Bahnunglück bei Fulda ICE rast in Schafherde

Ein mit 170 Passagieren besetzter ICE ist nahe Fulda mit einer Schafherde zusammengestoßen und entgleist. Bei dem Unfall am Samstagabend wurden mehr als 20 Personen verletzt. Der verunglückte Zug blockiert Deutschlands längsten Bahntunnel, Reisenden drohen am Sonntag erhebliche Verspätungen.


Berlin/Koblenz - Der Zug mit zwölf Waggons und zwei Triebköpfen entgleiste Polizeiangaben zufolge bis auf zwei Waggons und kam nach etwa einem Kilometer im Landrückentunnel bei Fulda zum Stehen. Alle Reisenden wurden evakuiert und mit Bussen zunächst in ein örtliches Bürgerhaus gebracht. Der ICE 885 war auf dem Weg von Hamburg nach München.

Entgleister ICE-Wagen: Bei dem Unfall wurden 3 Menschen schwer und 20 leicht verletzt.
DPA

Entgleister ICE-Wagen: Bei dem Unfall wurden 3 Menschen schwer und 20 leicht verletzt.

Bei dem Zusammenstoß wurden nach Angaben der Behörden zudem etwa 20 Schafe getötet. In dem Tunnel werden der Bundespolizei zufolge Geschwindigkeiten von bis zu 250 Stundenkilometern erreicht. Er ist nach Angaben der örtlichen Feuerwehr knapp elf Kilometer lang und damit der längste Eisenbahntunnel Deutschlands.

Das Polizeipräsidium Osthessen erklärte, nach ersten Erkenntnissen habe die Schafherde gegen 21 Uhr bei der Einfahrt des Zuges in das nördliche Tunnelportal auf den Gleisen gestanden.

Der Zug fuhr nach dem Aufprall noch rund einen Kilometer in den Tunnel hinein, vier Waggons entgleisten in der Röhre. Der Eisenbahnverkehr wurde für die Zeit der Bergung des Zugs und der Reparaturarbeiten an der Strecke gesperrt beziehungsweise umgeleitet.

"Ich dachte, ich ersticke"

Eine Augenzeugin berichtete, der Zug habe stark geruckelt, als er über die Schafe fuhr. Danach sei der Wagen, in dem sie saß, aus dem Gleis gesprungen, einige hundert Meter neben den Schienen weitergefahren und schließlich halb gekippt zum Stehen gekommen. Die Fahrgäste hätten den Zug durch die Türen verlassen und seien entgegen der Fahrtrichtung auf dem Rettungssteig aus dem Tunnel gelaufen.

"In der Röhre war ein unglaublicher Qualm und Staub, ich dachte, ich ersticke", berichtete die 47-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. "Ich bin noch immer grau von Kopf bis Fuß wie am 11. September in New York." Etwa 50 Meter vor dem Ausgang traf die Münchnerin auf die Schafe. "Erst sah man nur eine Fleischmasse, später erkannte ich tote Schafe, halbtote Schafe, ein paar haben auch noch gelebt und mich angesehen."

Die Aufgleis- und Instandsetzungsarbeiten würden nach Bahn-Angaben noch mehrere Tage andauern. Durch die anhaltende Streckensperrung werde es zu erheblichen Beeinträchtigungen im Nah- und Fernverkehr der Bahn kommen.

hil/dpa/euters



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