Dhaka - Als die Nachricht von der Verhaftung am Ort der Katastrophe per Lautsprecher durchgesagt wurde, waren Jubelrufe zu hören. Der Besitzer des achtstöckigen Gebäudes, das vergangene Woche in Dhaka Hunderte Menschen unter sich begraben hat, ist in Haft - er war offenbar dabei, sich nach Indien abzusetzen. Vor dem Grenzübertritt aber wurde er verhaftet. Der Häftling werde mit einem Hubschrauber nach Dhaka zurückgebracht, teilte die Regierung mit. Drei der acht Stockwerke des Gebäudes waren illegal errichtet worden.
Mindestens 372 Menschen starben bei dem Einsturz des Hochhauses in dem Vorort Savar, etwa 30 Kilometer außerhalb der Hauptstadt Dhaka. Mit weiteren Todesopfern ist zu rechnen, womöglich werden es Hunderte sein.
Besitzer gab noch Stunden vor dem Einsturz Entwarnung
Ein Nachspiel wird die Katastrophe womöglich auch für die derzeitige Regierungspartei haben, denn der Besitzer des kollabierten Gebäudes gehörte ihr an. Er war Teil der Führungsspitze der Jugendorganisation der Awami-Liga. Schon seit Mittwoch war der Mann auf der Flucht gewesen. Noch am Dienstag hatte er jenen, die in dem Gebäude lebten und arbeiten, versichert, das Gebäude sei sicher - obwohl bereits gewaltige Risse in der Fassade aufgetaucht waren.
Eine Bank und mehrere Läden im Erdgeschoss schlossen, als die Polizei eine Evakuierung anordnete, doch die Manager der Kleidungsfabriken in den oberen Etagen zwangen ihre Arbeiter, weiterzuarbeiten. Mehrere Fabrikbesitzer sind bereits festgenommen worden oder stellten sich den Behörden. Die Vorgänge rund um die Katastrophe führten auch zu Massenprotesten und Ausschreitungen.
Wenige Stunden nach der Entwarnung des Besitzers war das Gebäude mit dem großspurigen Namen Rana Plaza nur noch ein Haufen Schutt, Hunderte wurden unter gewaltigen Betonklötzen und Zement zerquetscht. In den Fabriken in den oberen Geschosse sollen 3122 Menschen gearbeitet haben. Bislang sind nur etwa 2500 Überlebende registriert worden.
Noch immer gibt es unter den Trümmern Überlebende. Am Sonntag entdeckten die Retter vor Ort neun lebende Menschen unter dem Schutt. Die Behörden kündigten an, sie würden nun schwere Maschinen zum Einsatz bringen und den Schuttberg von oben anbohren, um nach weiteren Überlebenden und Opfern zu suchen. Zunächst aber sollen die neun Überlebenden gerettet werden, indem Betonbrocken mit Handwerkzeugen wie Spitzhacken und Schaufeln bewegt werden. "Wenn wir aber scheitern, werden wir die nächste Phase in einigen Stunden beginnen", sagte ein mit den Rettungsarbeiten betrauter Armeeoffizier.
cis/AP/Reuters
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