Protest gegen Meeresverschmutzung Mann startet zu sechsmonatiger Schwimmtour

Mit einer waghalsigen Aktion will ein Franzose auf Plastikmüll im Pazifik aufmerksam machen: Er hat begonnen, von Japan bis zur US-Küste zu schwimmen - mitten durch den Müll.


Fischernetze, Flaschen, Kisten: Zehntausende Tonnen Plastikmüll treiben nordöstlich von Hawaii im Meer. Der "Great Pacific garbage patch" ist ein gigantischer Müllstrudel. Um auf diese verheerende Umweltverschmutzung aufmerksam zu machen, hat ein Franzose eine besondere Protestaktion gestartet: Er will mitten durch den Müllteppich schwimmen - sechs Monate lang.

Ben Lecomte sei am Dienstag in Choshi an der japanischen Küste ins Wasser gestiegen und Richtung Osten losgeschwommen, berichtet der "Guardian". Der 51-Jährige wolle von Japan nach San Francisco in den USA schwimmen. Dem Bericht zufolge handelt es sich um eine Strecke von mehr als 8000 Kilometern, die Lecomte in 180 Tagen bewältigen wolle. Seine Tour führe auch 1600 Kilometer durch den Müllstrudel.

Ben Lecomte
DPA

Ben Lecomte

1998 war der Franzose bereits einmal durch den Atlantik geschwommen. Lecomte wäre der erste Mensch, der den Pazifik durchschwimmt. Mehr als sechs Jahre habe er sich auf diesen Moment vorbereitet, teilte der Franzose auf Twitter mit.

Liveaufnahmen vom Beginn seines Abenteuers stellte sein Team auf Facebook. "Ich möchte, dass so viele Menschen wie möglich verstehen, dass jeder Einzelne von uns etwas tun muss, weil das Meer jetzt in Gefahr ist. Und wenn wir nichts ändern, wird es in wenigen Jahren sogar noch schlimmer sein", sagte Lecomte.

Der Extremschwimmer will laut "Guardian" die Meeresströmungen nutzen, um voranzukommen, und ist gegen Haiangriffe gesichert. Er wolle jeden Tag acht Stunden lang schwimmen, und zwar rund 65 Kilometer. Begleitet wird er von einem Segelboot und seinem sechsköpfigen Team. Die Mannschaft arbeitet mit 12 wissenschaftlichen Institutionen zusammen. Das Ziel: mit einem verbreiteten Mythos über den Müllstrudel im Meer aufräumen.

"Plastik-Smog" im Meer

Laut "Guardian" ist geplant, täglich Proben aus dem Wasser zu unternehmen und zu untersuchen. So will das Team zeigen, dass keineswegs nur große Plastikteile im Meer schwimmen. "In Wirklichkeit ist die Wahrheit noch weitaus schlimmer, als viele denken", sagte Tyral Dalitz, der Leiter des Expeditionsteams, dem Sender ABC.

Der größte Teil der Verschmutzung bestehe in winzigen, nahezu unsichtbaren Mikroplastikteilchen. Es handele sich also weniger um eine Insel aus Müll, sondern um eine Art "Plastik-Smog" im Wasser, sagte Dalitz. Um zu zeigen, wie sehr auch Meeresbewohner von dem Plastikmüll betroffen sind, will das Team den Angaben zufolge täglich Fisch fangen und untersuchen.

Erst vor Kurzem hatten Forscher festgestellt, dass der sogenannte Große Pazifische Müllstrudel wesentlich umfangreicher ist und deutlich mehr Plastik enthält, als bisher angenommen. Sie kamen zu dem Schluss, dass knapp 80.000 Tonnen Plastik in einem Gebiet von 1,6 Millionen Quadratkilometern treiben - die Fläche ist etwa 4,5-mal so groß wie Deutschland. Mehr dazu lesen Sie hier.

SPIEGEL Live Talk: Vom Umgang mit den Meeren

DER SPIEGEL

fok/dpa/AFP



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