Demonstration der "Identitären Bewegung" gestoppt Frau Mensah-Schramm sagt "Nein"

Meistens erledigt Irmela Mensah-Schramm ihre Aktionen gegen den Hass im Stehen, am Samstag saß sie ausnahmsweise: Zusammen mit anderen Menschen blockierte die 71-Jährige in Berlin einen Aufmarsch der "Identitären Bewegung".

DPA

"Ich beseitige Hassparolen, weil ich den Hass vernichten möchte", hat Irmela Mensah-Schramm mal dem SPIEGEL gesagt. Seit mehr als 30 Jahren entferne sie deshalb rechte Propaganda. Mit "Aceton und einem Keramikschaber" geht sie gegen ausländerfeindliche Sprüche oder Hakenkreuze an Häuserwänden vor. "Was ich nicht abkratzen oder wegputzen kann, wird übermalt", sagt Mensah-Schramm, die 71 Jahre alt ist.

Am Samstag waren ihre Mittel gegen den Hass andere: Nicht durch Putzen, sondern durch Sitzen erfüllte sie ihre Mission. Und war erfolgreich.

"Möchte mich mit den Jugendlichen solidarisieren"

In Berlin hatte die rechtsextreme Gruppierung "Identitäre Bewegung" am Wochenende eine Demonstration angekündigt. Angemeldet waren tausend Teilnehmer, aufmarschiert sind laut Polizei mehrere hundert. Die "Identitäre Bewegung" wendet sich gegen eine angebliche "Überfremdung" Europas durch Einwanderer. Sie wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Das Motto der "Identitären"-Demo lautete "Zukunft Europa - Für die Verteidigung unserer Identität, Kultur und Lebensweise".

Wie weit man damit kommt? In Berlin war es etwa ein Kilometer. Die Anhänger der "Identitären Bewegung" wollten eigentlich vom S-Bahnhof Gesundbrunnen an der Gedenkstätte Berliner Mauer vorbei bis zum Berliner Hauptbahnhof ziehen. Schluss war aber schon am U-Bahnhof Voltastraße, unweit des Startpunkts .

Dort stießen die Rechtsextremen auf eine Gegendemonstration von etwa 1400 Menschen. Verschiedene linke Gruppen und Initiativen hatten dazu aufgerufen. Irmela Mensah-Schramm war dem Aufruf gefolgt.

Es gibt ein Video, das sie bei der Sitzblockade gegen die Rechtsextremen zeigt. Ein Polizist fordert sie sanft dazu auf, doch bitte den Weg zu räumen. "Nein", sagt Mensah-Schramm, sehr höflich und sehr entschieden. "Ich möchte mich mit den Jugendlichen solidarisieren."

Gegen 17 Uhr hätte die "Identitäre Bewegung" ihren Aufmarsch für beendet erklärt und sich zurückgezogen, sagte ein Berliner Polizeisprecher. Eine gute Nachricht für Mensah-Schramm. Sie hatte mal wieder dazu beigetragen, den Hass zu beseitigen.

cst/dpa/Afp



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