London - Die Briten ließen sich den Besuch von Papst Benedikt XVI. im vergangenen September einiges kosten: Etwa zehn Millionen Pfund mussten die britischen Steuerzahler für den viertägigen Abstecher auf die Insel zahlen - Kosten für Sicherheit noch nicht eingerechnet.
Nun hat die Rechnung ein Nachspiel im britischen Parlament. Abgeordnete wollen wissen, warum 1,85 Millionen Pfund aus dem Budget des Entwicklungshilfeministeriums für den Besuch verwendet wurden. Malcolm Bruce, Vorsitzender des Entwicklungshilfeausschusses im Parlament, sagte, die Enthüllung sei eine Überraschung für die Abgeordneten und Steuerzahler gewesen. Die Minister müssten erklären, wofür genau das Geld verwendet worden sei und wie sich dies mit den Entwicklungshilfe-Verpflichtungen im Ausland vertrage.
Ein Sprecher des Entwicklungshilfeministeriums sagte, das Geld sei zum Außenministerium transferiert worden und stelle keine offizielle Entwicklungshilfe dar. Es sei Teil eines Finanzierungskonzeptes mehrerer Ministerien für den Papst-Besuch gewesen. "Unser Beitrag würdigt die Rolle der katholischen Kirche als wichtiger Anbieter von Gesundheits- und Bildungsdienstleistungen in Entwicklungsländern." Die 1,85 Millionen Pfund gingen nicht von den Hilfsbeträgen für andere Länder ab.
"Nicht mit Entwicklungshilfe Staatsbesuche subventionieren"
Die oppositionelle Labor-Partei ist der Ansicht, das Außenministerium solle dem Entwicklungshilfeministerium das Geld zurückzahlen. Die stellvertretende Labour-Chefin Harriet Harman sagte der BBC, die Regierung von Premierminister David Cameron "sollte nicht Gelder des Entwicklungshilfeministeriums abziehen, um Ausgaben des Außenministeriums für Staatsbesuche zu subventionieren". Geld aus dem Entwicklungsministerium solle Armut bekämpfen und nicht die Diplomatie des Außenministeriums unterstützen.
Insgesamt waren für den Besuch Kosten von 24 Millionen Euro prognostiziert worden. Um ihren Anteil von neun Millionen Euro zu finanzieren, verlangte die Kirche erstmals Eintritt für Papst-Messen. 25 Pfund, rund 30 Euro, kostete etwa die Teilnahme an der zentralen Messe in Birmingham. Zudem gab es Papst-Memorabilia wie das Konterfei Benedikts samt des Slogans "Herz spricht zu Herz" auf T-Shirts, Baseball-Kappen, Wandtellern, Schlüsselanhängern, Kaffeebechern und Kühlschrankmagneten zu kaufen.
Es war der erste offizielle Staatsbesuch eines Papstes seit dem Jahr 1534. Der Papst traf auch mit dem nominellen Oberhaupt der anglikanischen Kirche, Königin Elizabeth II, zusammen. Und Benedikts Besuch war unter den Briten höchst umstritten - unter anderem, weil das Verhältnis zwischen katholischer und anglikanischer Kirche als angespannt gilt. Die Katholiken, die neun Prozent der britischen Bevölkerung ausmachen, versuchen, konservative anglikanische Gemeinden abzuwerben.
Auf seiner viertätigen Reise sammelte Benedikt aber viele Sympathien. So zeigte er sich beschämt über den Missbrauch von Kindern durch Priester. Kirchenangehörige hätten "unendliches Leiden" über die unschuldigen Opfer gebracht, sagte er etwa während einer Predigt in der Kathedrale von Westminster in London.
ulz/AP
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