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Bärenjagd: Bruno ist erlegt

Der seit Wochen im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet umherstreunende Braunbär Bruno ist tot. Kaum war das Tier nach vergeblichen Fangversuchen zum Abschuss freigegeben, wurde es am frühen Morgen in Bayern erschossen - sehr zum Bedauern mancher Tierschützer.

München - Der Bär wurde gegen 4.50 Uhr in der Nähe des Spitzingseegebiets im bayerischen Landkreis Miesbach von Jägern getötet. "Der Schuss ist gefallen. Der Bär ist tot", sagte der bayerische Bärenbeauftragte Manfred Wölfl heute Morgen. 

Bruno: Einer der seltenen Schnappschüsse vom Bär
DDP

Bruno: Einer der seltenen Schnappschüsse vom Bär

Der Präsident des Deutschen Naturschutzrings, Hubert Weinzierl, hat den Abschuss des Braunbären scharf kritisiert. "Das ist die dümmste aller Lösungen", sagte er. Die Jugendorganisation des Bund Naturschutz in Bayern sprach von einer "Tragödie für den bayerischen Naturschutz".

Nach wochenlangen vergeblichen Versuchen, das Tier lebend zu fangen, war Bruno ab heute wieder zum Abschuss freigegeben worden. "Wegen der großen Gefahr für den Menschen" sollte er getötet werden, hatte das bayerische Umweltministerium am Samstag verfügt. Zuvor war es auch den vielgerühmten finnischen Bärenjägern mit ihren speziell ausgebildeten Hunden nicht gelungen, den Bären zu stellen.

Am Wochenende war Bruno erneut von Touristen nahe dem Spitzingsee gesichtet worden. Drei Mountainbiker begegneten dem Wildtier am Soinsee im Landkreis Miesbach. Sie beobachteten den Bären, wie er den See durchschwommen hat. Drei Wanderer verfolgten ihn anschließend gar ins Gebirge. Als sich der Bär zu ihnen umdrehte, mussten sie jedoch den Rückzug antreten. Gegen Samstagabend riss er in der Gegend erneut ein Schaf.

Die Finnen hatten zwei Wochen lang versucht, das Tier aufzuspüren und einzufangen. Während ihrer Suche durchstreifte die Truppe 500 Kilometer zu Fuß in gebirgigem Gelände abseits der Wege und erklomm dabei mehr als 10.000 Höhenmeter. Da sich die Hoffnung nicht erfüllt habe, den Bären lebendig zu fangen, sei er von der kommenden Woche an wieder zum Abschuss frei gegeben, sagte Bayerns Umweltstaatssekretär Otmar Bernhard in Kufstein. "Alle wissen, dass wir uns eine andere Entwicklung gewünscht hätten." Es gebe aber keine vernünftige Fangmethode mehr.

Traueranzeige für Bruno

Die Jugendorganisation des Bund Naturschutz hat den Abschuss des Braunbären scharf kritisiert. "Das ist eine Tragödie für den bayerischen Naturschutz", erklärte der Geschäftsführer der Naturschutzjugend, Bernd Orendt, heute in München. Orendt warf dem bayerischen Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) Aktionismus vor. "In Kärnten spazieren Bären an Kindergärten vorbei, ohne dass sich jemand aufregt und auch die bayerische Bevölkerung freut sich über JJ1, nur der Umweltmister kriegte es mit Angst um seine Karriere zu tun und machte einen Schnellschuss", sagte Orendt.

Die Naturschutzjugend sei tiefst betroffen und entsetzt. "Wir hoffen, dass sich so etwas nie wiederholen wird." Die Naturschutzjugend hatte geplant, drei Aktivisten in "täuschend echten" Bärenkostümen durch die Alpen wandern zu lassen. "Wir haben die Aktion jedoch ausgesetzt, nachdem uns versichert wurde, dass die Jäger in Bayern dem Bären nicht aktiv nachstellen würden." Die Jugendorganisation erwäge für Bruno eine Traueranzeige in Zeitungen zu schalten.

Der Bär, der aus Italien stammt und die offizielle Bezeichnung JJ1 trägt, war am 20. Mai dieses Jahres das erste Mal in Deutschland gesichtet worden. In Garmisch-Partenkirchen hatte er mehrere Schafe gerissen, anschließend überfiel er in Bayern auch Hühner- und Hasenställe, räumte Bienenstöcke aus und tötete immer wieder Schafe. In den vergangenen Wochen legte Bruno Ministeriumsangaben zufolge mehr als 300 Kilometer zurück und durchstreifte eine Fläche von 6000 Quadratkilometern.

str/dpa/AP

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