Gesetzentwurf in Belgien Deutsche Kritik an Sterbehilfe für Minderjährige

Das vom belgischen Senat beschlossene Gesetz zur Ausweitung der aktiven Sterbehilfe auf Kinder ist in Deutschland auf Kritik gestoßen. "Eine traurige Bankrotterklärung", kommentierte die Deutsche Stiftung Patientenschutz den Entwurf.


Brüssel/Berlin - Ein vom belgischen Senat verabschiedetes Gesetz, das die aktive Sterbehilfe auf Minderjährige auszuweiten soll, stößt in Deutschland auf scharfe Kritik. Dies sei "weder eine rühmenswerte Pionierleistung noch ein Akt der Humanität, sondern eine traurige Bankrotterklärung", sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. Er forderte das Europäische Parlament und den Europarat auf, der Entwicklung in Belgien entgegenzuwirken.

"Auch Herman van Rompuy sollte den Karlspreis 2014 besser ablehnen, wenn er als Krisenmanager nicht in der Lage ist, sein Heimatland von dem falschen Weg abzubringen", sagte Brysch an den EU-Ratspräsidenten gerichtet. "Jeder hat ein Recht auf Sterben, aber Töten ist nicht die Fortführung der humanen Sterbebegleitung."

Der belgische Senat hatte am Donnerstagabend mit großer Mehrheit einem Gesetzentwurf zugestimmt, der Sterbehilfe für Minderjährige ermöglichen soll. 50 Senatoren stimmten im Oberhaus in Brüssel für die Vorlage, 17 dagegen. Wenn das Unterhaus das Gesetz billigt, können künftig todkranke Kinder, die unter starken Schmerzen leiden und für die es keine Medikamente zur Linderung gibt, nach Sterbehilfe verlangen. Diese muss von den Eltern und den behandelnden Ärzten gebilligt werden.

Bereits seit 2002 ist in Belgien die aktive Sterbehilfe für Erwachsene zulässig. In den Niederlanden gibt es die Möglichkeit auch für Jugendliche über zwölf Jahren. Das geplante belgische Gesetz sieht keine Altersbegrenzung vor. Es verlangt jedoch, dass sich der junge Patient seiner Situation bewusst ist und versteht, was Sterbehilfe bedeutet.

gam/dpa

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insgesamt 19 Beiträge
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seppinger 13.12.2013
1. Und was richtig ist...
... definiert ein Mann, dessen Arbeitgeber vom langsamen Sterben lebt... klar... Warum muss sich die Politik in diesem Land in alle Entscheidungen seiner Bürger einmischen? Warum darf ein Mensch nicht wenigstens diese ganz persönliche Entscheidung treffen?
An-On 13.12.2013
2. Wer kent Bruysch und seine Stiftung?
Ich bis heute nicht. Und werde sie sicher auch nicht naeher kennenlernen, wenn ihr Vorsitzender unter "Schutz" "Bevormundung" versteht.
lotterliesel 13.12.2013
3. Reizthema in Deutschland
Je älter ich werde, umso weniger kann ich verstehen, warum das Thema "Sterbehilfe" in Deutschland noch immer ein solches Reizthema ist. Sicher, wir haben unsere Vergangenheit (Euthanasie im 3.Reich), und die aktuelle Meldung bezieht sich auf Kinder - da kommen noch mehr Emotionen ins Spiel. Aber: Im Falle einer sicher diagnostizierten unheilbaren Erkrankung, an deren Ende nur noch Leiden in Form von starken, nicht mehr therapierbaren Schmerzen, ausgeprägter Luftnot und/oder ähnlichen Symptomen steht, ist Sterbehilfe nicht verwerflich. Egal, ob der/die Betroffene acht oder achtzig Jahre alt ist, so elend muss kein Mensch von dieser Welt gehen. Grundvoraussetzung ist natürlich immer die vorherige Ausschöpfung aller Therapiemassnahmen, eine klar geregelte Gesetzeslage und Vorgehensweise, die Missbrauch verhindert, ebenso wie Kontrollgremien, Ethikkommissionen etc.. Ist machbar. Diejenigen, die das Angebot der Sterbehilfe für sich oder Angehörige nicht in Anspruch nehmen wollen, müssen es ja nicht annehmen... Ich kann nur aus eigener Erfahrung sagen, dass ich das Röcheln meiner sterbenden Mutter und ihren gequälten Blick (trotz Morphingaben) bis an mein Lebensende nicht vergessen werde. Das war schon unerträglich genug; wäre es mein Sohn gewesen, wäre ich vermutlich wahnsinnig darüber geworden!
stimmvieh_2011 13.12.2013
4. Wehret den Anfängen!
Zuerst wird Sterbehilfe legalisiert und danach drängt man alte und todkrank Menschen, die Gemeinschaft durch ihr freiwilliges Sterben zu entlasten. Siehe Artikel zum Druck der Krankenkassen auf psychisch Kranke. Wenn Sterbehilfe legalisiert wird, dann ist es ein kleiner Schritt, um Menschen, deren Pflege zu teuer wird, aus dem Leben zu drängen. Stellen Sie sich einfach mal vor, die Kasse ruft in Zukunft an und fragt, warum Sie noch keine Sterbehilfe in Anspruch genommen haben. Wir gehen in eine düstere Zukunft.
brux 13.12.2013
5. -----------------
Das ist ja wohl eine reine Unverschämtheit. Es geht in Deutschland niemanden etwas an, was die Belgier für sich demokratisch beschließen (und umgekehrt). In Deutschland scheint der Wilhelminismus fröhliche Urstände zu feiern, und dass, wo doch die Trennung von Kirche und Staat wohl nur auf dem Papier existiert.
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