Bergsteiger-Legende Heinrich Harrer ist tot

Der österreichische Bergsteiger, Forscher und Schriftsteller Heinrich Harrer ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Der Abenteurer war schon zu Lebzeiten zur Legende geworden.


Wien - Heinrich Harrer habe "mit großer Ruhe seine letzte Expedition angetreten", erklärte seine Familie in einer Mitteilung an die Medien. Harrer wurde am Donnerstag ins Deutschordensspital Friesach in Kärnten eingeliefert und starb am Samstag um 6.45 Uhr, wie die Wiener Nachrichtenagentur APA berichtete.

Harrer und der Dalai Lama: "Sieben Jahre in Tibet"
DPA

Harrer und der Dalai Lama: "Sieben Jahre in Tibet"

Harrer wurde 1938 berühmt als Erstbesteiger der Eiger-Nordwand in der Schweiz. Noch größeren Bekanntheitsgrad erreichte er später mit seinem Buch "Sieben Jahre in Tibet" aus dem Jahre 1953, das 1997 mit Brad Pitt in der Hauptrolle verfilmt wurde. Darin beschreibt er seine abenteuerliche Flucht aus britischer Kriegsgefangenschaft in Indien über hohe Gebirgspässe des Himalayas nach Tibet.

Dort blieb er von 1944 bis 1951 und wurde zum Berater und Lehrer des jungen Dalai Lamas, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Nach dem Einmarsch der chinesischen Truppen im Jahre 1950 floh Harrer schließlich aus der tibetischen Hauptstadt Lhasa und kehrte über viele Umwege nach Österreich zurück.

Während der Berichterstattung über den Film rückte die NS-Vergangenheit des Bergsteigers in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Der am 6. Juli 1912 geborene Harrer trat nach dem Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich 1938 der NSDAP ein und schloss sich auch der SS an. Schon 1933 wurde er als 21-Jähriger Mitglied der SA-Untergrundorganisation in Österreich. Er selbst bezeichnete all dies später als dummen Fehler und ideologischen Irrtum.

Der unlängst verstorbene Leiter des NS-Dokumentationszentrums in Wien, Simon Wiesenthal, erklärte seinerzeit, Harrer sei niemals an NS-Verbrechen beteiligt gewesen. Dennoch erntete Harrer viel Kritik, weil er seine NS-Vergangenheit bis dahin beharrlich verschwiegen hatte. Der Regisseur von "Sieben Jahre in Tibet", Jean-Jacques Annaud, wies im Verlauf der damaligen Debatte darauf hin, dass Harrer dies bereut und sich nach dem Krieg stets für die Menschenrechte eingesetzt habe.

Harrer wurde schon 1939 von den Briten in Indien inhaftiert, als er als Teilnehmer der deutschen Himalaya-Expedition zum Nanga Parbat dort weilte. Zwar wurde dabei der Gipfel nicht erreicht, doch fanden die beteiligten Alpinisten eine neue Aufstiegsroute durch die Diamir-Wand. Auf dem Rückweg Anfang September wurden Harrer und seine Gefährten vom Ausbruch des Weltkrieges überrascht und von den Briten interniert.

Der österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel sagte nach dem Tod Harrers, dessen Leben habe ihn stets fasziniert. In einer Erklärung dankte er ihm dafür, dass mit ihm so viele interessante Gespräche habe führen dürfen.

Harrer verbrachte die letzten Jahre seines Lebens zumeist Hüttenberg im Kärntner Bezirk St. Veit/Glan. Dort soll er am 14. Januar beigesetzt werden.

Wiliam Cole, AP



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.