Zugunglück in Bad Aibling Fahrdienstleiter drückte falsche Notruftaste

Ursache des Zugunglücks bei Bad Aibling ist laut bayerischer Landesregierung die Fehlleistung des Fahrdienstleiters. Dieser habe die beiden aufeinander zufahrenden Züge nicht rechtzeitig gewarnt.

Unglücksstelle bei Bad Aibling
DPA

Unglücksstelle bei Bad Aibling


Nach dem Zugunglück von Bad Aibling prüft die Staatsanwaltschaft mögliche Fehler bei der Abwicklung des Notrufes. Eine Fehlbedienung sei Gegenstand der Ermittlungen und der Begutachtung durch den Sachverständigen, hieß es. Anhaltspunkte für rein technische Ursachen bei Gleis- oder Signalanlagen oder in den kollidierenden Zügen hätten sich nicht ergeben. "Deshalb steht nach wie vor menschliches Versagen etwa des zuständigen Fahrdienstleisters im Mittelpunkt der Ermittlungen", teilte die Behörde mit.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ist offenbar bereits davon überzeugt, dass der zuständige Fahrdienstleiter allein verantwortlich ist. "Es war eine ganz besonders tragische Verkettung von gleich zwei Fehlleistungen", sagte er der "Bild"-Zeitung. Der 39-jährige Fahrdienstleiter habe zuerst die eingleisige Strecke für die beiden Züge freigegeben. Dann habe er möglicherweise aus Aufregung jedoch die falsche Funktaste gedrückt, um die Lokführer zu warnen.

Der Funkspruch sei an die Fahrdienstleiter in der näheren Umgebung gegangen, die sich daraufhin bei ihm gemeldet hätten. Anschließend habe der Fahrdienstleiter einen zweiten Funkspruch an die Lokführer geschickt. Doch diese Warnung erreichte sie zu spät.

"Wäre der erste Funkspruch bei den Lokführern angekommen, hätte das Unglück womöglich noch verhindert werden können", so Herrmann. Technische Defekte als mögliche Ursache konnten dem Innenminister zufolge komplett ausgeschlossen werden.

Nach dem Unglück hatte es Spekulationen über ein mögliches Funkloch im Unglücksbereich gegeben. Telekommunikationsexperten des bayerischen Landeskriminalamts hatten daher das bahneigene Funknetz GSM-R entlang der Strecke Bad Aibling-Kolbermoor überprüft. Es arbeitet offenbar lückenlos.

Das Bahnunglück gilt als eines der schwersten in der Geschichte der Bundesrepublik. Bei dem Zusammenstoß am frühen Morgen des 9. Februar waren elf Menschen ums Leben gekommen, 24 wurden schwer und 61 leicht verletzt.

Laut Herrmann droht dem Fahrdienstleiter eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung.

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Zugunglück: Der Unfall bei Bad Aibling

jul/AFP/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 157 Beiträge
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gweihir 29.03.2016
1. Bad user Interface
Wenn sowas solche drastischen Folgen haben kann, dann muss das User-Interface falsch designed sein. Der Luftverkehr mach vor, wie es richtig geht: 121,5 MHz und "Mayday", keine Zweifel wer es bekommt, denn es bekommen _alle_.
Peta26 29.03.2016
2. konstruktion verbessern
sollte man ab jetzt nicht diese knöpfe so bauen das man nicht den falschen drücken kann?
007er 29.03.2016
3. ...und wir sind alle nur Menschen
Es tut mir unseglich leid, um den Fahrdienstleiter. Ich hoffe er wird wie auch die Opfer und Hinterbliebenen lernen weiter zuleben.
erzrotti 29.03.2016
4. Ein schreckliches Unglück fürwahr!
Doch warum wird sich in diesem Zusammenhang nicht auch mit der Sicherheit der Züge öffentlich auseinander gesetzt? Wenn ich mir die Fotos anschaue, dann waren die armen Passagiere in diesen Wagons fast schutzlos! Ich habe das Gefühl, dass heutzutage die Passagiere die Dummys der Hersteller sind! Wo bitte sind Aufprallschutz usw verbaut?
Gentrich 29.03.2016
5. Taste?
Ich erfahre teilweise beruflich welchen Aufwand die Bahn "vorgibt" zu veranstalten damit alles perfekt läuft. Alles muß ganz genau sein, alles dokumentiert, monatelange Realisierungszeiträume, wahrscheinlich alles zertifiziert, viel Geld, viel moderne Technik, usw. Und dann scheitert die Menschheit an einer Taste? Ich stecke da sicher nicht im Thema und es ist bestimmt alles sehr kompliziert, aber für mich als "kleinen Menschen" darf sich doch die Frage stellen: Taste? Und ein Einziger soll der Schuldige sein? Mein aufrichtiges Beileid an alle Angehörigen der Opfer.
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