Benjamin Melzer "Men's Health" zeigt erstmals Transgender-Model auf Cover

Benjamin Melzer hat es als erster Transgender-Mann auf die Titelseite der Fitnesszeitschrift "Men's Health" geschafft. Sein Weg zum anerkannten Model war steinig.

DPA

Das Lifestyle-Magazin "Men's Health" zeigt jeden Monat junge Männer mit durchtrainierten Körper auf dem Cover. Daran hat sich auch in der aktuellen Ausgabe nichts geändert.

Mit dabei ist diesmal aber auch Benjamin Melzer. Zusammen mit fünf weiteren Models ist er auf der Titelseite der Abonnentenausgabe zu sehen. Der 29-Jährige aus Oer-Erkenschwick im Ruhrgebiet wurde als Yvonne aufgezogen.

Heute, nach elf Operationen, einer Geschlechtsangleichung, einer geänderten Geburtsurkunde, Hormonbehandlungen und einem strikten Fitnessprogramm ist Melzer in seinem Männerkörper angekommen.

Für Melzer und seine Eltern war das alles ein schwerer Schritt. "Mein Vater wollte sein kleines Mädchen nicht verlieren", erinnert er sich, "wobei ich eigentlich nie ein normales kleines Mädchen war".

Wieso Melzer "anders" ist, konnte er sich selbst erst erklären, als er einen Beitrag über Transgender im Fernsehen sah, der Klarheit ins Identitätschaos brachte. "Du kannst nicht mehr, du willst nicht mehr, dir ist egal, was die Leute sagen, du machst das jetzt - ob deine Eltern dich unterstützten oder nicht", sagte er sich. "Und jedem Typ, der über dich lacht, spannst du später die Freundin aus."

In der 20-jährigen Geschichte von "Men's Health" in Deutschland ist Melzer der erste Transgender-Mann, der für die Titelseite posiert - zusammen mit den vier anderen Erstplatzierten beim "Covercontest" der Zeitschrift. "Beim Shooting war Ben so außergewöhnlich locker und souverän vor der Kamera wie kein anderer", sagt Chefredakteur Markus Stenglein.

Der "Martin Luther King für Transgender"

Die Transgendergemeinde brauche Menschen wie Ben, so Stenglein: "Er wird Hunderte motivieren und ihnen zeigen, dass es gesellschaftlich vollkommen in Ordnung ist, diesen Weg zu gehen." Melzer selbst ist froh, einen Anstoß geben zu können. Scherzend sagt er, dass er sich als eine Art "Martin Luther King für Transgender" sieht. Als Aktivist will er Vorurteile abbauen und Gleichgesinnten in den sozialen Medien Rede und Antwort stehen.

Schätzungen gehen von einem Transgender auf 1000 Geburten bis einem Transgender auf 100.000 Geburten aus. Nicole Faerber, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität, vermutet, dass es weitaus mehr Menschen gibt, die sich in ihrem bei Geburt zugewiesenen Geschlecht nicht wohl fühlen. Nicht alle entschieden sich wie Ben für das ein oder andere Geschlecht, sondern bezeichneten sich als "Weder-noch-Menschen".

"Die Idee, dass es jenseits von "männlich" und "weiblich" etwas geben könnte, ist gesellschaftlich noch nicht akzeptiert", bedauert Faerber. Deswegen sei das Anpassen des Äußeren für viele Transgender besonders erstrebenswert.

Anerkennung für seinen Mut und seine Willensstärke bekommt Ben von vielen Seiten - nicht nur von der eigenen Freundin und den Eltern, sondern auch in den sozialen Netzwerken.

Auf Instagram folgen ihm bereits Zehntausende - manche teilen seine Erfahrung. "Ich bin stolz auf dich! Du bist meine Inspiration. Ich hoffe, dass ich eines Tages wie du sein werde", schreibt ein Nutzer.

Als Leiterin einer Beratungsstelle für Transmenschen sieht Faerber darin eine Gefahr: Bens Rollenwechsel sei extrem und sehr gut gelungen. Deshalb warnt sie: "Das ist ein Ideal, das nicht jeder erreichen kann."

Tabea Grossek, dpa

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