Hubschrauber-Unglück in Berlin: Tod im Schneetreiben

Das Luftfahrtbundesamt hat die Ermittlungen übernommen: Bei einer Großübung der Bundespolizei für Einsätze gegen Hooligans sind in Berlin zwei Hubschrauber zusammengestoßen, ein Pilot kam ums Leben. Die Helikopter sollen beim Landeanflug Schneemassen aufgewirbelt haben.

Berlin - Hubschrauberteile flogen durch die Luft, Beobachter gingen in Deckung: Bei einer Großübung der Bundespolizei sind in Berlin zwei Hubschrauber kollidiert. Ein 42 Jahre alter Pilot kam ums Leben, sieben Menschen wurden verletzt - drei von ihnen liegen im Krankenhaus. Die Polizeihubschrauber waren nahe des Olympiastadions zusammengestoßen.

Die Ermittlungen zur Unfallursache hat das Luftfahrtbundesamt übernommen. Das Helikopterunglück wirft Fragen auf. Hätten die Helikopter im Schneetreiben überhaupt aufsteigen dürfen? Möglicherweise sei es sogar sinnvoll gewesen, die Übung durchzuführen, da Helikopter auch bei grenzwertigem Wetter aufsteigen müssten, sagte ein Mitarbeiter der Behörde dem "Tagesspiegel". "Wir tragen derzeit die Fakten zusammen, einen ausführlichen Bericht wird es aber erst in zwei Monaten geben."

Bei der Übung sollten bis zu 580 Beamte den Einsatz gegen Hooligans trainieren. Die Hubschrauber hatten die Aufgabe, auf dem Maifeld am Stadion Einsatzkräfte abzusetzen. Laut Augenzeugen passierte der Unfall im Schneegestöber bei der Landung dreier Helikopter. Demnach waren zwei Hubschrauber bereits am Boden und der dritte Helikopter prallte gegen einen der beiden - offenbar weil der Pilot die Orientierung verloren hatte.

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Fotostrecke: Hubschrauber-Kollision bei Großübung in Berlin
Die Rotoren hätten den Schnee zu einer weißen Wand aufgewirbelt, hinter der plötzlich ein lauter Knall zu hören gewesen sei, berichtete eine Polizistin. Ein technischer Defekt sei aber nicht ausgeschlossen, sagte ein Feuerwehrsprecher im "Tagesspiegel".

"Die Kollegen sind schockiert"

Als die Sicht besser wurde, bot sich ein schlimmer Anblick. Ein Hubschrauber lag zerstört auf der Seite, auch die andere Maschine war schwer beschädigt. Die Helikopter gingen aber nicht in Flammen auf. "Unsere Sorge war, dass Kerosin ausläuft", sagte der Feuerwehrsprecher. Die Berliner Feuerwehr war mit rund hundert Einsatzkräften vor Ort, nachdem um 10.33 Uhr eine Alarmmeldung in der Zentrale eingegangen war.

Bundespolizisten befreiten nach dem Absturz Kollegen aus den Wracks. Beamte hätten untereinander Erste Hilfe geleistet, berichtete der Sprecher der Berliner Bundespolizeidirektion. "Die Kollegen sind schockiert", sagte er zu der Stimmung nach dem Unglück.

Zur Zahl der Beamten, die während des Unfalls in den Maschinen saßen, liegen bislang keine Informationen vor. Nach Polizeiangaben handelte es sich bei den verunglückten Helikoptern um einen mittleren Transporthubschrauber vom Typ AS 332 L1 "Super Puma" und einen leichten Transporthubschrauber des Typs EC 155 B. Die "Puma"-Maschine hat laut einer Übersicht der Bundespolizei 21 Sitzplätze, der EC-Helikopter 15.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich sprach bei einem Besuch am Unglücksort von einem schrecklichen Unfall. "Wir haben einen toten Polizisten zu beklagen und sind bei den Angehörigen", sagte der Präsident der Bundespolizei, Dieter Romann. Berlins Innensenator Frank Henkel äußerte die Hoffnung, dass die verletzten Polizisten schnell genesen und keine bleibenden Schäden davontragen. Nach Angaben der Gewerkschaft der Polizei (GdP) war die Übung seit längerem geplant. "Unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme gilt den Hinterbliebenen des verstorbenen Beamten", sagte GdP-Chef Bernhard Witthaut.

wit/dpa/Reuters

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