Unglück bei Bad Aibling Um diese Züge geht es

Zwei Meridian-Züge sind bei Bad Aibling zusammengestoßen. Wer ist der Betreiber? Wie war die Strecke gesichert? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Verunglückte Meridian-Züge: Erst im letzten Moment gesehen
DPA

Verunglückte Meridian-Züge: Erst im letzten Moment gesehen


Wie ist die Strecke beschaffen?

Das Unglück geschah auf der Mangfalltalbahn, einer eingleisigen Strecke entlang des kleinen Flusses Mangfall, die nur von Regionalzügen befahren wird. Die Unglücksstelle liegt hinter einer langen Kurve. Die Zugführer, die beide starben, dürften den entgegenkommenden Zug erst im letzten Moment gesehen haben. Die Kollisionsstelle liegt in einem Waldstück an einem Hang und war für die Rettungskräfte nur schwer zugänglich.

Die Strecke ist laut der Netzbetreiberin Deutsche Bahn für Geschwindigkeiten bis 100 km/h zugelassen und wie alle Regionalstrecken mit einer "Punktförmigen Zugbeeinflussung" (PZB) gesichert. Bei dem System empfängt ein Gerät im Zug Signale von Magneten im Gleisbett. Die Magneten sind mit einem ersten Vorsignal und dem 1000 Meter weiter stehenden Hauptsignal verkabelt. Steht das Hauptsignal auf Rot, zeigt dies auch bereits das Vorsignal an. Der Lokführer muss mit einer Taste bestätigen, dass er dies bemerkt hat, sonst bremst ihn die Technik ab. Rollt der Zug über das rote Hauptsignal, wird ebenfalls eine Zwangsbremsung ausgelöst.

Das Sicherungssystem war im Fall des Zugunglücks von Bad Aibling erst vor rund einer Woche technisch überprüft worden. Dabei habe es keine Probleme gegeben, sagte der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn (DB) für Bayern, Klaus-Dieter Josel, auf einer Pressekonferenz in Bad Aibling.

Wer ist der Zugbetreiber?

Die beiden in Oberbayern verunglückten Meridian-Züge werden von der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) betrieben, die zum französischen Transportriesen Transdev gehört. Unter der Marke Meridian befährt die Bayerische Oberlandbahn seit Dezember 2013 drei Strecken von München nach Salzburg und nach Kufstein sowie von München über Holzkirchen nach Rosenheim. Sie werden nach Unternehmensangaben jeden Tag von Tausenden Pendlern genutzt. Erst vor drei Wochen streikten die Mitarbeiter der BOB für mehr Geld. Der Tarifstreit wurde Ende Januar beigelegt.

Transdev besitzt in Deutschland mehrere Tochterunternehmen und Marken. Dazu zählt beispielsweise auch die Nord-Ostsee-Bahn, die auf der Strecke von Hamburg nach Westerland auf Sylt unterwegs ist. Die Busse und Bahnen von Transdev nutzen in Deutschland jährlich rund 240 Millionen Fahrgäste. Auf der Schiene sind es nach Unternehmensangaben mehr als 90 Millionen Passagiere.

Die Firmengruppe macht in Deutschland jährlich knapp 850 Millionen Euro Umsatz und zählt mehr als 5000 Mitarbeiter. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben der größte private Nahverkehrsanbieter hierzulande. International hat die Gruppe 43.000 Fahrzeuge im Einsatz und zählt in 19 Ländern 83.000 Mitarbeiter. Insgesamt macht sie einen Umsatz von 6,6 Milliarden Euro.

Um welchen Zugtyp handelt es sich?

Auf den drei Strecken kommen drei Jahre alte elektrische Triebzüge des Schweizer Herstellers Stadler zum Einsatz, der auch Standorte in Berlin hat. Laut Polizeipräsident Robert Kopp befanden sich nur etwa 150 Menschen in den beiden Zügen, zugelassen waren sie aber für 400 beziehungsweise 700 Passagiere.

Sie stammen aus der Fahrzeugfamilie FLIRT 3 - die Abkürzung steht für "Flinker Leichter Innovativer Regional-Triebzug". Züge dieses Typs sind bei mehreren Eisenbahnunternehmen in Deutschland sowie Osteuropa in Betrieb.

fml, dpa, AFP



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.