"Costa Concordia"-Drehung: "Besser hätte es nicht laufen können"

Aus Giglio berichtet

Die erwartete Party blieb zunächst aus: Die Aufrichtung der "Costa Concorida" soll sich noch bis zum Morgengrauen hinziehen - obwohl alles reibungslos klappte. Den Anwohnern kann es nicht schnell genug gehen: "Wir können das Ding nicht mehr sehen." Verfolgen Sie hier live die Bergung des Schiffs.

Es war ein recht erfolgreicher Tag für die Ingenieure von Titan Salvage und Micoperi: Noch in der Nacht hatte ein heftiges Gewitter über Giglio die Planung durcheinandergewirbelt. Doch kaum hatten sie gegen neun Uhr morgens das Go gegeben für die Operation "Parbuckling" lief alles zunächst wie am Schnürchen.

Erfreulicherweise löste sich das Wrack schon kurz nachdem die mit Hydraulikzylindern verbundenen Stahllitzen am Rumpf zogen. "Inzwischen ist die 'Concordia' komplett weg vom Felsen", berichtete Ingenieur Sergio Girotto am Nachmittag. "Besser als bisher hätte es nicht laufen können", betonte Projektleiter Franco Porcellacchia.

Doch beim Einhalten der selbstgesetzten Fristen hinken die Bergungsfachleute hinterher. Kritik daran weisen sie zurück: "Wir gehen langsam und vorsichtig vor." Zuerst hieß es, die Befüllung der Tanks an der Backbordseite des Schiffs verschiebe sich auf 20 oder 21 Uhr. Dies ist den Spezialisten zufolge eine kritische Phase, weil das Schiff zu schnell kippen könnte. Kurz darauf erklärten die Ingenieure der Costa Crociere, einige lose Enden der Stahllitzen hätten sich verheddert, woraufhin Arbeiter auf die Container geschickt worden seien, um sie zu entwirren. Diese habe eine Stunde gedauert. Die Arbeiten verzögern sich also weiter, jetzt geht man davon aus, dass sie im Morgengrauen beendet sein könnten.

Auf hartnäckige Nachfragen von Journalisten hierzu forderte ein Inselbewohner mit Kapitänsmütze die Berichterstatter lauthals auf, doch nicht immer nur das Negative zu suchen und den Experten im Team mehr Respekt entgegenzubringen. Die Antwort von Zivilschutzchef Franco Gabrielli: "Ich bin voll seiner Meinung, aber nicht mit ihm verwandt."

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Bergung der "Costa Concordia": Kolossale Aufgabe
Vielleicht wären die Ingenieure der Costa Crociere gut beraten, in Zukunft keine Deadlines mehr für die Etappen des Parbucklings zu nennen.

Die erwartete Party bleibt also zunächst aus. Fast alle Inselbewohner verfolgten angespannt die Entwicklung im Hafen, freuten sich lebhaft über jeden Zentimeter, den das Wrack auftauchte. Die Mehrheit hat es satt, die "Concordia" vor der Nase zu haben, sie will den freien Blick und die alten Zeiten zurück. "Wir sind froh, dass es ganz gut läuft", sagt stellvertretend für viele Anna Caruana, die ein Modegeschäft an der Promenade betreibt. "Wir können das Ding nicht mehr sehen."

Es gibt Gigliesi, die die Reedereivertreter dafür kritisieren, dass sie sich auf der Insel wie Kolonialherren gebärden, den Einwohnern während der Operation den Zugang zum Hafen nur mit Ausweis gestatten und auch ansonsten nach Gutdünken agieren. "Es mangelt an Respekt den Gigliesi gegenüber", sagt Angelo Milano von der Initiative SOS Concordia. Er bemängelt finanzielle und unternehmerische Verluste, auch die Preise der Immobilien seien durch die Katastrophe gesunken. Die Gemeinde Giglio hat knapp 2000 Einwohner. Milano kritisiert, dass diese nur selten in Entscheidungsprozesse mit einbezogen würden. "Die Kommune agiert bisweilen wenig transparent."

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Überschwemmungen in Colorado
endrag 16.09.2013
Leider gibt es zu dem Artikel keine Kommentarfunktion, wahrscheinlich um zu verhindern, dass auf die wirkliche Umweltkatastrophe im Zusammenhang mit den Überschwemmungen hingewiesen wird. Das Land wird großräumig durch Frackingeinrichtungen überzogen. Die Anlagen stürzen jetzt teilweise um, Öl, Chemikalien und Flowback verschmutzen die Landschaft. Derzeit gibt es keine Möglichkeit, diese Katastrophe zu verhindern. Auch Deutschland soll durch großräumiges Fracking beglückt Eden, doch auch hier wird es zu massiven, großflächigen Katastrophen führen. Warum berichten weder SPON noch eine andere deutsche Zeitung darüber? Das passt wohl nicht zum Wahlkampf der Frackingbefürworter.
2. eigene Nase
vlado13 16.09.2013
---Zitat--- Vielleicht wären die Ingenieure der Costa Crociere gut beraten, in Zukunft keine Deadlines mehr für die Etappen des Parbucklings zu nennen. ---Zitatende--- Da machen sich Bergungstechniker an eine Operation, die es so noch nicht gegeben hat, und die "Berichterstatter" erwarten, dass der vorgestellte Plan so etwas wie der Fahrplan der Schweizer Bundesbahn ist. Der hier angeschlagene Tonfall zeugt von umfassender Ahnungslosigkeit. Insofern hat der "Inselbewohner mit Kapitänsmütze" durchaus recht.
3. das Heck....
laxness 16.09.2013
....ist abgesackt - sieht das denn keiner?
4. Frau Annette Langer sollte in Zukunft über Mode-Events berichten
reinhard-wien 16.09.2013
Zitat: "Vielleicht wären die Ingenieure der Costa Crociere gut beraten, in Zukunft keine Deadlines mehr für die Etappen des Parbucklings zu nennen. " Frau Annette Langer sollte in Zukunft eher von Mode-Events berichten. Sie hat keine Ahnung was das für eine Meisterleistung ist, falls es funktioniert!
5. was mich auch wundert....
laxness 16.09.2013
da laufen und schippern alle möglichen Leutchen dicht an dem Wrack vorbei. Wann da doch was schief geht und der Kasten kippt unerwartet......
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