Beliebtestes Lasagne-Rezept "Ich bin der Milli Vanilli des Essens"

John Chandler hat den Geschmack von Millionen getroffen. Seine Lasagne gilt als das beliebteste Rezept im Internet, dabei ist er nur Hobbykoch. Im Interview erklärt der Amerikaner seine Ein-Kilo-Käse-Kreation - und gibt zu, dass er eigentlich lieber grillt.

Ein Interview von

Meister der Lasagne: John Chandler mit seinen Söhnen Ryan und Jackson

Meister der Lasagne: John Chandler mit seinen Söhnen Ryan und Jackson


Hamburg - Wenn John Chandlers Freunde über seinen Erfolg sprechen, reden sie nur von der Legende der Lasagne. Denn was nur wenige wissen, aber vermutlich viele essen: John Chandler, 43 Jahre alt, verheiratet, Vater zweier Söhne, Angestellter eines Kommunikationsunternehmens in Dallas, Texas, ist der Erschaffer der beliebtesten Lasagne im Internet. Vielleicht sogar der Welt.

Seit mehr als einem Jahrzehnt ist Chandlers Lasagne der populärste Eintrag auf der amerikanischen Kochrezepteseite allrecipes.com. Der Seite zufolge haben allein in den vergangenen fünf Jahren mehr als zwölf Millionen Nutzer das Rezept angeklickt, die Seite hat monatlich rund 32 Millionen Unique Visitors. Die "Washington Post" errechnete daraufhin, dass Chandlers Rezept das bekannteste im englischsprachigen Raum ist.

SPIEGEL ONLINE: Mr. Chandler, Sie haben Ihr Rezept "World's Best Lasagna" genannt. Ganz schön selbstbewusst.

Chandler: Als ich das Rezept 2001 bei allrecipes.com eingestellt habe, dachte ich nicht wirklich, dass das die beste Lasagne der Welt ist. Aber man musste auf der Website einen Titel für das Gericht angeben und aus Jux habe ich das eingetippt.

SPIEGEL ONLINE: Ziemlich viele Menschen haben Ihnen recht gegeben. Wie fühlt man sich so, als Schöpfer des beliebtesten Rezepts der englischsprachigen Internetwelt?

Chandler: Ehrlich gesagt: Das hat mich total umgehauen. Ich dachte, das wäre ein Scherz. Es hörte sich einfach nicht richtig an. Nachdem ich das Rezept gepostet hatte, war ich zwei Jahre lang nicht auf der Seite. Als ich wieder draufgeschaut habe, war es das beliebteste Rezept. Ich wusste also, dass die Leute es gut fanden. Aber das war größer, als ich dachte.

SPIEGEL ONLINE: Bekommen Sie viel Fanpost?

Chandler: Nein, es ist ja nicht so, dass ich umhergehe, mir auf die Brust haue und sage: Ich kann eine ganz passable Lasagne machen.

SPIEGEL ONLINE: Sondern?

Chandler: Es kommt eher bei merkwürdigen Begegnungen durch Zufall heraus, dass ich hinter dem Rezept stecke. Einmal hat mich ein Arbeitskollege gefragt, was es bei uns zum Abendessen gibt. Ich habe dann geantwortet, Lasagne. Er schlug dann ein Rezept vor - es war meins. Oder kürzlich haben mir zwei Bekannte erzählt, dass sie seit Jahren nach diesem Rezept kochen.

SPIEGEL ONLINE: Stammt das Rezept denn von Ihnen?

Chandler: Es ist das Rezept meiner Mutter, sie starb vor 16 Jahren. Wir haben oft zusammen gekocht. Die Küche war schon immer der Treffpunkt in unserer Familie. Anfangs hat sie mich nur zuschauen lassen, aber als ich 16 Jahre alt war, bekam ich das Rezept. Irgendwann wurde ich von Freunden eingeladen und sollte etwas mitbringen. Meine Mutter schlug die Lasagne vor. Und so ging alles los.

SPIEGEL ONLINE: Das klingt nach italienischer Kochkultur…

Chandler: Meine Familie ist keinen Deut italienisch! Ich stamme aus dem tiefsten Süden der Vereinigten Staaten von Amerika, aus Atlanta im Bundesstaat Georgia. Wir sind dort nicht wirklich für unsere kulinarischen Errungenschaften bekannt. Wir sind eher Griller und Frittierer. Aber viele Leute, die italienische Angehörige haben, sagen mir: Das erinnert mich an zu Hause.

SPIEGEL ONLINE: Und dieses Gefühl wollten Sie teilen.

Chandler: Ich war kein Nutzer dieser Kochrezepte-Seite. Meine Ex-Freundin hat dort damals viel nach Rezepten gesucht. Irgendwann schlug sie vor, ich solle die Lasagne posten.

SPIEGEL ONLINE: Unter Ihrem Rezept gibt es Tausende Kommentare, viele schlagen hier und da Änderungen vor. Ärgert Sie das?

Chandler: Nein, ich fühle mich geschmeichelt! Ich mag, dass sich die Leute etwas von mir zu eigen machen. Es ist so, als würde uns allen dieses Rezept zusammen gehören. Das ist sehr eindrucksvoll.

SPIEGEL ONLINE: Die Lasagne ist also Ihr Lieblingsgericht?

Chandler: Ha, wenn ich ehrlich bin nicht. Ich bin Fleisch- und Kartoffelfan und esse am liebsten Steak mit Fritten, beziehungsweise alles, was braun ist. Trotzdem ist die Lasagne natürlich unter den Top 5. Zuletzt habe ich sehr viele Lasagnen machen müssen. Gestern für meinen Sohn, davor für seinen Schuldirektor zum Geburtstag.

SPIEGEL ONLINE: Können Sie die Lasagne überhaupt noch sehen?

Chandler: Ich esse meistens die Reste am nächsten Tag. Es dauert drei Stunden, die Lasagne zuzubereiten. Danach habe ich meistens keinen Appetit mehr.

SPIEGEL ONLINE: Drei Stunden? Wer hat denn heute noch so viel Zeit?

Chandler: Ich glaube, das ist ein Grund, warum die Leute die Lasagne so mögen. Es ist eine gute Gelegenheit, Zeit in der Küche zu verbringen. Es gibt dort keinen Fernseher, keine Ablenkung, man redet miteinander. Ich würde das Lasagnekochen jetzt nicht mit einem nationalen Feiertag gleichsetzen. Aber wer Lasagne macht, will das Erlebnis mehr als die Mahlzeit.

SPIEGEL ONLINE: Na ja, mit fast einem Kilo Käse ist die Lasagne schon auch Futter für die Seele.

Chandler: Sie ist fettig, reichhaltig, schwer. Es ist auf jeden Fall ein Trostessen.

SPIEGEL ONLINE: Was haben Sie sonst noch online gestellt?

Chandler: Ich habe vielleicht fünf Rezepte hochgeladen. Keines ist bislang öffentlich einsehbar - sie wurden von der Website nicht freigeschaltet.

SPIEGEL ONLINE: Klingt verdächtig nach One-Hit-Wonder.

Chandler: Ja, ich bin der Milli Vanilli des Essens.

SPIEGEL ONLINE: Wer kocht denn bei Ihnen Zuhause?

Chandler: Meine Frau und ich wechseln uns am Herd ab, sie ist eine gute Köchin. Aber wir gehen sehr unterschiedlich vor. Sie kocht nach Rezept, ich mixe wild hin und her, probiere, was zusammen schmeckt.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Chandler: Mit Kochen kann man sich ausdrücken. Man kann es mit anderen teilen. Das hört sich vielleicht komisch an, aber ich finde, kochen ist eine Art mit Leuten zu kommunizieren.

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insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
Tiananmen 05.10.2013
1.
Also ne! Getrocknete Kräuter, getrocknetes Basilikum(!), keine Bechamel! Salsiccia, kann man, Ok, muss man aber nicht. Lasagne wird mit klassischem Ragu zubereitet und da gehören außer Zwiebeln auch Karotten hinen und vor allem Staudensellerie! Wer will kann etwas Leber hineintun oder, wer´s deftiger mag Speck. Milch wird, wenn man will, am Ende hinzugefügt. Für die Lasagne braucht´s dann noch eine kräftig abgeschmeckte und mit Parmesan angereicherte Bechamel. Naja...Dickey Betts hatte mal ein tolles Lied: "Atlanta´s burnin down"
rainer_d 05.10.2013
2. Wow
und ich dachte, mein Rezept sei üppig. Das ist aber allgemein das Problem von Lasagne: wenn sie wirklich gut ist, sollte man eigentlich nur ein kleines Stück davon essen...
Uwe Riehl 05.10.2013
3. passender Salat dazu gefällig?
http://www.chefkoch.de/rezepte/692101171793625/Salat-mit-Honigchampignons.html dann empfehle ich den, süß, sauer und ebenfalls sättigend :-)
jan. 05.10.2013
4.
Zitat von TiananmenAlso ne! Getrocknete Kräuter, getrocknetes Basilikum(!), keine Bechamel! Salsiccia, kann man, Ok, muss man aber nicht. Lasagne wird mit klassischem Ragu zubereitet und da gehören außer Zwiebeln auch Karotten hinen und vor allem Staudensellerie! Wer will kann etwas Leber hineintun oder, wer´s deftiger mag Speck. Milch wird, wenn man will, am Ende hinzugefügt. Für die Lasagne braucht´s dann noch eine kräftig abgeschmeckte und mit Parmesan angereicherte Bechamel. Naja...Dickey Betts hatte mal ein tolles Lied: "Atlanta´s burnin down"
Oh mein Gott, zur Info: Geschmäcker sind verschieden. Stellen sie ihr Rezept doch auch ein. Wenn es erfolgreicher wird, ist es schön. Wenn nicht, auch egal.
GregorHuettner 05.10.2013
5. world's best lasagna
man muss sich das so vorstellen, er setzt sein Lasagne Rezept auf die bekannte Website und nennt sie 'world's best lasagna'. Nach 2 Jahren ist sie - durch das Internet, die Suchalgorithmen und die vielen Klicks nach 'weltbester Lasagna' tatsaechlich die meistangeklickte Rezeptur. Haben wir das jetzt richtig verstanden ? sie ist ganz oben gelandet wegen der Kultur der "klicks", nicht eben durch ihre Rezeptbestandteile !!
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