Verhaftung in Bangladesch: Besitzer des Katastrophengebäudes wollte fliehen

Foto: REUTERS

Er war bereits auf dem Weg nach Indien, an der Grenze aber wurde er verhaftet. Der Besitzer des eingestürzten Gebäudes in Dhaka, Bangladesch, ist auf dem Rückweg in die Hauptstadt. Bei der Katastrophe starben über 370 Menschen, womöglich steigt die Zahl noch deutlich an.

Dhaka - Als die Nachricht von der Verhaftung am Ort der Katastrophe per Lautsprecher durchgesagt wurde, waren Jubelrufe zu hören. Der Besitzer des achtstöckigen Gebäudes, das vergangene Woche in Dhaka Hunderte Menschen unter sich begraben hat, ist in Haft - er war offenbar dabei, sich nach Indien abzusetzen. Vor dem Grenzübertritt aber wurde er verhaftet. Der Häftling werde mit einem Hubschrauber nach Dhaka zurückgebracht, teilte die Regierung mit. Drei der acht Stockwerke des Gebäudes waren illegal errichtet worden.

Mindestens 372 Menschen starben bei dem Einsturz des Hochhauses in dem Vorort Savar, etwa 30 Kilometer außerhalb der Hauptstadt Dhaka. Mit weiteren Todesopfern ist zu rechnen, womöglich werden es Hunderte sein.


Die Katastrophe hat mit einem Schlag die Arbeits- und Lebensbedingungen jener in den Fokus gerückt, die in Bangladesch Kleidung für den Rest der Welt herstellen. 20 Milliarden Dollar setzt die Branche in dem Land jährlich um, Bangladesch ist nach China der zweitgrößte Exporteur von Kleidung. Die Arbeiter in Fabriken wie jenen in dem eingestürzten Gebäude arbeiten für winzige Löhne, viele verdienen weniger als 40 Dollar im Monat.

Besitzer gab noch Stunden vor dem Einsturz Entwarnung

Ein Nachspiel wird die Katastrophe womöglich auch für die derzeitige Regierungspartei haben, denn der Besitzer des kollabierten Gebäudes gehörte ihr an. Er war Teil der Führungsspitze der Jugendorganisation der Awami-Liga. Schon seit Mittwoch war der Mann auf der Flucht gewesen. Noch am Dienstag hatte er jenen, die in dem Gebäude lebten und arbeiten, versichert, das Gebäude sei sicher - obwohl bereits gewaltige Risse in der Fassade aufgetaucht waren.

Eine Bank und mehrere Läden im Erdgeschoss schlossen, als die Polizei eine Evakuierung anordnete, doch die Manager der Kleidungsfabriken in den oberen Etagen zwangen ihre Arbeiter, weiterzuarbeiten. Mehrere Fabrikbesitzer sind bereits festgenommen worden oder stellten sich den Behörden. Die Vorgänge rund um die Katastrophe führten auch zu Massenprotesten und Ausschreitungen.

Wenige Stunden nach der Entwarnung des Besitzers war das Gebäude mit dem großspurigen Namen Rana Plaza nur noch ein Haufen Schutt, Hunderte wurden unter gewaltigen Betonklötzen und Zement zerquetscht. In den Fabriken in den oberen Geschosse sollen 3122 Menschen gearbeitet haben. Bislang sind nur etwa 2500 Überlebende registriert worden.

Noch immer gibt es unter den Trümmern Überlebende. Am Sonntag entdeckten die Retter vor Ort neun lebende Menschen unter dem Schutt. Die Behörden kündigten an, sie würden nun schwere Maschinen zum Einsatz bringen und den Schuttberg von oben anbohren, um nach weiteren Überlebenden und Opfern zu suchen. Zunächst aber sollen die neun Überlebenden gerettet werden, indem Betonbrocken mit Handwerkzeugen wie Spitzhacken und Schaufeln bewegt werden. "Wenn wir aber scheitern, werden wir die nächste Phase in einigen Stunden beginnen", sagte ein mit den Rettungsarbeiten betrauter Armeeoffizier.

cis/AP/Reuters

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insgesamt 17 Beiträge
Lupus39 28.04.2013
Schuld hat daran hauptsächlich der Staat. Warum kann er nicht dafür sorgen, dass Anweisungen von der Polizei befolgt werden? Warum wird nicht konsequent verhindert, dass solche Gebäude ohne Genehmigung gebaut werden? Aber ich [...]
Schuld hat daran hauptsächlich der Staat. Warum kann er nicht dafür sorgen, dass Anweisungen von der Polizei befolgt werden? Warum wird nicht konsequent verhindert, dass solche Gebäude ohne Genehmigung gebaut werden? Aber ich wette, dass hier im Forum gleich wieder die Käufer von Textilien in Deutschland verantwortlich gemacht werden. Anscheinend müssen wir uns hier auch darum kümmern, dass irgendwo in der Welt vernünftig Häuser gebaut werden und die staatlichen Strukturen funktionieren.
Hans58 28.04.2013
Dass dieses noch geschieht, habe ich nicht erwartet. Meine bisherigen Beiträge zu diesem Thema sollte ich wohl aktualisieren.... [...]
Zitat von sysopEr war bereits auf dem Weg nach Indien, an der Grenze aber wurde er verhaftet. Der Besitzer des eingestürzten Gebäudes in Dhaka, Bangladesch, ist auf dem Rückweg in die Hauptstadt. Bei dem Einsturz starben über 370 Menschen, womöglich steigt die Zahl noch deutlich an. Bangladesch: Besitzer des eingestürzten Gebäudes verhaftet - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/bangladesch-besitzer-des-eingestuerzten-gebaeudes-verhaftet-a-897016.html)
Dass dieses noch geschieht, habe ich nicht erwartet. Meine bisherigen Beiträge zu diesem Thema sollte ich wohl aktualisieren.... http://forum.spiegel.de/f22/bangladesch-wuetende-proteste-nach-einsturz-von-fabrikgebaeude-88834.html#post12591490 http://forum.spiegel.de/f22/unglueck-bangladesch-polizei-nimmt-fabrikmanager-fest-88945.html#post12599442
sitiwati 28.04.2013
ich hatte selber mal ein Haus in Indonesien und dieses dann erweitert, also Statik ist für den Architheken ein Fremdwort gewesen-da waren meine kenntnisse schon besser, Maurer , Elektriker , Schreiner-also jeder Auszubildende in D [...]
ich hatte selber mal ein Haus in Indonesien und dieses dann erweitert, also Statik ist für den Architheken ein Fremdwort gewesen-da waren meine kenntnisse schon besser, Maurer , Elektriker , Schreiner-also jeder Auszubildende in D im ersten Lehrjahr ist denen überlegen, der Maurer , wenn er einer ist, kommt mit einer Kelle, ev hat er ne Schlauchwaage dabei, am Abend zählt man die Zementsäcke, denn schnell kanns passieren, dass mal ein paar verschwinden, kauft man dann nicht selbst Rohre und Kabel, wird dass allerbilligste Material gekauft, die PVC Rohre kann man nach 3 Jahren zerdrücken, beim alten Haus was dann so, dass ich alle elektr Leitungen erneuert habe, plötzlich wurde aus einem grünen Drahlt ein gelber, der gelbe Draht hat scheinbar nicht gereicht, da hat man aus dem Schutt einen Rest gefunden und die beiden zusammengedreht, wundern muss man sich, dass nicht mehr Häuser zusammenfallen, aber die Sonne brennt alles so hart, dass man einen WIDIA Bohrer braucht, um eine Kleiderleiste an die Wand zu bringen, in D müssen Häuser, Stromltg , usw Tempraturschwankungen von 80Grad aushalten, das wäre in vielen Teilen Asien unmöglich, da würde alles am Boden liegen!
oli345 28.04.2013
Da kann man sich Kapitalismus mal in Höchstform anschauen.
Da kann man sich Kapitalismus mal in Höchstform anschauen.
spon_2084144 28.04.2013
Hier in Bolivien ist vor 2 Jahren ein 10 Stöckiges eingestürzt was zum Glück noch im Bau war. Es sind aber 18 Menschen dabei gestorben unter anderem die Architekten die am versuchen waren das Gebäude zu Retten.
Hier in Bolivien ist vor 2 Jahren ein 10 Stöckiges eingestürzt was zum Glück noch im Bau war. Es sind aber 18 Menschen dabei gestorben unter anderem die Architekten die am versuchen waren das Gebäude zu Retten.
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  • Sonntag, 28.04.2013 – 13:22 Uhr
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