Stopp von Kreißsaal-Doku: Produktionsfirma will Schadensersatz in Millionenhöhe

Für die Doku-Soap "Babyboom" filmte RTL im Kreißsaal - doch aus Sorge um Persönlichkeitsrechte stoppte der Berliner Senat die Dreharbeiten. Für den Klinikkonzern Vivantes könnte das nun sehr teuer werden: Die Produktionsfirma will Schadensersatz.

Berlin - Der Berliner Klinikkonzern Vivantes muss sich auf Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe einstellen. Grund ist die abgebrochene Produktion der RTL-Doku-Soap "Babyboom - Willkommen im Leben" im Klinikum Friedrichshain. Bis zum Stopp der Dreharbeiten seien bereits Kosten von mehr als einer Million Euro angefallen, sagte der Geschäftsführer der Produktionsfirma Shine Germany, Axel Kühn. "Die Gesamtsumme werden wir in den nächsten Wochen ermittelt haben."

Der Berliner Senat hatte die Dreharbeiten am 26. Februar vorläufig gestoppt und den Aufsichtsrat von Vivantes um Klärung gebeten. Die Politiker sahen die Persönlichkeitsrechte der Kinder und der Mitarbeiter gefährdet: Für die Soap wurde im Kreißsaal, in Krankenzimmern und Untersuchungsräumen gefilmt. In einer Sondersitzung in der vergangenen Woche sprach sich die Klinikleitung dann für ein Ende der Dreharbeiten aus.

Zuvor hatte RTL die Produktion wegen der anhaltenden Querelen abgebrochen. "Wir bedauern sehr, dass es dem Land Berlin nicht möglich war, eine Entscheidung in dem Zeitrahmen herbeizuführen, den wir für eine Fortsetzung der Produktion gebraucht hätten", hieß es in einer Mitteilung des Senders.

Kühn verwies nun auf den Vertrag mit dem Klinikkonzern, in dem etwaige Schadensersatzansprüche geregelt seien. "Wir bedauern diese Schritte sehr, da die Zusammenarbeit mit Vivantes immer von großem gegenseitigen Vertrauen geprägt war." Die Schuld für die eingestellte Zusammenarbeit gab Kühn den "zuständigen Berliner Lokalpolitikern". Deren Entscheidung, die Dreharbeiten auszusetzen, "ist aus unserer Sicht noch immer völlig unverständlich und mit gesundem Menschenverstand nicht zu erklären". Die Produktionsfirma verhandelt inzwischen mit Kliniken in anderen Bundesländern.

Von Vivantes hieß es nur: "Die Modalitäten der Vertragsbeendigung werden jetzt mit der Produktionsfirma besprochen." Bei der regulären Aufsichtsratssitzung an diesem Mittwoch werden mögliche Schadensersatzforderungen kein Thema sein, sagte eine Sprecherin.

aar/dpa

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1. gesunder Menschenverstand?
kugelsicher99 19.03.2013
Zitat von sysopFür die Doku-Soap "Babyboom" filmte RTL im Kreißsaal - doch aus Sorge um Persönlichkeitsrechte stoppte der Berliner Senat die Dreharbeiten. Für den Klinikkonzern Vivantes könnte das nun sehr teuer werden: Die Produktionsfirma will Schadensersatz. "Babyboom": Nach Stopp von Kreißsaal-Doku will Firma Schadensersatz - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/babyboom-nach-stopp-von-kreisssaal-doku-will-firma-schadensersatz-a-889809.html)
Das RTL bei solch einem Schrott-TV noch die Traute hat von gesundem Menschenverstand zu reden, ist schon bizarr. Wie tief wollen die Privaten eigentlich noch sinken in ihrem Bestreben den Zuschauern Werbeblöcke einzuflößen? Was kommt als nächstes wenn es irgendein Pöbel sehen will/würde? Scripted-Vergewaltigungs-Doku-Reality TV?
2. Schadensersatz?
gunnarqr 19.03.2013
Warum nicht. NUR Eigentümer von Vivantes ist Berlin, und der Senat hat die Dreharbeiten untersagen lassen. Dann soll der liebe Senat, der ja noch nicht einmal seiner Pflicht zur Finanzierung laut Landeskrankenhausgesetz nachkommt mal schön den Schadensersatz übernehmen. Soviel ich als Mitarbeiter dieser Firma weiß, waren Vivantes, die Mitarbeiter vor Ort und die Mütter von der geplanten Doku begeistert.
3.
DocZork 19.03.2013
Junge Eltern vor Bloßstellung und Fremdscham bewahrt
4.
Plasmabruzzler 19.03.2013
Zitat von ArtikelBis zum Stopp der Dreharbeiten seien bereits Kosten von *mehr als einer Million Euro* angefallen, sagte der Geschäftsführer der Produktionsfirma Shine Germany, Axel Kühn. "Die Gesamtsumme werden wir in den nächsten Wochen ermittelt haben."
Mehr als eine Million für eine noch nicht einmal ausgestrahlte Sendung/Serie/Soap/was-auch-immer? Ich beobachte das mal weiter und schaue mal, wie die Kosten sich zusammensetzen. Da sind doch keine hochbezahlten Schauspieler am Werk - soweit ich weiß, erhielten die Darsteller gerade einmal einen kleinen Obulus. Vergleich: der Schuh des Manitu kostete 4 Millionen Euro. Aber da waren richtige Schauspieler am Werk, Drehbuch, Filmmusik, Visuelle Effekte, Filmstudio, Requsiten usw.
5. Es wäre besser gewesen
mimas101 19.03.2013
wenn sich RTL und die Produktionsfirma erstmals über die Rechtslage informiert hätten bevor dieses absolute Schrott-Format auf Sendung geht/ging. Im übrigen hat kein Sender darauf Anspruch das solange in einem Haus pp gedreht werden kann wie es in die Rendite-Erwartung halt reinpaßt, zumal auch immer fleißig auf Quoten geschielt wird und bei Bedarf ein Format auch mal schnell abgesetzt wird.. Aber offensichtlich ging es hier eher auch um gewisse Tiefblicke für bestimmte Zuseher-Kreise, damit Quote gemacht werden kann.
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  • Dienstag, 19.03.2013 – 16:54 Uhr
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