Bären-Ausbruch Berliner Zoo-Vorstand kritisiert Besucher

Ein ausgebrochener Bär hat im Zoologischen Garten in Berlin für Wirbel gesorgt. Das Tier hatte den Wassergraben seines Geheges überwunden und sich auf den Kinderspielplatz geflüchtet. Schaulustigen Zoobesuchern seien gute Foto-Aufnahmen wichtiger gewesen als die Sicherheit ihrer Kinder, schimpfte der stellvertretende Zoo-Direktor.


Brillenbär Juan: Erkundungstour im Berliner Zoologischen Garten
REUTERS

Brillenbär Juan: Erkundungstour im Berliner Zoologischen Garten

Berlin - "Manche unserer Besucher haben es vorgezogen, möglichst nah ranzugehen und mit ihrer Digital-Kamera Fotos zu machen, um die dann hinterher zu verkaufen. Um die Sicherheit ihrer Kinder haben sich diese Leute nicht gekümmert", sagte Heiner Klös, stellvertretende Direktor des Zoos, zu SPIEGEL ONLINE.

Gestern war der rund 110 Kilo schwere Brillenbär "Juan" aus seinem Gehege ausgebrochen. Er hatte einen Baumstamm in den Wassergraben geschleift. Dann war das Tier, das aufgerichtet gut zwei Meter groß ist, auf den Kinderspielplatz gelaufen. Erst eine halbe Stunde später konnten Zoo-Wärter Juan betäuben und in sein Gehege zurückschleppen.

Der Vorfall ging glimpflich aus. Eine Panik sei nicht entstanden, berichtete Klös. Das Zoo-Personal habe nur einen Teil des Zoos absperren müssen. Brillenbären fressen sowohl Gemüse als auch Fleisch. Kinder befänden sich aber eher nicht auf ihrer Speisekarte, scherzte der Zoo-Vorstand. "Ich wäre wesentlich besorgter gewesen, wenn unsere Polarbären geflüchtet wären." Juan sei nach der Betäubung wieder munter.

Die Käfiganlage der Brillenbären ist laut Klös trotz des Ausbruches sicher. Das habe eine Prüfung ergeben. "Nach menschlichem Ermessen passiert so etwas nicht ein zweites Mal", sagte Klös. Der Baumstamm sei beseitigt worden, andere Äste und Stämme, die die Bären für die Bewegung und zum Spielen bräuchten, seien befestigt worden.

Juan ist nicht der erste tierische Ausbrecher. Immer wieder gelingt es Zoo-Tieren, die Gitter oder Gräben zwischen sich und den Besucherrängen zu überwinden. Erst im Juni hatte Gorilla Bokito einen Spaziergang auf der anderen Seite des Zaunes gemacht, bevor Tierpfleger das mächtige Tier wieder einfangen konnten. Im vergangenen Dezember war elf Berber-Affen die Flucht aus dem Tierpark Friedrichsfelde gelungen. Im Juli 2001 brach ein Nasenbär aus dem Zoo aus und versteckte sich im Büro eines Kripo-Beamten des Landeskriminalamtes. Es war bereits sein dritter Fluchtversuch.

Häufig gehen die Eskapaden glimpflich aus und die Tiere können unbeschadet in ihre Gehege zurückgebracht werden. Anders verhielt es sich aber bei einem Vorfall im März 2000 im Nürnberger Zoo. Ein Unbekannter hatte die Schlösser zum Bären-Gehege aufgebrochen. Vier entlaufene Polarbären mussten damals von den Tierpflegern erschossen werden.

Roman Heflik



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