Bekleidungsmarke "Thor Steinar" Die Masche mit rechts

T-Shirts, Pullover, Bomberjacken: Die Modemarke "Thor Steinar" staffiert seit Jahren die rechte Szene aus. In der Hamburger Innenstadt hat das umstrittene Label nun sein erstes westdeutsches Geschäft eröffnet. Vermieter des Ladenlokals ist ausgerechnet die Landesbank.

Von


Hamburg - Der "Nachtjäger" ist ein olivgrüner Kapuzenpullover, es baumelt ein Pappschild daran, 79,90 Euro, Größe S. Es gibt auch Sweatshirts mit dem Schriftzug "Luftlandedivision", oder Polohemden, auf denen Greifvögel ihre Krallen zeigen. Ansonsten: helles Licht, laute Musik, weiße Regale.

Nur rechts in der Ecke, zwischen Cargo-Hosen und Elchkopf-Plakat raunt ein leicht berlinernder Mann - graue Haare, blaue Windjacke, Jeans - in sein Handy: "Und was ist für uns drin, wenn wir uns rausschmeißen lassen?"

Genau das ist die Frage.

Vor zwei Wochen hat in der HSH-Nordbank-Passage, in bester Hamburger Innenstadtlage, ein Geschäft namens "Brevik" eröffnet. Seither ist die Aufregung zwischen Drogeriemarkt und "Burger King"-Filiale groß: Linke Demonstranten, Angestellte privater Sicherheitsdienste und Beamte der Bereitschaftspolizei tummeln sich in der Einkaufszeile - und beäugen sich missmutig.

Grund des Auftriebs: Im "Brevik" werden vor allem Produkte der umstrittenen Marke "Thor Steinar" angeboten, die sich in der rechten Szene großer Beliebtheit erfreut. "Diese Kleidungsstücke dienen dort wegen ihrer nordischen Symbolik als identitätsstiftendes Erkennungszeichen", sagt ein Sprecher des Hamburger Landesamtes für Verfassungsschutz SPIEGEL ONLINE. Es gebe zwar keine Anzeichen dafür, dass die Firma mit Sitz im brandenburgischen Königs Wusterhausen von Neonazis betrieben werde oder die Szene direkt unterstütze, jedoch sei klar, dass "sie ihr Geld gerne auch mit diesen Leuten verdient".

Aufstand der Anständigen

Im Deutschen Bundes- und dem Schweriner Landtag ist der ostdeutsche Runenschick inzwischen verboten. Auch Fußballvereine wie Hertha BSC Berlin, Werder Bremen und der FC St. Pauli verweigern "Thor Steinar"-Trägern nach eigenen Angaben den Zutritt zu ihren Spielstätten. Doch der Aufstand der Anständigen schreckt die Pseudoskandinavier offenbar nicht. Sie ziehen weiter gen Westen.

Besonders pikant an der Offensive "Thor Steinars" in den alten Bundesländern - bislang betrieb das Unternehmen ausweislich seiner Internet-Seite Geschäfte im Osten Berlins, in Leipzig, Magdeburg und Dresden - ist deshalb der Umstand, dass sie ausgerechnet von der HSH Nordbank ermöglicht wurde. Die hamburgischen Landesbanker haben den Nazi-Ausstattern nämlich das Ladenlokal für eine Dauer von fünf Jahren überlassen.

"Wir sind von dem Mieter arglistig getäuscht worden", rechtfertigt Nordbank-Sprecher Christian Buchholz gegenüber SPIEGEL ONLINE das Geschäft. Der Geschäftsführer des "Brevik", Uwe M., habe nicht mit "offenen Karten gespielt", sondern vorgegeben, den Laden lediglich für die "Protex GmbH - funktionale Sport- und Outdoorkleidung" zu mieten. Es sei in den Verhandlungen nie die Rede davon gewesen, dass dort "Thor Steinar"-Bekleidung verkauft werden solle.

Dem widerspricht indes Uwe M. Dem "Hamburger Abendblatt" sagte er, die Bank sei sehr wohl darüber informiert worden, dass in ihrem Ladenlokal "Thor Steinar"-Produkte angeboten werden sollen: "So steht es ja auch in dem Mietvertrag, den wir unterschrieben haben." Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE wollte das Brandenburger Unternehmen bislang keine Stellung nehmen.

"Nicht nur auf die Bonität achten"

In jedem Fall aber hätten die Banker bereits durch eine sehr einfache Internet-Recherche mit dem vollständigen Namen ihres Geschäftspartners Uwe M. herausfinden können, wen sie sich da ins Haus holen würden. Offensichtlich unterblieb dies. "Wir raten den Unternehmen, nicht nur auf die Bonität ihrer Kunden oder Zulieferer zu achten", mahnt daher der Verfassungsschützer, der "anhaltende Proteste" in der Innenstadt prophezeit, solange das "Brevik" besteht.

Die Banker wollen und müssen daher "alles tun", um ihre ungeliebten Mieter schnellstmöglich wieder loszuwerden. "Unsere Juristen spielen derzeit verschiedene Szenarien durch", so Nordbank-Sprecher Buchholz. Gerüchten, sein Unternehmen wolle "Thor Steinar" die vorzeitige Räumung auch finanziell schmackhaft machen, tritt er entschieden entgegen. "Das kann ich definitiv ausschließen."

Ob sich die Scheinnorweger jedoch so schnell aus der Hansestadt verabschieden, ist zumindest fraglich. Auch in Berlin, Leipzig und Magdeburg sollen die Vermieter laut "Tageszeitung" versucht haben, die "Thor Steinar"-Dependancen kurz nach ihrer jeweiligen Eröffnung wieder schließen zu lassen. Bislang seien diese Bemühungen jedoch erfolglos geblieben - man werde wohl vor Gericht ziehen müssen.

Der Unbekannte mit dem Handy jedoch - unklar, ob er über das "Brevik" spricht, ungewiss, wer er ist - tigert unruhig durch den Laden und fragt seinen Gesprächspartner schließlich: "Und wann müssten wir raus? Im Dezember?"

Dann ist er verschwunden.

Anm. d. Red.: Die HSH Nordbank teilte einen Tag nach Veröffentlichung dieses Artikels mit, die Protex GmbH werde bis Ende Oktober das Ladenlokal in der Innenstadt verlassen. Das Mietverhältnis sei aufgehoben worden. Grund sei die "prekäre Sicherheitslage" und keinesfalls eine "Auszugsprämie".



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.