Bayernkönig Ludwig II.: Buch belegt die Lust nach jungen Knaben

Homosexuelle Neigungen wurden dem sagenumwobenen bayerischen Märchenkönig Ludwig II. schon immer nachgesagt. Jetzt wurden bisher unveröffentlichte Dokumente zugänglich gemacht, die seine Vorliebe für junge Männer belegen.

Auf Schloss Nymphenburg am 25. August 1845 geboren: Ludwig II.
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Auf Schloss Nymphenburg am 25. August 1845 geboren: Ludwig II.

München - Der Aschaffenburger Handschriftensammler Robert Holzschuh ersteigerte vor zwei Jahren bei einer Auktion für rund 180.000 Mark 27 bisher unveröffentlichte, eigenhändig geschriebene Briefe des "Kini". Der gelernte Wirtschaftsprüfer und Steuerfachmann hat daraus jetzt ein Buch verfasst: "Das verlorene Paradies Ludwig II." (Eichborn Verlag, Frankfurt 2001; 160 Seiten; 34 Mark).

Wichtigster Vertrauter bei der Suche nach jungen Männern war für den vor 156 Jahren geborenen König demnach dessen Diener, der Marschallfourier Karl Hesselschwerdt. Die handschriftlichen Briefe von Ludwig II. sind eindeutig: So schreibt er am 9. November 1884 an Hesselschwerdt: "Begierig bin Ich zu erfahren, wie Du das mit Balduin machst."

Um viele junge Lakaien, Knechte und Kammerdiener warb der König demnach - um den Häusler, Hochleitner, Hornsteiner, Huber, Weber, Winzperger oder um Jünglinge, die der lustbesessene "Kini" als "Engel", "den Joseph" oder "Schanderl" bezeichnete. Aber Ludwig war wählerisch - und unzufrieden ließ er auch in Innsbruck, Linz, Bozen, Weimar, Paris und sogar im fernen Neapel nach "Deutsch sprechenden Liebhabern" suchen. Aber nicht alle wollten sich mit ihm einlassen und quittierten umgehend den Dienst am Hofe.

Ludwig ließ auch Schloss Neuschwanstein bauen
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Ludwig ließ auch Schloss Neuschwanstein bauen

Besonders eindeutig tritt des Königs homosexuelle Neigung in einem Brief zu Tage: Ludwig äußert sich detailliert über die Genitalien, die "Kunis", seiner Liebhaber - und erbittet von Hesselschwerdt "also genaue Meldung" über die Beschaffenheit bei einem Verehrten.

Keine Anzeichen von geistiger Umnachtung

Ludwig versah alle Brief mit dem Hinweis, sie sofort zu verbrennen. Das tat Hesselschwerdt aber nicht, so dass durch diesen Vertrauensbruch der Nachwelt jetzt Einblick in die persönliche Tragödie des Märchenkönigs gegeben ist, die mit einem politischen Drama enden sollte.

Die Handschrift des Königs beschreibt Holzschuh als "gut lesbar, verschnörkselt schön und majestätisch schwungvoll". In Ludwigs letztem Brief, sechs Wochen vor seinem mysteriösen Tod im Starnberger See, seien keinerlei Anzeichen von Umnachtung oder Irrsinn zu erkennen. Die Schrift sei "impulsiv klar".

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