Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Bagdad Sniper: Der Mann, der Juba überlebte

Er schießt nur einmal. Fast immer mit tödlicher Präzision. Und wenn sie ihn hören, ist es schon zu spät. "Juba" haben die amerikanischen Soldaten einen feindlichen Scharfschützen im Irak genannt, der schon mehr als 150 Mal den Tod gebracht haben soll. Stephen Tschiderer überlebte.

Hamburg - Seit ein paar Monaten kursieren im Internet Propagandavideos mit Jubas Taten aus dem Hinterhalt. Sogar ein Trainingsfilm existiert. Als Mitglied der Islamischen Armee des Iraks wird er dort zum Mythos stilisiert.

"Der Scharfschütze von Bagdad" heißt einer dieser Filme. Über 15 Minuten lang zeigt er den heimtückischen Tod im Namen Allahs. Fast im Sekundentakt fallen getroffene GIs. Untermalt wird das Ganze von Gesängen über den Muslim im Krieg.

Fotostrecke

7  Bilder
Sniper-Opfer: Der Mann, der Juba überlebte

Doch ob es wirklich immer ein und derselbe Schütze ist, der seine Taten von einem Videofilmer dokumentieren lässt, scheint zweifelhaft. Denn vor ein paar Monaten überlebte der US-Soldat Stephen Tschiderer, 22, einen Anschlag. "Als ich getroffen wurde, dachte ich, ich sei tot", sagt Tschiderer im Interview mit SPIEGEL TV (Sonntag, 22.25 Uhr RTL).

Auch der Anschlag auf ihn ist gefilmt worden. Eine Minute lang sieht und hört man, wie der Scharfschütze und sein Kompagnon sich über das menschliche Ziel in rund hundert Meter Entfernung unterhalten. "Schieß doch!", flüstert der Helfer. "Ich warte, bis er sich gedreht hat", erwidert der Sniper. Dann der Schuss. Wie immer nur einer. Damit der Schütze anhand eines zweiten nicht zu lokalisieren ist. Der getroffene amerikanische Soldat sackt zusammen.

Auf islamischen Propagandaseiten ist die Szene nach dem Schuss zu Ende. Was verschwiegen wird: Tschiderer überlebt. Seine schusssichere Weste rettet ihn. Er und seine Einheit können den Sniper durch Zufall schnell orten und nach einer längeren Verfolgungsjagd stellen und festnehmen. Die Täter saßen in einem silbernen Van, der hinten mit einem Loch versehen war, durch das geschossen werden konnte. Nach mehreren Verhören ist klar: Es war quasi ein Trainingsschießen. Ein neuer Sniper sollte von einem Ausbilder angelernt werden. Doch auch nach der Festnahme gehen die Anschläge weiter. Als inoffiziell letztes Sniper-Opfer gilt Joshua A. Terando, 27. Der Sergeant der National Guard geriet am 10. November 2005 westlich von Bagdad in einen Hinterhalt.

Thomas Heise, Peter Hell, Karin Assman

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: