Bambi-Verleihung Goldene Rehkitze für Hanks, Kekilli und Elton John

Glanz und Glamour im verregneten Hamburg: Deutsche und internationale Stars und Sternchen haben sich bei der 56. Bambi-Verleihung ihre Trophäen abgeholt. Tom Hanks fiel gar gerührt auf die Knie. Die türkischstämmige Schauspielerin Sibel Kekilli wetterte unter Tränen gegen eine "dreckige Hetzkampagne", die Boulevard-Zeitungen gegen sie führten.




"Wichtiger als 'Wetten, dass...?'": Tom Hanks holte sich in Hamburg seinen Bambi ab
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"Wichtiger als 'Wetten, dass...?'": Tom Hanks holte sich in Hamburg seinen Bambi ab

Hamburg - Vor rund tausend geladenen Gästen aus Show, Medien, Politik und Wirtschaft ist gestern Abend im Hamburger "Theater im Hafen" der Bambi, einer der wichtigsten deutschen Medienpreise, verliehen worden. Zahlreiche deutsche und internationale Prominente folgten der Einladung ins Musicaltheater im Hafen, um die Preisträger zu feiern. "Der Bambi ist für Menschen, die im Laufe dieses Jahres Besonderes geleistet haben", erklärte Preisstifter und Verleger Hubert Burda lakonisch in seiner Eröffnungsrede.

Die live in der ARD übertragene Gala wurde von Johannes B. Kerner, Sandra Maischberger und Eva Padberg moderiert und stand in diesem Jahr im Zeichen des Kampfes gegen Aids. Nelson Mandela, der einen Ehren-Bambi für sein Engagement gegen die Immunschwächekrankheit bekam, konnte die vergoldete Bronzestatue wegen einer Erkrankung nicht persönlich entgegennehmen, bedankte sich aber in einer Videobotschaft. "Der Kampf gegen Aids erfordert weltweit höchste Priorität", mahnte er.

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"Bambi"-Verleihung 2004: Medienschelte und Kniefälle in Hamburg

In einem der bewegendsten Momente des Abends appellierte die türkischstämmige Schauspielerin und Preisträgerin Sibel Kekilli an die Boulevard-Zeitungen "Bild" und "Kölner Express", endlich ihre "dreckigen Hetzkampagnen" gegen sie zu beenden. Die 24-Jährige, die mit dem Film "Gegen die Wand" quasi über Nacht berühmt geworden war, hatte früher in Porno-Filmen mitgewirkt. "Das, was ihr macht, nennt man Medienvergewaltigung", sagte Kekilli stockend und unter Tränen. "Ihr müsst mich nicht lieben, aber respektiert endlich, dass ich ein neues Leben begonnen habe."

"Hört endlich auf mit dieser dreckigen Hetzkampagne": Sibel Kekilli bei ihrer Medienschelte auf der Bambi-Verleihung
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"Hört endlich auf mit dieser dreckigen Hetzkampagne": Sibel Kekilli bei ihrer Medienschelte auf der Bambi-Verleihung

Ausgezeichnet wurde auch der Film "Der Untergang" über die letzten Tage im so genannten Führerbunker während des Zweiten Weltkriegs. "Dieser Film war in Deutschland notwendig", meinte der Laudator und ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl. "Ich habe ganz großen Respekt vor dieser großartigen, bleibenden und mutigen schauspielerischen Leistung", gratulierte er dem Hitler-Darsteller Bruno Ganz. Letzterer bezog sich auf den Laudator, als er der vom Krieg verschont gebliebenen Generation empfahl, "keine Rechten ins Parlament zu wählen".

Ein weiterer Preis ging an den Sänger Elton John für dessen soziales Engagement. "Ich freue mich sehr über den Preis, das ist eine große Ehre", sagte der Popstar, der auch einen neuen Song präsentierte. Neben dem Briten brachten Hollywoodstar Tom Hanks und Modeschöpferin Donatella Versace internationalen Glanz nach Hamburg. Beide wurden mit einem Bambi ausgezeichnet. Die Laudatio auf Tom Hanks hielt seine Kollegin Sophia Loren. Hanks, der für seinen neuen Kinofilm "Polarexpress" ausgezeichnet wurde, in dem er fünf verschiedene Rollen spielt, bedankte sich mit Kniefall und Handkuss bei "der Göttin Sophia" und bezeichnete die Bambi-Verleihung als "wichtigstes deutsches Fernsehereignis noch vor 'Wetten, dass...?'".

Heidi Kabel, die eines der begehrten goldenen Rehkitze für ihre Lebensleistung bekam, erschien ebenfalls persönlich. "So, da bin ick. Ich freue mich, dass ich hier bin", begrüßte die 90-Jährige das Publikum und plauderte munter drauflos. Ihr Laudator, TV-Schauspieler Jan Fedder, hatte dann Mühe, die Hamburgerin zum Abtreten zu bewegen. "Sie hatte einfach Talent", würdigte er die Karriere der Volksschauspielerin, die auch Tom Hanks zum Lachen brachte.

Unter den Preisträgern waren ferner der Sänger Seal, der von seiner Freundin Heidi Klum begleitet wurde, und DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp. Die kanadische Popsängerin Shania Twain zeigte sich gerührt über ihren Bambi: "Jetzt bin ich wirklich eine internationale Künstlerin, und das fühlt sich prima an."

Überraschungspreis für Kerner

Einen Bambi für sein Anti-Aids-Engagement erhielt der Diplom-Pädagoge Frieder Alberth, der die Immunschwäche-Krankheit in Osteuropa bekämpft. Moderator Johannes B. Kerner bekam einen Überraschungs-Bambi für seine Sportberichterstattung verliehen. Die Zuschauer der Sendung wählten live das "Wer wird Millionär?"-Prominenten-Special mit Günther Jauch und Alice Schwarzer zum TV-Ereignis des Jahres. Schwarzer bedankte sich erfreut für die Auszeichnung von "Spontaneität und Improvisation".

Die extravagante Modeschöpferin Versace, die in einem fließenden, mit Pailletten besetzten und tief ausgeschnittenen Abendkleid erschienen war, erhielt ihre Trophäe von Bon-Jovi-Schlagzeuger Tico Torres. "Troja"-Darstellerin Diane Kruger freute sich über den Glückwunsch ihres Kollegen Benno Fürmann.

Am Buffet ausgerechnet Rehrücken

Rund 2000 Helfer waren seit Tagen mit der Vorbereitung des vier Millionen Euro teuren Spektakels beschäftigt gewesen. Die Stadt Hamburg unterstützte die Gala mit 500.000 Euro. Auf dem Dinner nach der Bambi-Vergabe kredenzten 80 Köche ein Menü aus Stubenküken, Seezunge auf Karotten-Ingwercreme und - ausgerechnet - Rehrücken. Dazu kamen 800 Liter Champagner und 1500 Flaschen Wein.

Die Preisträger:

Lebenswerk: Schauspielerin Heidi Kabel
Charity-Bambi: Pop-Musiker Elton John
Ehren-Bambi: Südafrikas Ex-Präsident Nelson Mandela und DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp
Film International: Schauspieler Tom Hanks
Film National: "Der Untergang" mit Bruno Ganz von Regisseur Oliver Hirschbiegel
Mode: Designerin Donatella Versace
Shooting Star: Schauspielerin Sibel Kekilli
Karriere: Schauspielerin Diane Kruger
Pop International weiblich: Sängerin Shania Twain
Pop International männlich: Seal
Sport: Olympia-Team des Deutschen Kanuverbands
Engagement: Aidshilfe-Pionier Frieder Alberth
Sonderpreis: "(T)Raumschiff Surprise Periode Eins" von Regisseur Michael "Bully" Herbig
TV-Ereignis des Jahres: "Wer wird Millionär? Prominenten-Special" mit Günther Jauch und Alice Schwarzer
Infotainement: Johannes B. Kerner



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