. Wäre das Kind in der australischen Frau herangewachsen hätte sich (zurecht, ich bin natürlich pro Selbstbestimmung der Eletern) niemand über Abtreibung beschwert. Furchtbare Doppelmoral derer sich der Schwarm im Internet mal wieder unterwirft.
Also ich muss ihnen vollkommen recht geben! Zumal man auch folgendes bedenken sollte: ich meine gelesen zu haben, das auch in Deutschland über 90% der ungeborenen Kinder mit Trisomie 21 abgetrieben werden. Ebenso wurde, wie in einem älteren Spiegel- Artikel stand, die Leihmutter aufgefordert abzutreiben. Warum tat sie es nicht? Hätte die Angst um ihre Bezahlung (in Thailand werden ja scheinbar wirklich nur die medizinischen Kosten erstattet und die Leihmutter eben nicht "bezahlt"...). Es ist ja durchaus nicht so, das Trisomie 21 Kinder "nur ein bisschen schwer verstehen", mit dieser Anomalie können leider eben auch eine Menge körperlicher Beschwerden einhergehen, eben beispielsweise auch Herzfehler! Der Herzfehler des armen Jungen läuft also leider unter "was zu erwarten war", natürlich muss er trotzdem behandelt werden und die Frage ist "wer zahlt"? Da geht es ja nicht nur um eine OP, da wird für die lebenslange Pflege weit mehr benötigt. Ich hoffe dieser Fall, in dem irgendwie alle Verlierer sind, führt dazu, das auch hierzulande mal darüber nachgedacht wird, dass es scheinheilig ist, sowas zu verbieten, wenn dann doch nur auf andere Länder ausgewichen wird. Es wäre sicher besser es zu erlauben, aber genauestens zu regeln.
lebender.sonnenschein 03.08.2014
4.
Zitat von Phil2302Ich bleibe dabei: Die Hetze gegen die australischen Eltern ist die wahre Tragödie in diesem Spiel. Ein Freund von mir ist letztens Vater geworden, früher hatte er immer erzählt, dass er einen Sohn möchte. Jetzt hat er einen Tochter, und ich habe ihn scherzhaft gefragt, ob er enttäuscht sei. Wissen Sie, was seine Antwort war? Hauptsache gesund. So sieht es nämlich aus, natürlich möchte jeder gerne ein gesundes Kind. Meinen allergrößten Respekt vor Eltern, die ein behindertes Kind aufziehen, aber auch hier in Deutschland gibt es die Fruchtwasseruntersuchung, die viele werdende Eltern trotz Risiken auf sich nehmen. Warum machen die das wohl? Ich halte es nicht für verwerflich, ein gesundes Kind zu wollen, und insbesondere halte ich die thailändische Leihmutter sogar für nicht sehr moralisch: Sie könne das Kind nicht abtreiben, weil es ja in ihre heranwächst und zu ihr gehört, aber das andere Kind kann sie problemlos abgeben? Das muss mir mal jemand erklären. Wäre das Kind in der australischen Frau herangewachsen hätte sich (zurecht, ich bin natürlich pro Selbstbestimmung der Eletern) niemand über Abtreibung beschwert. Furchtbare Doppelmoral derer sich der Schwarm im Internet mal wieder unterwirft.
Ein Kind, das bereits auf der Welt ist, kann man nicht abtreiben. Und im Übrigen ist es sehr schwer, bei Zwillingen nur eines der Kinder abzutreiben, ohne dass das andere dann ebenfalls abgeht. Und noch dazu: Ich habe bisher nicht gelesen, dass die Leihmutter bereits vor der Geburt wusste, dass das Kind behindert sein wird. Ich glaube nicht, dass man die medizinische Versorgung in Thailand mit der hiesigen vergleichen kann, erst recht nicht bei einer Frau, die offensichtlich arm ist und sich daher keine zusätzlichen Kosten für Untersuchungen leisten möchte. Die Leihmutter trifft daher meines Erachtens keine Schuld. Aber das australische Ehepaar hätte die Möglichkeit gehabt, ihr eigenes Kind in Australien zur Adoption freizugeben, statt es bei einer armen Frau in Thailand zu lassen. Die Thailänderin kann nämlich echt nichts dazu und ich bin mir sicher, dass sie die Tragödie, ein behindertes Kind aufzuziehen zu müssen weit besser jetzt versteht, als die leiblichen Eltern.
nur_mut 03.08.2014
5.
Der Artikel macht leider nicht deutlich, dass die leiblichen Eltern eine Abtreibung wollten, als sie von der Trisomie21 erfahren haben. Hätten sie selbst das Kind ausgetragen, hätten sie die Wahlmöglichkeit gehabt, das Kind abzutreiben. Diese Wahlmöglichkeit hat ihnen die Leihmutter durch ihre Entscheidung genommen, das Kind auszutragen. Das ist meiner Meinung nach auch ihr gutes Recht, denn niemand sollte zu einer Abtreibung gezwungen werden dürfen. Allerdings ist sie dann auch für das Kind verantwortlich, wenn sie sich dafür entscheidet. Ich verstehe die Hetze wirklich nicht. In meinem Bekanntenkreis haben sämtliche werdende Mütter den Test auf Trisomie21 machen lassen und alle hätten ein Kind mit Trisomie21 abreiben lassen. Wird jetzt auch jeder geteert und gefedert, der ein behindertes Kind abtreiben läßt oder diesen Test machen läßt? Ich persönlich würde ein behindertes Kind zwar nicht abtreiben und Abtreibung wäre generell für mich nie in Frage gekommen, ich finde aber gut und richtig, dass andere die Wahlmöglichkeit haben.
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