Letzter Auftritt von Benedikt XVI.: Hunderttausende verabschieden den Papst

Letzte Audienz von Papst Benedikt XVI: Abschied auf dem Petersplatz Fotos
AFP

Der Papst nimmt Abschied - und unzählige Pilger wollen dabei sein. In Rom sind sie auf den Petersplatz geströmt, um die letzte Generalaudienz von Benedikt XVI. zu erleben. Unter dem Jubel der Menge fuhr der Papst im Papamobil vor. In seiner Ansprache kam er auf die "schwierigen Momente" seines Pontifikats zu sprechen.

Rom - Bei strahlendem Sonnenschein sind unzählige Gläubige auf den Petersplatz geströmt, um dem letzten großen öffentlichen Auftritt von Papst Benedikt XVI. beizuwohnen. Gespannte Erwartung war in den Gesichtern der Besucher zu lesen, viele schwenkten die Flaggen ihrer Herkunftsländer und hielten Plakate mit Grußworten hoch. "Danke, Eure Heiligkeit" oder "Deine Worte sind Licht für immer", war da zu lesen. Immer wieder erschallten "Benedetto"-Rufe.

Als Benedikt XVI. im Papamobil auf den Petersplatz fuhr, brach Jubel aus. Ein historischer Moment, dessen Einzigartigkeit sich auch die anwesenden Kardinäle bewusst waren. Gläubige reichten dem Papst Kleinkinder in die Kabine, baten um seinen Segen. Zu Beginn der Audienz hielt Benedikt kurz inne und segnete die Anwesenden. Konzentriert hörte er zu, als der Brief des Paulus an die Kolosser in verschiedenen Sprachen verlesen wurde.

"Die Wellen schlugen hoch"

Es habe "schwierige Momente" in seinem Pontifikat gegeben, sagte Ratzinger. Er verglich seine Situation mit der Jesu Christi, der auf dem See Genezareth in einem Boot in stürmisches Wetter geriet. "Die Wellen schlugen hoch, es schien, dass Gott schlief." Doch der Herr lasse das Schifflein Petri nicht sinken, so der Papst. Er habe stets vor Augen gehabt, dass das Boot nicht seines sei, nicht das der Kirche, sondern das Gottes.

Er habe sich dennoch "nie allein gefühlt" in der Kirche, so Benedikt. Immer seien Menschen an seiner Seite gewesen, die ihm mit ihrer "wertvollen Freundschaft" geholfen hätten, vor allem die Kardinäle. Ausdrücklich nannte er seinen Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, der ihm in all den Jahren beigestanden habe.

Er danke Gott in diesen Tagen aus ganzem Herzen. "Ihm vertraue ich die Kirche in aller Welt an. Mein Wunsch ist, dass alle die Freude spüren, wie schön es ist, Christ zu sein und zur Kirche zu gehören."

Ratzinger wiederholte, dass er aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten sei. "Manchmal muss man den Mut haben, schwierige Entscheidungen zu treffen", sagte er unter dem Applaus der Besucher. Er betonte ausdrücklich, dass er die Kirche nicht im Stich lasse und sich nicht ins Private zurückziehen werde, sondern dem Herrn weiter dienen werde.

Dank an die Blaskapelle

Ausdrücklich dankte Ratzinger der Traunsteiner Blaskapelle auf Deutsch, "dass sie so schön gespielt hat". Aus Benedikts Heimat Bayern hatten sich Hunderte Pilger auf den Weg nach Rom gemacht. Auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und der Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, nahmen an der Generalaudienz teil. Für Seehofer und seine Frau war anschließend eine persönliche Begegnung mit dem Papst vorgesehen.

Der "so kopfstarke Papst" wirke auf ihn "klug und bescheiden wie immer", sagt der Römer Oscar Folerà. Die Rührung ist dem 74-Jährigen anzumerken. "Auch nach der Abdankung wird er unser Papst Benedikt bleiben", sagt der Gymnasiast Giorgio.

Man hatte erwartet, dass die Pilger dem Papst einen sehr emotionalen Empfang bereiten würden. Seine Entscheidung, das Amt niederzulegen, war überwiegend positiv aufgenommen und als vernünftig gelobt worden. Die Stimmung auf dem Petersplatz war schon zu Beginn der Generalaudienz fröhlich und ausgelassen. Viele versicherten ihre Treue zu Benedikt XVI: "Du bist Petrus und wir jungen Leute lieben Dich".

Die Sicherheitsvorkehrungen waren enorm: Die Polizei war rund um den Vatikan mit einem Großaufgebot im Einsatz. Zur Generalaudienz des scheidenden Pontifex hatten mehr als 50.000 Pilger und Touristen Tickets ergattert, Behördenvertreter sprachen von mindestens 200.000 Menschen. Der Vatikan nannte die Zahl 150.000.

Benedikt XVI. hatte seinen Amtsverzicht vor gut zwei Wochen bekanntgegeben. Am Donnerstag um 17 Uhr will das scheidende Oberhaupt der katholischen Kirche per Hubschrauber den Vatikan verlassen, um sich für einige Wochen in die päpstliche Sommerresidenz Castel Gandolfo nahe Rom zu begeben.

Sein letzter öffentlicher Akt wird um 17.30 Uhr ein Abschiedsgruß an die Gläubigen der Diözese Albano von der Loggia der Residenz Castel Gandolfo aus sein. Mit dem offiziellen Ende des Pontifikats am Donnerstag um 20 Uhr stellt auch die Schweizer Garde ihren "öffentlichen Dienst" für den Papst ein. Die Sicherheit Benedikts ist aber garantiert, die Gendarmerie wird ihren Wachdienst fortsetzen.

ala/dpa/AP

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insgesamt 190 Beiträge
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1. Die Macht der Kirche...
damp2012 27.02.2013
... ich bin immer wieder erstaunt!
2. Der Dienst endet aber erst Morgen
kbw 27.02.2013
In dem Beitrag wird der Eindruck erweckt, er verlasse Rom bereits heute. Sein letzter Tag als Papst ist aber morgen.
3. Geschichtsträchtiges Ereignis
KingTut 27.02.2013
Zitat von sysopAFPDer Papst nimmt Abschied - und unzählige Pilger wollen dabei sein. In Rom strömen sie auf den Petersplatz, um die letzte Generalaudienz von Benedikt XVI. zu erleben. Auch viele Deutsche haben sich auf den Weg gemacht. Benedikts Abschied - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/benedikts-abschied-a-885818.html)
Die Präsenz von Hunderttausenden aus aller Welt unterstreicht die Universalität der RKK und ist ein lebendiger Beweis für die Zuneigung der Weltkirche zum scheidenden Heiligen Vater. Seine Rolle als Mittler zwischen Gott und den Menschen hat er mit Bravour gemeistert. Danke Eure Heiligkeit.
4. So etwas....
wkoker 27.02.2013
kann ich als Nichtkirchenanhänger nur als Massenhysterie bezeichnen.Mehr fällt mir dazu nicht ein.
5. danke!
ziegenzuechter 27.02.2013
Zitat von sysopAFPDer Papst nimmt Abschied - und unzählige Pilger wollen dabei sein. In Rom strömen sie auf den Petersplatz, um die letzte Generalaudienz von Benedikt XVI. zu erleben. Auch viele Deutsche haben sich auf den Weg gemacht. Benedikts Abschied - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/benedikts-abschied-a-885818.html)
für diesen papst. möge uns nun ein strenger und traditionalistischer papst beschieden sein, der die kath. kirche zurückführt auf den rechten weg, den sie beschritten hat, vor dem unseligen 2. vatikanischen konzil...
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