Dhaka - Für die Mitarbeiter der Firma Tazreen Fashion wurde ihr Arbeitsplatz zum Feuerkessel. Am Abend brach in dem mehrgeschossigen Gebäude ein Brand aus. Das Feuer griff schnell vom Erdgeschoss, in dem sich ein Lager befand, auf die anderen Stockwerke über. Die Arbeiterinnen, die sich in den darüberliegenden Etagen aufhielten, hatten keine Chance, sie waren eingeschlossen.
Die Feuerwehr spricht von mehr als 100 Toten, es ist gut möglich, dass die Zahl der Opfer weiter steigt. 200 Menschen wurden mit Verletzungen in eine Klinik gebracht. "Die meisten Menschen starben nicht durch das Feuer oder den Rauch, sondern erlagen ihren Verletzungen, weil sie aus den Fenstern sprangen", sagte ein Feuerwehrsprecher in Dhaka SPIEGEL ONLINE. Erst gegen sechs Uhr morgens habe man den Brand unter Kontrolle gehabt.
Zum Zeitpunkt der Katastrophe befanden sich mehr als tausend Mitarbeiter in dem Gebäude. Die meisten von ihnen waren Frauen.
Vor dem Gebäude versammelten sich Angehörige, Sicherheitskräfte versuchten sie zu beruhigen.
Fabrik fertigte für C&A
In der Fabrik gab es keine Notausgänge, die aus dem Gebäude herausgeführt hätten, sagte Mohammed Mahbub von der Feuerwehr. "In der Fabrik gab es drei verschiedene Treppenhäuser, sie alle waren mit dem Erdgeschoss verbunden, so dass die Arbeiter das Gebäude nicht verlassen konnten."
Firmenchef Delwar Hossain sprach von einem "schweren Verlust für meine Angestellten und meine Fabrik". Tazreen Fashion produziert unter anderem Kleidung für das Unternehmen C&A. Es sei das erste Mal, das in einer seiner sieben Fabriken ein Feuer ausgebrochen sei. Berichte, dass in der Fabrik Sicherheitsstandards nicht eingehalten worden seien, wies er zurück.
Bangladesch ist der zweitgrößte Textilexporteur der Welt. Es gibt dort mehr als 4000 Textilfabriken, viele von ihnen erfüllen nicht einmal minimale Sicherheitsstandards. Rund zwei Millionen Menschen arbeiten in ihnen.
Das Land verdient jährlich rund 20 Milliarden Dollar durch den Export von Textilien, die meisten von ihnen sind für den europäischen und den amerikanischen Markt bestimmt.
Laut einer Studie der Kampagne für Saubere Kleidung kam es seit dem Jahr 2005 zu sieben Bränden und Fabrikeinstürzen in Bangladesch, bei denen insgesamt 145 Menschen starben. Die vielen Toten seien mit mangelhaften Sicherheitsmaßnahmen zu erklären. Elektrokabel hingen häufig frei im Raum, Feuerlöscher fehlten, Notausgänge verschlossen und Fluchtwege versperrt.
Es ist nicht die erste Brandkatastrophe in südasiatischen Textilfabriken in diesem Jahr. Kürzlich brachen Feuer in zwei pakistanischen Fabriken in Lahore und in Karatschi aus, mehr als 300 Menschen starben. In der Fabrik ließ hauptsächlich der deutsche Textil-Discounter Kik fertigen.
han/kaz/dpa/AP
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