Bewerbungsfotos Kleider machen Kanzler

Sachthemen sind schon lange out, finden Meinungsforscher und Werbefachleute. Auf das Image der Leitfiguren komme es an. Da kann eine falsche Krawatte alles zunichte machen. Bei SPIEGEL ONLINE können Sie sich selbst als Imageberater für unsere Kanzlerbewerber betätigen.


Der Bundeskanzler ist fast perfekt. "Ein Politiker hat im Fernsehen meist nur ein paar Sekunden Zeit, seine Botschaft rüber zu bringen", erklärt die Imageberaterin Sabine Schwind von Egelstein. Deshalb darf keine grelle Krawatte die Aufmerksamkeit der Zuschauer ablenken, und wer den Aufschwung verkünden will, darf nicht die Schultern hängen lassen.


Schröder - und wie
er aussehen könnte

  Stoiber - und wie
er aussehen könnte




Talkshow-König ist Schröder sowieso, warum also nicht gleich die Seiten wechseln und eine Sendung moderieren? "Wetten, dass ich es schaffe, die Zahl der Arbeitslosen auf 3,5 Millionen zu senken?" Für den Fall, dass er die Staatwette verliert, könnte Schröder anbieten, ein Jahr lang die Gags für Thomas Gottschalk zu schreiben. Empfehlen Sie Gerhard Schröder das Gottschalk-Outfit, wählen Sie bitte im Vote "Image Nr. 1"! Sein Name ist Schröder. Gerhard Schröder. Auf die Austrahlung kommt es an. Wir brauchen mehr Womanizer in der Politik. Empfehlen Sie Gerhard Schröder das James-Bond-Outfit, wählen Sie bitte im Vote "Image Nr. 2"!   Sein Auftritt bei "Christiansen" ging gründlich daneben. In einer eigenen Show könnte das ganz anders laufen. Auf handlichen Kärtchen stehen in großen Buchstaben vorformulierte Sätze. Empfehlen Sie Edmund Stoiber das Günther-Jauch-Outfit, wählen Sie bitte im Vote "Image Nr. 1"! "Erwin, hol schon mal den Wagen!" An der Seite von Inspektor Erwin Huber spürt Kommissar Stoiber im Bundesrat jeden Verfassungsbrecher auf. Empfehlen Sie Edmund Stoiber das Derrick-Outfit, wählen Sie bitte im Vote "Image Nr. 2"!
Leger und unverwüstlich. So lassen sich mehr als nur 16 Jahre im Kanzleramt überstehen. Empfehlen Sie Gerhard Schröder das Johannes-Heesters-Outfit, wählen Sie bitte im Vote "Image Nr. 3"! Oder wollen Sie zur Abwechslung doch mal einen Intellektuellen im Kanzleramt, der die Blechtrommel für ein neues Zuwanderungsgesetz rührt? Empfehlen Sie Gerhard Schröder das Günter-Grass-Outfit, wählen Sie bitte im Vote "Image Nr. 4"!   In Sachen uneingeschränkter Solidarität steht Edmund Stoiber seinem potenziellen Amtsvorgänger in nichts nach. Wenn es sein muss, tritt der Kandidat auch mal im solidarischen Slip auf und enthüllt dabei einen unerwartet muskulösen Körper. Empfehlen Sie Edmund Stoiber das Body-Builder-Outfit, wählen Sie bitte im Vote "Image Nr. 3"! Gucci-Chefdesigner Tom Ford hält Afghanistans Premier Hamid Karzai für den am besten gekleideten Mann der Welt. Wieso sollte der hübsche Umhang nur dem Paschtunen stehen? Empfehlen Sie Edmund Stoiber das Hamid-Karzai-Outfit, wählen Sie bitte im Vote "Image Nr. 4"!
Der Bundestag als ein einziger Laufsteg? Modezar Gerhard Schröder könnte für ein neues Klima sorgen. Empfehlen Sie ihm das Karl-Lagerfeld-Outfit, wählen Sie bitte im Vote "Image Nr. 5"! Ach, wieso nicht beim Altbewährten bleiben? Wir mögen unseren Kanzler so, wie er ist. Empfehlen Sie Gerhard Schröder das Schröder-Outfit, wählen Sie bitte im Vote "Image Nr. 6"!   Ach, wieso nicht beim Altbewährten bleiben? Wir mögen unseren Kanzlerkandidaten so, wie er ist. Empfehlen Sie Edmund Stoiber das Stoiber-Outfit, wählen Sie bitte im Vote "Image Nr. 5"! Für die Bundestagswahl gelten letztendlich die gleichen Regeln wie für den Schlager-Grand-Prix, oder? So könnte Edmund Stoiber auch die Kleidung dem Medienereignis anpassen. Empfehlen Sie Edmund Stoiber das Rudolph-Moshammer-Outfit, wählen Sie bitte im Vote "Image Nr. 6"!

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Bei der Tagung der Politischen Akademie Tutzing sind sich Meinungsforscher und Werbefachleute einig, dass die Personalisierung der Politik zunimmt. Zwei Drittel der Bundesbürger seien eigentlich Stammwähler, erklärt Manfred Güllner, Chef des Forsa-Instituts. Aber ob sie zur Wahl gehen und wie sich die noch Unentschlossenen entscheiden, hänge stärker als früher von den Spitzenkandidaten ab. "Das geht in Richtung Präsidentschaftswahl wie in den USA", sagt Güllner.

Edmund Stoiber, Gerhard Schröder: Brauchen sie ein neues Image?
DDP

Edmund Stoiber, Gerhard Schröder: Brauchen sie ein neues Image?

Die Parteien versuchten auch früher schon, Politik über Personen zu vermitteln - der Augsburger Kommunikations-Professor Frank Brettschneider verweist auf alliterative Wahlslogans wie "Willy wählen" oder "Stoppt Strauß". Aber das Fernsehen habe einen anderen Politiker-Typus in den Vordergrund rücken lassen. Die Medien räumten Events und Personality immer mehr Platz ein. "Alle haben über die Frisur von Angela Merkel diskutiert", sagt Brettschneider. Statt komplizierte Sachthemen aufzudröseln, werde Politik auf einen Wettkampf zwischen den Leitfiguren reduziert.

Mit dem falschen Bild baden gegangen

Es sei ganz einfach, hat Kanzler Gerhard Schröder vor kurzem bei einem Wahlkampfauftritt in Augsburg gesagt: "Wollt ihr den, oder wollt ihr mich?" Obwohl seinem Herausforderer Edmund Stoiber in Umfragen mehr Kompetenz bei den Themen Arbeit, Wirtschaft und Sicherheit zugebilligt wird, zieht die Mehrheit Schröder als Kanzler vor. "Schließlich wird kein Wirtschaftsminister gewählt", erklärt Güllner. Schröder wird als sympathischer, gewandter und sozial kompetenter eingeschätzt. Bei Frauen und nördlich des Mains liegt Schröder klar vorn. Seine Partei allerdings ist derzeit in einem Tief. "Die spannende Frage wird sein: Kann Schröder die SPD mit hoch ziehen, oder ist die Kluft zu groß?", sagte Güllner.

Personen seien wichtiger als Programme, meint der Essener Professor Peter Wippermann. "Menschen reduzieren Komplexität, indem sie sich auf Leitbilder konzentrieren. Die politische Auseinandersetzung läuft über die Spitzenkandidaten." Die passenden Bilder müssten die Kernaussage und das Kompetenz-Image unterstreichen. Politiker würden zu Stars, müssten zugleich aber auch volksnah und menschlich wirken. "Mit dem falschen Bild kann man ganz schön baden gehen - das hat uns der Verteidigungsminister gezeigt."

"So wird man keine Kanzlerin"

Jiang Zemin und George W. Bush haben es vorgemacht: Im richtigen Outfit versteht man sich gleich viel besser, selbst wenn man nicht immer einer Meinung ist. Vielleicht sollten es die beiden Kanzleraspiranten auch mal auf chinesisch versuchen...
[M] DPA/SPIEGEL ONLINE

Jiang Zemin und George W. Bush haben es vorgemacht: Im richtigen Outfit versteht man sich gleich viel besser, selbst wenn man nicht immer einer Meinung ist. Vielleicht sollten es die beiden Kanzleraspiranten auch mal auf chinesisch versuchen...

Schröder habe immer das richtige Styling und eine überzeugende Lockerheit, lobt Schwind von Egelstein, die in München auch Wirtschaftsbosse vor wichtigen Auftritten berät. Als Spekulationen über seine getönten Haare am Bild kratzten, wurden sie sofort gerichtlich unterbunden. Stoibers Berater setzen dem Mediencharisma des Kanzlers das Image der Authentizität entgegen: ein ernster Politiker für ernste Zeiten. Um dem Ruf der Humorlosigkeit zu begegnen, wird hie und da ein Scherz in seine Reden eingeflochten. Aber er wirke steif, bemängelt die Image-Beraterin. Mit pastellfarbenen Hemden und etwas bunteren Krawatten könnte er gleich etwas offener und moderner wirken.

Kleidung, Körperhaltung und Sprache machten noch keinen Kanzler. "Aber wer schon optisch schlecht rüber kommt, hat es schwer", sagt die Imageberaterin und kritisiert Merkels Frisur, Kleidung und Körperhaltung: "So wird man keine Kanzlerin!"

Was uns die Profil-Weisen aus Tutzing jedoch verschweigen: Mit welchem Outfit gelangt ein Kandidat denn nun ins Kanzleramt? SPIEGEL ONLINE hat deshalb selbst ein paar Image-Vorschläge erarbeitet. Wählen Sie eines von je sechs Bewerbungsfotos von Titelverteidiger Schröder und Herausforderer Stoiber und stimmen Sie ab!




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