Unglück bei Bad Aibling Züge prallten wohl ungebremst aufeinander

Das Zugunglück von Bad Aibling ereignete sich in einer Kurve, die Lokführer konnten sich erst kurz vor der Kollision sehen. Aufschluss über die Ursache sollen nun die Blackboxes geben.

DPA

Die beiden in Bayern verunglückten Regionalzüge sind laut Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) vermutlich mit sehr hoher Geschwindigkeit aufeinandergeprallt. Die Unfallstrecke liege in einer Kurve, sodass die Zugführer vorher wohl keinen Sichtkontakt hatten und "weitestgehend ungebremst" zusammenstießen, sagte Dobrindt bei einer Pressekonferenz in Bad Aibling. In einem Zug fuhren im Triebfahrzeug ein Fahrlehrer und ein Auszubildender mit.

Auf der Strecke sei eine Geschwindigkeit von bis zu 100 Kilometern pro Stunde möglich, sagte Dobrindt. Er sprach von einer "schweren Stunde in der Geschichte des Zugverkehrs in Deutschland". Dobrindt hatte zuvor die Unfallstelle besucht, dort habe sich ein "erschreckendes Bild" geboten.

Die beiden "Meridian"-Züge, die von der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) betrieben werden, stießen gegen 6.50 Uhr morgens frontal zusammen. Mindestens neun Menschen starben, mehr als hundert wurden verletzt, 18 davon schwer. Unter den Toten befinden sich offenbar auch beide Lokführer, wie ein Vertreter des Betreibers mitteilte. Die Staatsanwaltschaft wollte das noch nicht bestätigen, die Identifizierung sei noch nicht abgeschlossen.

Die Ermittler setzen nun auf die Auswertung von insgesamt drei Blackboxes, die sich in den Zügen befanden. Zwei davon seien bereits sichergestellt worden, sagte Dobrindt. Eine Blackbox befinde sich noch in einem verkeilten Zugteil. Die Daten aus den Aufzeichnungsgeräten sollen Aufschluss darüber geben, ob es sich um ein technisches Problem oder menschliches Versagen gehandelt habe, sagte Dobrindt.

Laut dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann (CSU) war ein Zug auf dem Weg von Holzkirchen nach Rosenheim, der andere war in entgegengesetzter Richtung unterwegs. Fahrplanmäßig hätten sich beide in dem Ort Kolbermoor begegnen sollen. "Warum es eine Abweichung vom Fahrplan gab, muss jetzt ermittelt werden", sagte Herrmann (lesen Sie hier das Minutenprotokoll der Pressekonferenz).

700 Einsatzkräfte waren vor Ort. Sie seien "mit schwerstem Leid und unglaublichen Verletzungen" konfrontiert gewesen, so Herrmann. Der Innenminister dankte allen für ihren Einsatz.

Etwa 150 Menschen waren laut Polizei insgesamt in den Zügen. Wegen der Faschingsferien sei die Bahn nicht so voll besetzt gewesen wie an üblichen Werktagen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierte bestürzt auf das Unglück. "Ich vertraue darauf, dass die zuständigen Behörden alles daran setzen werden, aufzuklären, wie es zu diesem Unglück kommen konnte", teilte die Kanzlerin mit. "Mein Mitgefühl gilt vor allem den Familien der neun Menschen, die dabei ihr Leben verloren haben", so Merkel.

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL)

hut/dpa/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.