Giftiger Sand Staatsanwalt ermittelt gegen Berliner Zoo und Tierpark

Im Berliner Tierpark sollen 30.000 Tonnen giftiger Sand lagern - offenbar ein Geschenk, das noch der umstrittene Ex-Direktor annahm. Die Staatsanwaltschaft hat dessen Privatwohnung sowie Räume des Zoos und des Tierparks durchsucht.

DPA

Berlin - Bernhard Blaszkiewitz war als Chef des Berliner Tierparks und des Zoologischen Garten lange umstritten. Seit April dieses Jahres führt nun der Münchner Andreas Knieriem die Geschäfte. Doch der hat drei Monate nach seinem Amtsantritt immer noch mit den Altlasten seines Vorgängers zu kämpfen.

In Berlin spricht man von einem "giftigen Erbe". Gemeint sind rund 30.000 Tonnen Sand, die Blaszkiewitz offenbar als Geschenk annahm. Der Erdaushub, der im Tierpark in Friedrichsfelde gelagert ist, ist offenbar kontaminiert, berichten der "Tagesspiegel" und die "Berliner Morgenpost". In einem Sandhügel seien hohe Werte einiger Schwermetalle festgestellt worden.

Den Berichten zufolge ermittelt nun die Berliner Staatsanwaltschaft gegen Verantwortliche von Zoo und Tierpark - der Tierpark ist ein Tochterunternehmen der Zoo AG. Der Vorwurf: illegale Abfallentsorgung und unerlaubtes Betreiben einer Anlage. Außerdem wird überprüft, ob ein Abfallentsorgungsunternehmen aus Charlottenburg eventuell von der belasteten Erde wusste.

Wie nun bekannt wurde, durchsuchten die Strafermittler Anfang Juli Räume im Zoo und Tierpark - sowie auch Privaträume des ehemaligen Direktors Blaszkiewitz.

Bodengutachten soll Klarheit bringen

Blaszkiewitz soll den Erdaushub vergangenes Jahr im Herbst als Geschenk einer Baufirma bekommen haben. Ein Geschenk, das der Tierpark nun vielleicht teuer bezahlen muss.

Anfang der Woche fand in Berlin die Hauptversammlung der Zoo-Aktionäre statt. Das große Thema der Zusammenkunft: die giftigen Sandberge und deren Entsorgung. Laut "Berliner Kurier" könnte die Beseitigung mehrere Hunderttausend Euro kosten. Der Zoo hat in Absprache mit dem Berliner Senat ein Bodengutachten in Auftrag gegeben, das Klarheit bringen soll.

Blaszkiewitz stand mehr als 20 Jahre lang an der Spitze des Tierparks im Osten Berlins, 2007 übernahm er auch die Leitung des Zoologischen Gartens. 2013 war sein Vertrag jedoch nicht verlängert worden. Zunehmend hatte es Kritik an dem Biologen gegeben. Zum einen wegen seiner Mitarbeiterführung, er soll Kolleginnen regelmäßig intern mit dem Kürzel "0,1" - dem zoologischen Code für Zuchtweibchen - bezeichnet haben.

Auch sein Umgang mit den Tieren war zunehmend kritisiert worden. Zuletzt hatte die tierpolitische Sprecherin der Berliner Grünen Blaszkiewitz vorgeworfen, viele Tiere in zu kleinen Käfigen zu halten, Inzucht zu fördern, dubiose Geschäfte zu machen. Belege gab es jedoch nie.

gam

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