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Ministerpräsident Seehofer in Bad Aibling: "Eine Tragödie für das ganze Land"

Zugunglück: Der Unfall bei Bad Aibling Fotos
DPA

Nach dem Zugunglück machte sich Bayerns Ministerpräsident Seehofer in Bad Aibling ein Bild von der Lage. Er zeigte sich erschüttert: "Das Land trauert."

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hat sich an die Unglücksstelle in Bad Aibling begeben, um sich vor Ort einen Überblick über die Situation zu verschaffen. Bei dem schweren Zugunglück handele sich um eine "Tragödie für das ganze Land", sagte Seehofer (CSU) nach seinem Eintreffen in der Stadt. "Es ist eine sehr schwere Zeit für uns alle."

In einem Gespräch mit den Rettungskräften von Feuerwehr, Rotem Kreuz und Bergwacht informierten sich Seehofer und Politiker anderer Parteien über den Einsatz, an dem insgesamt 700 Helfer beteiligt sind.

"Das Land trauert und ist erschüttert", sagte Seehofer hinter verschlossenen Türen im Rathaus der oberbayerischen Gemeinde, an dem auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrinth, sein bayerischer Kollege Joachim Herrmann, Ilse Aigner sowie zahlreiche Vertreter anderer Parteien teilnahmen.

"Eine gewaltige psychische und menschliche Belastung"

Der Ministerpräsident sprach die "gewaltige psychische und menschliche Belastung" für alle Beteiligten an und würdigte die Leistung der Helfer. Sie hätten die Anerkennung ganz Deutschlands.

Am Dienstagmorgen um 6.48 Uhr waren nahe Bad Aibling zwei Meridian-Züge der Bayerischen Oberlandbahn frontal zusammengestoßen. Zehn Menschen starben, 17 Personen wurden schwer verletzt.

Kondolenzbücher waren ausgelegt. Seehofer und Bahnchef Rüdiger Grube legten an der Unfallstelle Kränze nieder. Am Bahnhof, an dem zur Zeit kein regulärer Zugverkehr herrscht, steht inzwischen ein roter Zug mit der Aufschrift "Notfalltechnik". Auch ein schwerer Kran ist angekommen.

Wie Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bekanntgab, arbeitet inzwischen eine 50-köpfige Sonderkommission der Kriminalpolizei an dem Fall. Die Unglücksursache stehe noch nicht fest. Die Polizei verwahrte sich gegen voreilige Schuldzuweisungen. Man wehre sich vehement gegen das Gerücht, ein Fahrdienstleiter stünde unter Verdacht, sagte Polizeisprecher Jürgen Thalmeier. Zwar könne ein Fehler oder Vergehen des Diensthabenden auch nicht ausgeschlossen werden; die Ermittlungen stünden noch am Anfang.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) rechnet damit, dass die dritte sogenannte Blackbox aus den verunglückten Zügen noch am Nachmittag geborgen werden könnte. Ohne eine Analyse der Daten dieses Fahrtenschreibers, der Informationen über das Fahrzeug sammelt, sei eine Klärung des Hergangs schwierig. Zwei dieser Boxen seien bereits geborgen worden. Nach der bisherigen Auswertung gebe es keine Hinweise auf einen technischen Fehler oder Fehler bei der Signalbedienung durch einen der Lokführer, sagte Dobrindt

Die Identität von neun der insgesamt zehn Todesopfer steht inzwischen fest. Es handele sich ausschließlich um Männer aus der Region im Alter von 24 bis 60 Jahren, sagte Polizeisprecher Jürgen Thalmeier. Unter ihnen seien auch die zwei Lokführer sowie ein Lehr-Lokführer, der routinemäßig einen der beiden Männer auf seiner Fahrt begleitete.

ala/dpa

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