Bahn Terrorermittlungen nach Bombenfunden in Koblenz und Dortmund

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe ermittelt wegen Terrorverdachts nach Sprengstofffunden in den Bahnhöfen Dortmund und Koblenz. An beiden Bahnhöfen wurden Koffer mit Propangasflaschen abgegeben.


Karlsruhe/Koblenz/Dortmund - Wegen des zeitlichen Zusammenhangs der beiden Sprengstofffunde ermittle man gegen Unbekannt wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Nach ARD-Informationen sollen die beiden Bomben zudem gleicher Bauart sein, was von der Bundesanwaltschaft zunächst nicht bestätigt wurde. Mit den Ermittlungen wurde das Bundeskriminalamt (BKA) beauftragt.

Der Koblenzer Hauptbahnhof war am frühen Abend evakuiert worden. Grund war nach Angaben der Polizei ein als "verdächtig" eingestufter Koffer. Der Zugverkehr wurde gestoppt. Ebenso wurden zahlreiche Geschäftshäuser und Hotels, die sich in einem Umkreis von rund 200 Metern um den Bahnhof befinden, evakuiert. Nach etwa einer Stunde wurde der Bahnhof wieder freigegeben. "Die Gefahr ist gebannt", sagte ein Polizeisprecherin.

Auch nach der Entschärfung eines in einem Regionalzug abgestellten Rollkoffers mit einem Sprengsatz am Dortmunder Hauptbahnhof sind die Tathintergründe noch völlig unklar. "Wir prüfen derzeit alle Denkansätze", sagte ein Polizeisprecher in Dortmund. Neben einem allgemeinen kriminellen Akt und einer möglichen Vorbereitung einer Erpressung müsse auch untersucht werden, ob es sich bei der Tat um einen politisch motivierten Anschlagsversuch gehandelt habe.

Ein Zugbegleiter hatte den herrenlosen Koffer gestern Nachmittag im Doppelstockwaggon eines zwischen Aachen und Hamm verkehrenden Regionalexpress entdeckt und an der Fundstelle des Dortmunder Hauptbahnhofs abgegeben. Da ein Angestellter den Eindruck hatte, dass sich ein gefährlicher Gegenstand in dem Koffer befinden könnte, verständigte er die Bundespolizei. Der Bahnhof wurde daraufhin für mehrere Stunden teilweise gesperrt, Experten der Bundespolizei konnten den mutmaßlichen Zündmechanismus schließlich mit einem Wassergewehr entfernen.

Drohen weitere Taten?

In dem Koffer befanden sich nach Angaben des zuständigen Staatsanwalts eine elf Liter fassende Propangasflasche, die mit Butangas gefüllt war, 4,5 Liter Benzingemisch sowie ein Wecker, der als möglicher Zündmechanismus gedient haben könnte. Ob der Zünder wirklich funktioniert hätte, sei derzeit aber noch unklar. "Dies müssen die weiteren Ermittlungen des Landeskriminalamts in Düsseldorf ergeben", betonte der Staatsanwalt. Der Leiter der eingerichteten Polizeiexpertengruppe, Jürgen Kleis, sagte auf einer Pressekonferenz in Dortmund jedoch, die Bombenkonstruktion sei als professionell zu bezeichnen.

Dies könne noch "einige Zeit" dauern, solle aber so schnell wie möglich geschehen. Da der mögliche Zündmechanismus beim Entschärfen beschädigt wurde, seien die weiteren Ermittlungen schwierig. Zudem bemühe man sich, so schnell wie möglich eine Gefahrenprognose zu erstellen, ob möglicherweise noch weitere Taten dieser Art drohten.

Nach Angaben der Polizei hätte eine mögliche Explosion verheerende Auswirkungen im Waggon haben können, auch wenn sich zum Zeitpunkt des Fundes nur wenige Fahrgäste in dem Abteil aufhielten. Die Behörden ermitteln wegen der versuchten Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und des Verdachts eines versuchten Tötungsdelikts. Unklar ist bislang auch, wann und wo der Koffer in den Zug kam.

Der Regionalexpress war seit 4.30 Uhr zwischen Aachen und Hamm unterwegs - entdeckt wurde das Gepäckstück gegen 14.40 Uhr. Bei den weiteren Ermittlungen will die Polizei nun mit Plakaten und Flugblättern nach Zeugenhinweisen suchen.

dab/ddp/AP



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