Bad Reichenhall Fünfter Toter nach Amoklauf

Einen Tag nach dem Blutbad in Bad Reichenhall ist ein viertes Opfer des Amokläufers seinen Verletzungen erlegen. Einschließlich des 16-jährigen Täters starben damit fünf Menschen.


Eines der Todesopfer
AP

Eines der Todesopfer

Bad Reichenhall - Die Motive sind noch immer im Unklaren, vom Hergang des Amoklaufs von Bad Reichenhall können sich die Ermittler inzwischen ein relativ genaues Bild machen: Nach den wahllosen Schüssen auf Passanten zielte der 16-jährige Täter Martin P. auf seine Schwester und drückte fünfmal ab. Danach tötete er sich selbst mit einem Schuss in den Mund.

Bei seinem Amoklauf hatte der 16-Jährige am Montag zwei Passanten erschossen. Sechs Personen wurden bei der Schießerei zum Teil schwer verletzt, darunter auch Schauspieler und "Tatort"-Kommissar Günter Lamprecht (69) sowie dessen Kollegin und Lebensgefährtin Claudia Amm (53). Zwei weitere Passanten erlitten schwere Schocks.

"Zur Motivlage können wir nicht viel Gesichertes sagen", erklärte Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese am Dienstag in Traunstein. "Das Motiv liegt in der Persönlichkeit des Täters." Nach Lage der Dinge sei jedenfalls davon auszugehen, dass allein Martin P. der Täter sei. Seine Schwester tötete der Jugendliche laut Obduktion mit einem Revolver der Marke 3,57 Magnum. Er schoss der 18-Jährigen demnach zweimal in den Kopf und zweimal in die Brust, außerdem wies ihr Leichnam einen Streifschuss am Arm auf. Es gebe keine Hinweise auf einen vorangegangenen Streit oder Kampf zwischen den Geschwistern, hieß es. Auch seine eigene Katze erschoss der Amokläufer, bevor er sich selbst richtete.

Das Haus des Täters vom Krankenhaus aus gesehen
REUTERS

Das Haus des Täters vom Krankenhaus aus gesehen

Drogen und Alkohol haben laut Obduktion bei den Taten des 16-Jährigen keine Rolle gespielt, sagte Giese. Über die ersten Schnelltests hinaus würden dazu aber weitere Gutachten erstellt. Die Aussagen der Eltern haben nach Angaben der Ermittler die Motivfrage nicht aufhellen können. Die Eltern seien "schwer angeschlagen", sagte ein Polizeisprecher. Sie würden psychologisch betreut.

Der Täter hatte sich Zugang zum Waffenschrank seines Vaters, eines Sportschützen, verschafft. Er verschanzte sich mit mehreren Schusswaffen im Haus seiner Eltern und schoss dann aus dem Fenster. Zahlreiche Einschusslöcher im benachbarten Krankenhaus zeugten am Dienstag noch von der wilden Schießerei. Als die Polizei am Montagabend das Haus stürmte, entdeckte sie die Leichen des Täters und seiner Schwester.

Der Vater sei legal im Besitz der Waffen gewesen, betonte Giese. Allerdings werde geprüft, ob die Waffen ordnungsgemäß aufbewahrt wurden. Der Deutsche Schützenbund (DSB) appellierte an seine Mitglieder, Waffen zu Hause sicher aufzubewahren. Sie müssten in abschließbaren Behältnissen sein, damit Unbefugte keinen Zugriff hätten, sagte DSB-Geschäftsführer Peter Michel dem Saarländischen Rundfunk. Die Deutsche Polizeigewerkschaft forderte strengere Kontrollen gegen Waffenbesitzer. Die bisherigen gesetzlichen Bestimmungen würden der wachsenden Gefahr durch Missbrauch von Waffen nicht mehr gerecht, erklärte Gewerkschaftschef Gerhard Vogler.



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